Nein, ich habe mich nicht vertan. Das letzte mal, als mir das passierte, hatte mir niemand gesagt, dass die Uhr umgestellt wurde. Da meine andere Haelfte an dem Wochenende verreist war, wunderte ich mich, warum bekannte Gesichter durch wildfremde ersetzt waren, als ich den Hund ausfuehrte. Und warum ich wieder zuhause war, kurz bevor es Zeit zum Aufstehen war.
Diese Ausgabe erreicht Sie bewusst einen Tag eher, weil hier morgen neu verdrahtet und arrangiert wird. Das hinter mir, habe ich - hoffentlich - fuer mehrere Jahre Ruhe. In den letzten Wochen habe ich, einmal weil ich mehr "PS" brauchte, aber auch, weil manche Maschinen vielleicht nicht 100%ig fuer das Jahr 2000 [und spaeter] geeignet waren, Hardware komplett ausgetauscht. Den geplanten Austausch habe ich zwei Jahre lang vor mir hergeschoben, weil ja noch "Zeit" war, bis auf einmal die ersten Weihnachtseinkaeufe an den Jahreswechsel erinnerten.
Der duerfte recht interessant werden. Und damit meine ich weniger den kaum zu erwartenden Ausfall von Haushaltsgeraeten, von dem Verkaeufer in Comsumer Goods-Laeden derzeit leben [Sir, your toaster might not survive], sondern den nicht ganz fahrplanmaessigen Ausfall von Servern.
Wenn man sieht, wieviele Patches jeden Tag als Pflaster fuer schwerwiegende Luecken verbreitet werden, und wieviele solche Patches Loecher in frueheren Patches fixen sollen, dann aber neue Probleme aufdecken, wuenscht man sich manchmal in die Zeit der Postkutschen zurueck. Ein ganz praktischer Patch fuer Windows NT hat derzeit die vielleicht [unbeabsichtigte?] Nebenwirkung, dass Produkte von Mitbewerbern wie Lotus auf einmal nicht mehr funktionieren. Sachen gibt's.
Ganz eigenartig ist eine Entwicklung bei Infoseek, und zwar bei der amerikanischen [www.go.com] und Infoseek_DE. Seit dem 11.11, einem Tag der historisch eh bedeutsam ist, sind die von Infoseek kommenden Besucher um 50% gefallen. Viele meiner Seiten sind nach Monaten relativ stabiler Position bei go.com um gleich mehrere Dutzend Plaetze gefallen, andere sind ganz verschwunden, waehrend sich wieder andere verbessert haben. Eine landete letzte Woche aus dem sprichwoertlicheb Nichts auf Platz eins, eine zweite auf dem zweiten Platz.
Veraenderungen bei Infoseek in DE halten sich in Grenzen und betragen ein oder zwei Punkte in beide Richtungen. Trotzdem ist die Zahl der Referer hier ebenfalls auf die Haelfte gefallen. Und waehrend bei Infoseek USA, zumindest fuer die Suchanfragen, die ich taeglich beobachte, seit dem 11.11. jeden Tag eine leicht veraenderte Liste der ersten 10 URLs ausgegeben wird, sind die von Infoseek in Deutschland ausgegebenen URL seit Wochen unveraendert.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass Infoseek am Elften 50% der taeglichen Besucher bleibend einbuesste. Genausowenig kann behauptet werden, dass weniger gesucht wird. Alle anderen Suchmaschinen bringen steigende "Ertraege". Selbst Acoon taucht von Zeit zu Zeit in meinen Logs auf.
Meine Kritik an RealNames letzte Woche war Anlass fuer mehrere Leser, das Business Modell zu bewundern und zu verteidigen. Schliesslich sei der Betrag relativ gering [und so von einer grossen Zahl Web-Verantwortlicher aufbringbar] und zweitens laege es an den Anwendern, wenn diese Suchmaschinen-Ergebnisse den von RealNames eingeblendeten vorziehen. De jure kann daran nicht geruettelt werden.
Andererseits glaube ich kaum, dass RealNames langfristig Zukunft hat. Nur was sich bewaehrt, was Anbietern _und_ Kunden nuetzt, entwickelt sich zum profitablen Unternehmen, eine kleine aber bedeutsame Erkenntnis, die heute vor allem von Internet-Firmen vernachlaessigt wird. Aus dem gleichen Grund sind viele Boersennotierungen typischer Internet-Firmen, trotz nominell attraktiver Zahlen, vergleichsweise wertlos.
Analysten bei fuehrenden Brokerhaeusern weisen bereits darauf hin, dass nach Luftschlangen, Knallkoerpern und Bewunderung die Zeit gekommen ist, auf Ertraege zu achten. Und da tun sich viele schwer. Die Mehrzahl der spektakulaeren Internet-Erfolge wird in zehn oder fuenfzehn Jahren sicherlich unter Abzocker oder Eintagsfliegen abgelegt.
Zu oft wird das Web heute als Abkuerzung zum Instant-Wohlstand missverstanden. Nur wer erkennt, dass auf der anderen Seite des Bildschirms nicht Massen hocken, die darauf warten, eine Kneifzange fuer den Bekleidungsakt kaufen zu muessen, verfuegt ueber die richtige Einstellung: das Web ist nicht mehr und nicht weniger als ein neuer Kommunikationskanal, der Kontakt zu Kunden und Interessenten vereinfacht.
Trotzdem setzen manche Unternehmen den Kneifzangenmodus beim Kunden voraus. Mitunter erfolgreich. Tim O'Reilly schildert in einem Artikel, wie das Web "beinahe" unter die Fittiche von Microsoft gelangt waere - eine meiner Meinung nach grundlose Befuerchtung [damit will ich nicht die Leistung und den Verdienst der Apache Group mindern, sondern feststellen, dass die Moeglichkeit eines Microsoft-Webs, auf dem sich ActiveX- Anhaenger und Frontpage-Artisten tummeln, vielleicht sogar wuenschenswert waere]. Verborgen in diesem Artikel ist die mir bisher nicht bekannte Tatsache [inwieweit diese heute noch stimmt, kann ich nicht beurteilen], dass der einzige Unterschied zumindest bei Windows NT 3.5.1 und 4.0 zwischen Workstation und Server nur im Preis besteht. Und zwei Registry-Eintraege.
http://www.salon.com/tech/feature/1999/11/16/microsoft_servers/
ftp://ftp.ora.com/pub/examples/windows/win95.update/ntnodiff.html
Meine Kritik an Speedfind fuehrte dazu, dass die schwammige Suche, die ich an Intersearch verkauft hatte, Montag mittag abgestellt wurde, obwohl ich die Tatsache nur in diesem Brief erwaehnte. Die Welt ist klein und wird immer kleiner.
Umlaute: ein Thema, das ich auf meiner Site bisher nicht behandelt habe, weil die Suchmaschinen, auf die es ankommt, Umlaute und Sonderzeichen korrekt verarbeiten. Und selbst Excite beherrscht heute Umlaute. Waehrend man bis vor ein paar Monaten sog Entities, z.B. ü in den Seiten haben musste, wenn man "Verstmmelungen" in der Darstellung vermeiden wollte, kann man heute Umlaute verwenden. Ganz perfekt ist die Sache immer noch nicht: die Suchergebnisse fuer Künstler und Kuenstler [mit Umlaut] ergeben nicht die gleichen Ergebnisse. Kein Wunder: ueber Kunst kann man streiten.
Auch bei Northernlight ist Vorsicht angebracht: Wenn ich dort die Suchanfrage Künstler stelle, erhalte ich 6 Ergebnisse, wenn ich statt der Entity einen Umlaut in die Suchmaske eingebe, sind es 126,790.
Eine eigene Loesung fuer das Umlaut-Problem besitzt die Eule. Dort werden alle in Dateien und Eingabemasken gefundenen Umlaute und Entities in die Newsletterform [ae, oe, ue...] verwandelt, aber in der Suchmaske eingegebene Entities werden 1:1 als Wortteil behandelt. Das Wort Künstler ist nicht im Eule-Datenbestand. Frage am Rande: ueberrascht es Sie, dass Acoon hier nicht nur identisches Verhalten an den Tag legt, sondern fuer die Umlaut-Anfrage auch die gleiche URL auf Platz eins ausgibt?
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