Lycos-Spider, Ranking, Format C: per Link.

Qualifikations-Ueberschuss

Nur Marketing-Leute koennen auf die Idee kommen, Produkte mit dem Attribut "einfach" oder "keine Spezialkenntnis noetig" zu versehen, wenn jeder weiss, dass in der Informations- Gesellschaft in nahezu jedem Beruf mehr und mehr Wissen benoetigt wird.

Da heute jeder, der "keine Spezialkenntnisse noetig" hat, Produkte benutzt, die Multimedia, unnoetig gleich um mehrere Groessenordnungen aufgeblasene Dateien und vor allem nur Ballast erzeugen, sprich mehr und mehr Bandbreite verschlingen, muessen wir mit den Konsequenzen leben.

Der Tag, an dem wir alle "mehr Bandbreite haben", wird solange auf sich warten lassen, wie der Tag, an dem Sie im Berufsverkehr ohne jeden Stau zuegig von A nach B kommen. Mindestens.

Selbst wenn die Bandbreitenverschwendung ab sofort nicht weiter wachsen wuerde, werden wir ein Internet, auf dem es keine Verstopfungen gibt, nie sehen.

Auch Router und damit die fuer den Anwender hinter den Kulissen ablaufende Verkehrssteuerung werden durch Techniker konfiguriert, deren Firmen Produkte gekauft haben, bei deren Benutzung "keine Spezialkenntnis noetig" ist. Mit der immer wieder beobachteten Konsequenz, dass irgend etwas hakt.

Bevor Sie in eine Technologie investieren, bei der "keine Spezialkenntnis noetig" ist, sollten Sie sich fragen, ob Sie einem Arzt, Steuerberater oder Pilot ohne Know How trauen wuerden.

Spider-Irrfahrten

Versuchen Sie mal die Suche "Fireball Suchergebnis" bei Lycos. Lycos benutzt offensichtlich einen Spider, bei dem keine Spezialkenntnis noetig ist. Denn es ist offensichtlich, dass sich Lycos' Spider bei Fireball verirrt hat und ob der dynamisch erzeugten Links nach jeder Suchanfrage nicht mehr herausfand.

Bis zu 30,000 Suchanfragen richtete der Lycos-Laienspider an zwei Tagen im Mai und nochmal im Juli pro Stunde an Fireball. Da Bertelsmann finanziell an beiden ziehen kann, sollte man annehmen, dass es eine Moeglichkeit gaebe, diesen Muell aus Lycos wieder zu entfernen. Fireball koennte zum Beispiel 404er schicken, wenn der Laien-Spider das naechste mal auftaucht. Oder ein Redirect auf Lycos. Da gibt's ja auch genug zu indizieren.

Neues Ranking

Nicht nur Suchmaschinen-Spider kommen ohne Spezialkenntnis aus, auch Suchmaschinen zaehlen inzwischen dazu. In vielen Dateien, die Fireball auf der ersten Seite der Ergebnisse einer Suchanfrage bietet, kommt der Suchbegriff heute nicht 50 mal, nicht 20 mal und auch nicht zehn mal, sondern schlicht nicht vor.

Wichtig ist es eh nicht, da Fireball ueber die Bertelsmann- Schiene mit Lycos in einen Topf geworfen werden soll, damit man das Ergebnis floaten!! kann.

Windows-Schnellformatierung

Ohne Spezialkenntnis laesst sich auch Windows betreiben. Und auch noch so komfortabel, dass ein angeklickter Link, der in .bat statt .html endet, vom Anwender wahlweise "gespeichert" oder "geoeffnet" werden kann.

Oeffnen ist im Falle von ausfuehrbaren Dateien synonym mit Ausfuehren, auch wenn das Batch-File nur die Zeile format c: sowie einen nicht [mehr] dokumentierten Schalter enthaelt, der das Formattieren der Festplatte ohne Rueckfrage beim Anwender ausfuehrt.

Nur wer ein mehr als drei Dos-Versionen zurueckreichendes Erinnerungsvermoegen besitzt, weiss, wie dieser "/Schalter", der aus den Handbuechern, nicht aber dem Format-Programm, verschwunden ist, lautet [Wer Spezialkenntnis besitzt, benutzt weder Windows noch Dos].

Microsoft kennt das Problem:

  Return-Path: <secure@microsoft.com>
  Received: from mail5.microsoft.com (mail5.microsoft.com
          [131.107.3.121]) by M5.andara.com
  (8.9.3/8.9.3) with SMTP id AAA02662 for <codale@hfx.andara.com>;
          Thu, 29 Jul 1999 00:05:17
 
  ... ellenlanger Header getrimmt ...
 
  Subject: RE: Automated Disk Format via Browser
  Date: Wed, 28 Jul 1999 20:02:36 -0700
 
 
  Ah, now I understand!  The problem is in the dialogue box.
  By "open" we mean that we'll take whatever action on the file
  that a double-click would cause.  For documents, we open the
  file.  For executables and batch files, we run them.
 
  IE is doing what it should, but it sounds like our dialogue
  box could use some rewording.  I hadn't considered that the
  meaning of the "open" selection might not be clear to everyone,
  but I can certainly see why it would be confusing.
 
  I'll take this issue up with the IE team, and suggest that we
  reword this dialogue in a future version.  Meantime, it sounds
  like IE security is working fine, it's just our English that
  needs work.  Thanks very much for taking the time to write!
 
  Secure@microsoft.com

Webserver-Missbrauch

Was waere das Leben trist, wenn jeder Apache als Web Server nutzen wuerde. Microsoft empfiehlt soeben einen Patch, der ein Sicherheitsloch stopft, dass durch den letzten NT Service Pack geoeffnet wurde.

Wer einen Web und FTP Server auf der gleichen Maschine betreibt, sollte keine Dateien darauf haben, die nicht fuer allgemeinen Konsum gedacht sind. Die Zugriffsberechtigung fuer Dateien wird nur ueberprueft, wenn diese durch einen Ftp-Clienten, nicht aber mit einem Browser abgerufen werden.

http://www.microsoft.com/security/bulletins/ms99-039faq.asp
http://support.microsoft.com/support/kb/articles/q241/8/05.asp
http://support.microsoft.com/support/kb/articles/q241/5/62.asp
http://support.microsoft.com/support/kb/articles/q241/4/07.asp
http://www.microsoft.com/security/default.asp

Nie vergessen: MSIE kann alles ;-)

Apache-Missbrauch

Auch wer seinen Web Server unter Unix betreibt, muss nicht unbedingt ruhig schlafen - duerfen. Wer, ohne Spezialkenntnisse zu besitzen, frei zugaengliche Scrips auf dem Server nutzt, geht oft Risiken ein, fuer die es Ohrfeigen geben sollte. Matts Script-Archiv ist eine populaere Sammlung vielversprechender Scripts, die oft schnell zusammengeschraubt wurden und deren Autoren sich nicht bewusst sind, dass eine Fehlkonfiguration zwar nicht das System aber die eigenen Dateien preisgibt.

Ultimativ in dieser Angelegenheit ist das Ultimative Bulletin Board. Der Anbieter empfiehlt eine Zugriffsberechtigung von 0777 fuer Daten- und Programmverzeichnis - mit anderen Worten, jeder darf Ihre Daten und Programme lesen, ausfuehren und modifizieren. Das ist nicht unbedingt vorteilhaft.

http://www.ultimatebb.com/home/firsttimeinstall.html

Wenn Sie nicht wissen, welche Zugriffsberechtigung angebracht ist, sollten Sie mit dem Befehl man chmod beginnen. Die Handbuchseite erklaert, warum 0644 fuer Web-Seiten und 0755 fuer Verzeichnisse und Programme angemessener ist.

Suchmaschinen-Sonderangebot

Klaus Kaestle hat sich mit dem Suchmaschinen-Eintragsdienst Web Themes befasst, wo man den Eintrag in mehr als 900 Suchmaschinen zum Preis von $39.95 bietet. Befasst ist eigentlich nicht korrekt. Er hat lediglich einen LinkChecker ueber die Liste der gut 900 URLs geschickt. Dieser meldete ihm etwa Zwei Drittel als nicht existent, und bei vielen von denen, die es noch gibt, erfolgt ein Redirect auf Dateien wie z.B. error.html.

Der Dreh mit den hunderten oder tausenden "Suchmaschinen" ist nicht neu. In jedem einzelnen Fall handelt es sich um eine Sammlung von sog. FFA- oder "Free For All"-Verzeichnissen, die ueberwiegend von Adressensammlern besucht oder betrieben werden, die ja ohne staendig neue email-Adressen niemand haben, den sie mit emuell beschuetten koennen.

Waehrend der typische Unternehmer schnell die Augenbrauen hochzieht, wenn ihm ein Autohaendler einen hoelzernen Handwagen als Lieferwagen andrehen will, braucht man bei allem, was mit Bits und Bytes zu tun hat, keine Spezialkenntnis.

http://www.webthemes.com/do-it.html

Nachtruhe

Letzte Woche meinte ich anlaesslich der Erwaehnung meines ueberarbeiteten Seiten-Parsers, der in Spidern wie webRank und anderen benutzt wird, dass die Liste der Suchmaschinen evtl. eingeschraenkt werden muss. Acoon_DE, AOL_DE, Excite_DE und Search_CH mussten im Laufe der Woche wieder entfernt werden, weil die Suchmaschinen zu viele Dubletten haben, zu langsam sind oder nachts oefters schlafen.

Rotations-Effekt

Dass das Internet zu gross ist, wurde inzwischen mehrfach durch akademische Untersuchungen belegt. Suchmaschinen indizieren weniger als ein Fuenftel aller vorhandenen Inhalte. Seiten, die nicht "drin" sind, werden nie gefunden. Weil Suchmaschinen andererseits Aktivitaet und Aktualitaet bieten muessen, werden Such-Ergebnisse bei mehreren rotiertationsmaessig ausgetauscht.

Mit dem wohl extremsten Beispiel, AltaVista, habe ich diese Woche systematische befasst. Ueber die Untersuchung berichtet ein neuer Artikel ausfuehrlich. Dieses Beispiel zeigt wieder, wie wichtig eine gute Suchmaschinenposition ist:

Eine "bessere" Seite wird nicht nur auf den besseren Plaetzen ausgegeben, sondern erscheint auf diesen - wegen der bei vielen Suchmaschinen inzwischen ueblichen Rotation - auch haeufiger.

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