AltaVista, Suchmaschinen-Groesse & Flash.

Rueckzieher

AltaVista hat soeben die Sache mit den bezahlten Links ersatzlos gestrichen. Nicht nur neue Auktionen finden nicht mehr statt, auch bisher versteigerte Positionen loesten sich ueber Nacht in Luft und Nebel auf. Fragen sich die Kenner, warum?

AltaVista sagt selbst, dass das Programm nicht den Anspruechen der Werbewirtschaft genuegt - und wer AltaVista's Anmeldeseite studiert, wird darauf hingewiesen, dass das Fuellen der Suchmaschine mit "promotional pages" eine Strafsuende ist.

Dass sich Werbekunden und bezahlte Links ins Gehege kamen, liegt nahe. Waehrend am Anfang bezahlte Links noch vor den zehn URLs pro Suchseite ausgegeben wurde, rutschten sie nach kurzer Zeit _unter_ die zehn Ergebnisse der Suchanfrage, um gar nicht so viel spaeter ganz gestrichen zu werden.

Dass die Mehrzahl der Sucher bezahlte Links ignoriert, zeigt vielleicht die RealNames-Erfahrung. Seitdem RealNames jetzt auch bei Fireball erscheint, habe ich mir einen solchen fuer den Begriff "Suchmaschinen" zum Preis von $100 zugelegt. Das ist rund ein Achtel von dem, was mich mein Irish Setter gekostet hat. Der Setter hat sich gelohnt.

http://www.kso.co.uk/ksoiconsöliver.jpg

[Ich hatte das Bild mal aus privaten Gruenden auf den Server geladen] Das RealNames-Investment bringt mir etwa 0.02% aller Zugriffe. Aehnliches hoert man, wenn man mit Webmastern spricht, die AltaVista's Paid Links ersteigert hatten. Die Ergebnisse blieben hinter denen, die man bei Goto erzielt, zurueck, obwohl Goto nur Bruchteile des AV-Traffic hat.

Vermuten laesst sich aber auch der Interessenkonflikt. Das Hauptgeschaeft der grossen Suchmaschinen ist nach wie vor der Verkauf von Werbeflaechen. Und hier scheint Doubleclick, der groesste Anbieter von AV-Bannerplatz, Bedenken gehabt zu haben. Bannerverkauf an Markenartikler ist eine "heile Welt". Da sollte man nicht "dran ruehren".

Gefunden

Nicht jede Frage kann man beantworten. Aus meinem Refererlog: "wie rangieren suchmaschinen webseiten"

Mittelstandsweb

Das Web ist laengst nichts mehr fuer eine Elite. Jetzt wird auch der Mittelstand aktiv. Schalten Sie mal JavaScript aus, wie ein "signifikanter Teil" aller Web-Anwender, und besuchen Sie:

http://www.deutscher-mittelstand.de/

Syntax-Error

Bahnbrechend ist fuer viele Windows-Benutzer die Erkenntnis, dass Server-Betriebssysteme anders als ein Home-PC buchstabieren. Bis zu dieser Erkenntnis braucht es aber oft wiederholte Anmeldeversuche und noch mehr Schriftwechsel.

Was Windows- [und auch Mac-] Anwender oft nicht wissen: bei Dateinamen auf Server-Systemen wird zwischen Gross- und kleinschreibung unterschieden. Index, inDex und indeX sind drei verschiedene Dateinamen, auch wenn man auf dem Home-PC nur eine solche Datei anlegen kann.

Es sind nicht die Suchmaschinen, die "offensichtlich" nicht in der Lage sind, Dateien, die auf dem Server /index.html heissen, abzurufen, wenn bei der Anmeldung /Index.html eingegeben wird.

Auch dass Suchmaschinen nicht uebernacht auf einen Wechsel des Domainnamens eingehen, scheint nicht bekannt zu sein. Wer seinen Domainnamen aendert, sollte die alte solange weiter betreiben, bis die neuen Seiten eine aehnliche [oder bessere] Position in den Suchmaschinen erzielt haben.

Aber auch dann nicht einfach den Stecker ziehen. Solange Suchmaschinen die alten Seiten enthalten und diese einen steten Besucherstrom verursachen, sollte der alte Server ein Redirect [das richtet Ihr Webmaster ein] auf alle Abrufe erteilen. Besucher werden so umgehend auf die neue Domain umgeleitet. Und bei Suchmaschinen-Anfragen _sollte_ ein Redirect dazu fuehren, dass die alten Seiten aus dem Datenbestand entfernt und die neuen, falls sie noch nicht indiziert wurden, uebernommen werden.

Nicht ueberall klappt das. Northernlight loescht alte nur ungern, da sonst das Vorhaben, die groesste Suchmaschine der Welt zu betreiben, bedroht wird.

Aufgeblasene Datenbestaende durch Dubletten gibt es auch bei Intersearch - trotz erster Fehlermeldung im Dez. 97 - und anderen. Waehrend Dubletten meist Folge eines Mehrfach- Eintrags unter verschiedenen Domains sind [und bei einigen wenigen die Erkennung von www.host.dom und host.dom als Dublette versagt], haben Dubletten bei Intersearch den Vorteil, dass dem Web-Verantwortlichen keine Manipulation vorgeworfen werden kann. Doppelte Ergebnisse erscheinen einfach durch von der Software ausgeloeste "Zufaelle".

Flash-Effekt

Effekte, Flash und die Jugend bringen Hits. Das Geld bringen aeltere Jahrgaenge. Zona Research meldete kurz nach Weihnachten, dass das lohnendste Segment der Web-Bevoelkerung die fortgeschritteneren Jahrgaenge sind [aufgrund der besseren Einkommens eigentlich selbstverstaendlich]. ActiveMedia bestaetigt die Erfahrung: die Mehrzahl aller Sites, auf denen gehobene Gueter verkauft werden, machte sofort "schwarze Zahlen". Ein Argument, das oft in Vergessenheit geraet: die Baby Boom-Generation kommt in die Jahre, und hilft damit fuer ein paar Jahrzehnte, das Durchschnittsalter der Bevoelkerungen in die Hoehe zu katapultieren.

Wer diese Altersgruppe vernachlaessigt, kann mit einigem Geschick trotzdem auf steigende Zahlen verweisen:

About.com - bis vor kurzem als Miningco bekannt - meldete eine Verneunfachung des Umsatzes im letzten Quartal. Verluste stiegen von $US 2.8 Mio auf $US 20.4 Mio.

TheStreet.com meldete diese Woche einen Umsatzanstieg um 192% fuer das letzte Quartal. Verluste stiegen von $US 1.1 Mio auf $US 3.3 Mio.

Das Schlusslicht der juengsten Quartalsberichte bildet Internet.com: Umsatz stieg von $971,000 auf $2.9 Mio. Verluste von $569,000 auf $1.5 Mio.

Karriere-Backup

Zukunft-Studien faszinieren. Langjaehrig erfolgreiche Manager wissen, dass Entscheidungen umso leichter getroffen [d.h. vor anderen rechtfertigt] werden koennen, je mehr eine Sache recherchiert wurde. Deshalb verkauft sich Nostradamus heute noch. Und deshalb hat er eine grosse Zahl der Nachahmer, mit beeindruckendem "Research", "Institut" oder "Organisation" im Firmennamen.

Die Zahl der Internet-Anwender im Jahre 2000, 2001, 2002, 2003 oder auch 2005 wird von vielen Studien heute schon genannt. Ebenfalls die Umsaetze, die per ECommerce gemacht werden. Die Verteilung der Umsaetze auf Branchen. Und auch Regionen. Gleichzeitig wird festgehalten, welche Technologien und welche Verfahren besonders schnelle Verbreitung finden.

Interessant an allen Studien ist nur, dass sie selbst im 20. Jahrhundert noch Abnehmer finden.

Wie "wertvoll" Zukunfts-Einschaetzungen sind, belegt jeden Tag mehrfach die Wettervorhersage. Auch rueckwirkend laesst sich das pruefen. Nehmen Sie willkuerlich irgendeine in den letzten fuenf oder zehn Jahren gemachte Prognose, die das Leben im Jahr 1999 beschreibt. Sieht die Kueche der Zukunft aus, wie Ihre? Benutzen wir alle ein Bild-Telefon? Laufen wir alle mit einem VRML-Helm auf dem Kopf herum? Wurde irgendwann ein Produkt oder eine Dienstleistung, die gehypt wurde, tatsaechlich ein Markterfolg?

Wie wertvoll das Internet und eine kommerzielle Praesenz _heute_ sein kann, waehrend andere auf die Zukunft warten, belegen andererseits tausende von aktiven Praesenzen. Diese Unternehmen sehen Sie selten in den Medien. Fuer Hype hat niemand Zeit, weil Kunden bedient werden wollen. Selbst in Werbung wird dort relativ selten investiert. Der typische Internet-Anwender weiss, was er will. Und wie er genau das findet.

Er weiss vor allem, wem er vertraut, und wie er sich nicht ueberrumpeln laesst. Der gemeinsame Nenner aller [kommerziell] erfolgreichen, d.h. schwarze Zahlen schreibenden, Sites ist der Verzicht auf Hype. Dafuer hat man eine hohe Zahl externer Links, in den Suchmaschinen oft gefundene Seiten, die nicht nur eine gute Position erzielen sondern dort auch als Zwei- oder Dreizeiler den Wettbewerb gewinnen und den Suchenden von der Notwendigkeit des Besuchs _ueberzeugen_.

Firmen, die nicht akzeptieren koennen, dass kommerzieller Erfolg auf dem Web ueberwiegend Konsequenz des "passiven Entdecktwerden" und nicht aktiver Aquise ist, verpassen die Chance, dem sich mehr und mehr verwurzelnden Verhaltenswandel des Kunden gerecht zu werden. Nur praktischer Nutzen, "Was ist hier fuer mich zu holen", oeffnet Portemonnaies.

Praktischer Nutzen hat Nebenwirkungen. Sie fuehren dazu, dass Verantwortliche thematisch aehnlicher Sites einen Links auf Ihre setzen, _weil_ sie ihren Besuchern diesen Zusatznutzen bieten wollen. Der so erzielte Traffic ist selbst bei Sites mit geringem Verkehrsaufkommen qualifizierter als der durch systematischen Linktausch oder Bannerwerbung ausgeloeste. Weil er dem ursaechlichen Gedanken des Webs, der Hyper-Verlinkung _relevanter_ Dokumente, entspricht.

Wir machen zwei Wochen Sommerpause. Am 21.8. erscheint die naechste Ausgabe.

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