WebCrawler, Fireball, AltaVista & Killer-Anwendung.

Suchmaschinen-Position

Nicht alle Suchmaschinen sind gleich wichtig. Seit einiger Zeit habe ich fuer den Suchbegriff "Suchmaschinen" Platz Eins beim WebCrawler. Bevor Sie fragen: reiner Zufall. Ich habe mich nie darum bemueht.

Durch meine [kaum fortgeschrittenen] Arbeiten des Log Analyse- Programms weiss ich, dass mir diese Position massive sieben Besucher im August gebracht hat [die Champagnerkorken fliegen].

Dass beim WebCrawler Hyperaktivitaet simuliert wird, vermute ich seit einiger Zeit. Auch bei Kunden sieht man den WebCrawler nur in Ausnahmefaellen im Referer-Log, selbst bei hervorragender Positionierung.

Untermauert wird die Vermutung durch die Art der Suchanfragen, die in den "Voyeurs-Seiten" der Suchmaschine gezeigt werden. Viele der Suchanfragen stammen vermutlich aus Schulaufsaetzen oder Schadensmeldungen an Versicherungen.

Wenn Sie sich die WebCrawler Voyeurs-Seite ansehen, achten Sie mal auf die laengeren Suchanfragen. keyDB wertet die Voyeurs- Seite des WebCrawler deshalb nicht aus:

WebCrawler Voyeurs-Seite:

http://www.webcrawler.com/cgi-bin/SearchTicker

keyDB: Suchmaschinen-Suchbegriffe

Fireball neues Ranking

Fireball hat diese Woche die spam-einladende Rankingmethode, bei der der Name einer Datei mitbewertet wurde, endlich durch ein neues Verfahren ersetzt. Ich habe zwar noch keine handfesten Belege, aber Suchanfragen nach allen moeglichen Themen zeigen immer haeufiger Top-Positionen fuer Seiten, die den Suchbegriff nicht als Dateinamen haben. Endgueltige Bestaetigung bringt die naechste Analyse, als Beiprodukt des monatlichen Suchmaschinen- Vergleichs gefahren.

AltaHut

Suchmaschinen spidern das Web, um Dinge zu finden, indizieren und zu ueberwachen. Wenn Sie eine in den Suchmaschinen bereits indizierte Seite aktualisieren, sollte - so die Theorie - der neue Inhalt spaetestens nach dem Besuch eines Spiders einer Suchmaschine Eingang in die Datenbank finden.

Nicht so. Warum AltaVista spidert, ist nicht bekannt. Seiten die nicht mehr existieren, werden trotz wiederholter 404er nicht aus dem Bestand geloescht. Und Seiten, deren Inhalt sich nach Erstaufnahme veraendert hat, bleiben mit dem urspruenglich indizierten Inhalt in der AltaVista-Datenbank.

Ueberpruefen koennen Sie das, wenn Sie den von AltaVista ausgegebenen Text mit Ihren Seiten bzw den darin enthaltenen META-Tags vergleichen.

Killer-Technologie

Was die sog. "Killer-Anwendung" des Webs ist, darueber streiten sich derzeit noch die Experten. Am Anfang war es das einfache Browsen. Dann meinte jemand, email, weil man per HTML-email jedem Banner unter die Nase halten konnte. Push und Portale waren Dinge, die in den Agenturen ertraeumt wurden und auch Erfolge verzeichnen konnten. Zumindest wo Quasi-Technologie verkauft werden sollte.

Eigenartigerweise lassen sich Internet-Anwender nicht so leicht dirigieren, wie die Herden, die zwecks Abschoepfung der Kaufkraft durch Einkaufsstrassen geschleust werden. Zumindest der Teil der Anwender, der selbst denkt und der selbst zahlt. Trittbrettfahrer haben keine wirklich "freie" Wahl.

Wer schonmal bei Amazon war, weiss, was ich meine. Amazon war [und ist?] das einzige Web-Unternehmen, das seinen Kunden die Moeglichkeit gibt, ungeschminkte Kritiken zu veroeffentlichen.

Dabei ist es nicht einmal noetig, ein besprochenes Buch bei Amazon zu kaufen. Literatur-Beurteilung durch unbeteiligte Dritte ist fuer den typischen Internet-Anwender wichtiger als eine Buchbesprechung in den Medien, hat sie doch fast den Charakter einer [immer unzensierten] Usenet-Veroeffentlichung.

Das Fehlen der Zensur, das ungeschminkte Veroeffentlichen jeder Kritik - positiv oder negativ - verleiht diesen ein Mass an Ehrlichkeit, das keine noch so teure Werbe-Kampagne erkaufen kann.

Damit wird Ehrlichkeit zur "Killer-Anwendung". Verlage haben sich daran gewoehnen muessen, dass bei Amazon Buecher auch mal "verrissen" werden. Negative Kritik ist im Buchhandel nicht denkbar. Deshalb hat der Mensch gegenueber den typischen Werbespruechen eine gewisse Skepsis entwickelt. Gleichzeitig wird dem voellig Fremden, der Ihnen im Laden zufluestert, dass das von Ihnen auserwaehlte Produkt Versprochenes nicht haelt, meist mehr Glaubwuerdigkeit eingeraeumt, als jeder noch so "cleveren" Werbebotschaft.

Und deshalb laesst sich Amazon nicht von Verlagen vorschreiben, welche Informationen auf der Site veroeffentlicht werden. Diese Tatsache allein macht mich zum Amazon-Kunden. Die Bequemlichkeit, der Preis, die Lieferung an's Sofa [fuer die letzten Meter ist, so glaube ich, meine andere Haelfte verantwortlich], und auch die Moeglichkeit, Buecher, die nicht halten, was die Vorstellung verspricht, zurueckschicken zu koennen, sind alle nachrangig.

Ehrlichkeit auf dem Web wird geschaetzt. Weil Ehrlichkeit bei kommerziellen Transaktionen ein seltenes Vorkommnis ist. Die typische Werbung des spaeten 20. Jahrhunderts basiert oft auf Taeuschung und Uebervorteilung durch Appelle an die niederen Instinkte - die je nach demografischen Eigenschaften aber gar nicht so "nieder" sind.

Firmen, die auf veraenderte Erwartungen und das veraenderte Kaufverhalten des Online-Kunden bei der Gestaltung der Web- Praesenz nicht eingehen, gehen ein.

Wachstumsgrenzen

Mit vielen anderen. Vor ein paar Wochen wurde in St Louis nach sechs Jahren Pause wieder ein Internationaler Botanischer Kongress abgehalten. Mehr als 4,000 Experten in Botanik, Mycologie, Pflanzen-Oekologie, Gartenbau und Landwirtschaft hatten sich einiges zu sagen:

Naemlich dass, wenn nicht ganz schnell ein wundersamer Wandel des menschlichen Denkens und Verhaltens erlebt wird, uns in den naechsten 100 Jahren ein Massenaussterben bevorsteht, von dem ein gewisser spitzbaertiger Anfuehrer nur traeumen konnte.

Betroffen sind nach und nach zwei Drittel aller Arten. Nicht zwei Drittel aller Menschen, exotischer Baeume oder Kaefer. 2/3 aller Arten. Eine nach der anderen, Warm-, Kaltblueter und Pflanzen. In der Reihenfolge der Ueberlebens-Chancen unter sich rapide veraendernden Umweltbedingungen.

Was das mit dem Web zu tun hat?

Kommt auf den Horizont an. In etwa sechs Jahren, so verschiedene Oel-Experten, steht uns wieder eine Oel-Krise ins Haus. Vom Wetter hoert man, dass radikales Abholzen um des Konsums Willen negative Folgen hat. Und ruecksichtslose Produktion von modischen Wegwerf-Guetern soll auch nicht unbedingt foerderlich sein.

Das Verhalten wird sichtbar, wenn man in den Suchmaschinen sucht. Identische Seiten unter zahlreichen Domain-Namen sind typisch fuer das Verhalten, durch das ein Grossteil der Umwelt- Schaedigungen verursacht werden. Und ob Arbeiter in der Dritten Welt noch dazu bereit sind, CDs, Schuhe, Mode-Muell und eine Vielzahl von Dingen billigst fuer die Alte Welt zu produzieren, wenn Grundnahrungsmittel ausgehen, ist fraglich. Genau so fraglich ist das Weiterbestehen unserer "Kultur", wenn immer drastischere Wetter-Bedingungen ploetzlich zeigen, dass das Internet doch nicht allen Widersachern standhalten kann.

Verantwortliches Verhalten zahlt sich doppelt aus. Die Internet- Revolution ist nicht so sehr eine technische [aus technischer Sicht ist das Internet ein dreissig Jahre alter Hut] als eine ethische und moralische. Was heute noch mit PR gemacht wird, ist zukuenftig eine Aufgabe des Marketings: den guten Ruf eines Unternehmens, basierend auf Kaeufer-Erfahrungen, zu verteidigen und auszubauen.

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