Beim Online-Verkauf tun sich Unternehmen schwerer als noetig. Oft heisst es, Verbraucher kaufen einfach nicht genug online, dass sich die Sache rentieren koennte. Firmen wie Dell, Amazon, CD Now und tausende andere wissen, wie's in der Praxis aussieht. Die Umsatzgrenze von einer Million ist auch in Europa gar nicht so abwegig, wenn Sie entsprechende Produkte verkaufen: die erst im Februar des Jahres vorgestellte Site von Dabs, einem UK Computer-Lieferanten, erzielte im Juli erstmals einen Monatsumsatz von 1 Mio Pfund.
http://www.dabs.com/
Aber selbst Information verkauft sich online, so hoert man. Mehr als 300,000 Abonnenten hat die amerikanische Verbraucher- Organisation Consumer Reports. Mitglieder zahlen pro Monat $2.95 [oder $24 p.a.] und erhalten dafuer Zugriff auf die aktuelle Online-Ausgabe der Zeitschrift sowie gut drei Jahre archivierter Verbraucher-Berichte. Wer die Print-Version der Zeitschrift abonniert hat, erhaelt ganze $5 Rabatt, wenn er auch Online-Zugriff abonniert.
Ausschlaggebend fuer den Erfolg ist das Produkt. Einzig und allein. Consumer Reports-Verbraucherberichte haben einen Ruf in den USA wie die "alte" DM ihn in den Siebzigern in DE besass. Consumer Reports vertritt _nur_ die Interessen des Verbrauchers.
http://www.consumerreports.org/
Gegenprobe:
Kostenlos werden aehnliche Reports von J. D. Power abgegeben, allerdings nur an die Presse und nur mit Einschraenkungen. Power veroeffentlicht nach jedem Test die Namen der Produkte, die in einer Untersuchung ueberdurchschnittlich abgeschnitten haben. Wer das Klassenziel nicht erreicht, erfaehrt die Presse nur auf Anfrage und dann nur in alphabetischer Reihenfolge ohne Beurteilung oder Begruendung.
Power-Reports werden durch die Industrie finanziert, die die Ergebnisse, die eigene Produkte in Tests erreicht haben, in Werbung und PR veroeffentlichen darf.
Da der Verbraucher nicht schlaeft, ist das "Geheime Zitronen- Problem" in den USA bekannt. Welche Produkte die Power-Tests nicht bestehen, erfaehrt der Verbraucher von Power nicht.
http://www.nytimes.com/
Schuld daran ist "Hierarchie", oder das Zerbroeckeln dieser.
Per Mausblick koennen Sie heute von einem Schriftstueck in den USA auf eine Referenz in Australien springen. Bevor das Web Hypertext ermoeglichte, wurde jede Art Information linear angeboten und verzehrt [sofern nicht vorher abgebrochen wurde].
Genauso linear erfolgte Kommunikation. Anweisungen gingen durch Hierarchie-Ebenen von oben nach unten. Anfragen oder Gesuche machten den umgekehrten Weg, um meist irgendwo auf Widerstand zu stossen, lange bevor die Spitze einer Hierarchie erreicht wurde.
Einzelne Hierarchie-Ebenen waren isoliert, der Kollegen- und Freundeskreis meist recht eingeschraenkt. Ueberregionale und inzwischen internationale Kommunikation und Kontakte entstanden - lange vor dem Web - einmal durch das Internet, internationale Kooperation in Erziehung und Wissenschaft ermoeglichend, aber auch durch erhoehte Mobilitaet und nicht zuletzt durch die "Commoditisierung" des Tourismus.
Wenn Sie im Marketing arbeiten: Hierarchien sind "out", Geschichte, Relikt. Nur Minderheiten lassen sich heute noch vorschreiben, was "cool" aussieht, schmeckt oder ist. Ihre Kunden wollen laengst nicht mehr als minderwertige "Verbraucher" behandelt werden, sondern kommunizieren - Ihre Vorstellung von Hierarchie voellig ignorierend - unter sich, ueber Orts, Landes- und Kontinentgrenzen hinweg, um sich _vor_ der Kaufentscheidung ueber Lieferanten, Nutzen und tatsaechliche Kosten zu informieren.
Wenn Sie mal sehen wollen, wie das geht, besuchen Sie Deja. Eine Suche nach Ihren letzten Anschaffungen zeigt Ihnen, was Sie vor dem Kauf verpasst haben. Waehrend Deja ueberwiegend englischsprachig ist, gibt es auch aehnliche News-Archive in deutscher Sprache.
http://www.deja.com/ http://netnews.web.de/
Ein Grund, warum WebTV nicht sonderlich erfolgreich ist, mag damit zu tun haben, dass die Betreiber versuchen, Hierarchien am Leben zu halten.
WebTV-Kunden zahlen fuer die Nutzung. Trotzdem koennen bei WebTV von Anwendern untergebrachte Web Sites nur genutzt werden, wenn der Abrufer Cookies aktiviert hat. Warum? Gates behandelt WebTV-Kunden nicht anders als andere Kunden.
http://community.webtv.net/@LacksCookieSupport
Und selbst wer bisher [nicht] verstehen konnte, warum AOL der weltweit groesste ISP ist: AOL's Wachstum haelt nicht mehr mit der Marktexpansion statt. Absolute Zahlen zeigen zwar noch Wachstum, der Marktanteil in den USA sinkt aber weiterhin. Den groessten Erfolg verzeichnen seit einiger Zeit kleine, unabhaengige ISPs. Vielleicht, weil AOL's Hierarchie erfahrenere Anwender mehr und mehr stoert?
Northernlight wird zum Excite des Nordens. Northernlight ist eine der Suchmaschinen, die in Anspruch nimmt, die groessten der Welt zu sein. Diese Behauptung ist fast schon ein Makel. Auch Excite befand bei gleichzeitigem Trommeln auf die Brust erst vor kurzem, zwischen 300 und 500 Mio Seiten spidern zu wollen.
Excite behauptet obendrein, beim Ranking Link-Popularitaet zu beruecksichtigen. Waehrend die Logik nicht uninteressant ist [Sites, die auf eine stolze Zahl von Links verweisen und damit durch Dritte "geschaetzt" werden, erhalten bei der Bewertung eine bessere Beurteilung], wissen wir, dass Link-Popularitaet schlecht in Echtzeit gemacht werden kann. Dafuer ist das auszuwertende Material zu dynamisch, und dafuer ist die von jeder Suchmaschine gespiderte Basis _viel zu duenn_.
Der Hauptgrund, so vermute ich, weshalb man Link-Popularitaet als Bewertungs-Kriterium nennt, ist die durch Anwender nicht oder nur muehsam kontrollierbare Zahl der Links, die auf eine Site weisen, so dass man Bewertungs-Methoden, die eine gewisse Zufaelligkeit in die Ergebnisse bringen, versteckt werden koennen. So laesst sich bei manchen Suchmaschinen tatsaechlich beobachten, dass Zufaelle bei der Sortierung der angebotenen Ergebnisse im Spiel [oder Design] sind. Eine entsprechende Statistik ist in der Mache.
Waehrend man vom intensiveren Spidern bei Excite nichts merkt - mehrere von Excite bediente Suchmaschinen wie AOL sprangen zwischenzeitlich ab, um Daten meist von Inktomi zu verwenden - spidert Northernlight viele Neuanmeldungen innerhalb einer Woche.
Dafuer hapert es andererseits mit der Ausgabe. Wenn ich mit meinem mittelalterlichen Browser [Netscape 3.04] bei Northernlight suche, erhalte ich etwa jedes zweite mal keine Ergebnisse. Ein Blick auf den Quellcode der ausgegebenen Seiten zeigt, woran das liegt: nur wenige haben weniger als 200 HTML-Fehler.
Da mein Suchmaschinen-Parser in solchen Faellen schonmal die virtuelle Nase ruempft [Sie muessten mal die Falten sehen], werde ich Northernlight bei urlCount abschalten.
Letzte Woche vermutete ich, dass Fireball den Dateinamen beim Ranking nicht mehr bewertet. Diese Woche muss ich bekennen, dass ich aufgrund des Nachurlaubs-Blues wohl geschlafen habe. Bei fast jeder im Laufe der Woche unternommenen Suche war der Suchbegriff wieder identisch mit dem Dateinamen.
Denken Sie an ein sicheres Auto. Wetten, dass Sie an Volvo gedacht haben? Oder an McDonald, wenn's um Hamburger geht? An Lego, wenn ich Kinder-Bausteine sage?
Ich habe keineswegs vor, mich hier als Hellseher zu etablieren. Aber ich koennte mir vorstellen, dass nicht jeder potentielle Kunde an _Ihr_ Unternehmen denkt, wenn es um _Ihre_ Produkte geht. Wieso?
Marketing ist ein Mind Game [wieder etwas, was sich nicht uebersetzen laesst]. Wenn Ihre Marketing-Bemuehungen nicht darauf abzielen, eine praezise umrissene Produktgattung exklusiv mit Ihrem Firmennamen in Verbindung zu bringen, koennen Sie sich die Aufwendungen sparen. Oder zumindest umdirigieren.
Wenn Sie - nach nuechterner Analyse - feststellen, dass einer Ihrer Mitbewerber einen aus Ihrer Sicht wichtigen Begriff, z.B. eine Eigenschaft, ein Feature, eine Gattung oder einen Vorteil, bereits "kassiert" hat, ist es absolut muehselig, zu versuchen, diese Assoziation in der Vorstellung Ihrer Kunden umzuformen.
Kein Marketing-Etat der Welt kommt gegen eine einmal in der Vorstellung potentieller Kunden geformte Verbindung wie "Volvo = sicheres Auto" an. Es ist einfacher, eine neue Gattung zu schaffen und diese, als Recht des Schoepfers sozusagen, direkt zu beschlagnahmen. Auch wenn die Gattung selbst erst bekannt gemacht werden muss, etwas bleibt haengen. Mehr, als wenn Sie gegen bestehende "Vorurteile" der potentiellen Kunden angehen.
Auf dem Campingplatz ueberhoert:
"Wow, your tent has windows!" "Don't worry. It won't crash".
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