Yahoo, InfoSeek.

Web-Innovation

"Benutzerfreundlichkeit bleibt bei vielen Unternehmenswebsites auf der Strecke." So die Einleitung des juengsten Medien-Tenor Newsletters des Innovatio-Verlags, den man, wie Sie wissen, zwar abonnieren aber nicht abbestellen kann.

Erfolgreiche Business-Modelle

Aehnlich unterhaltsam sind immer noch viele "Business-Modelle", die einem fast taeglich vorgestellt werden. Die Vorstellung, dass man durch die Einrichtung einer Web Site, moeglichst mit Flash, <BLINK>, <FLOET>, <RASSEL> und <STINK>, eine schnelle Mark machen kann, herrscht in den Managementetagen. Wobei der Anwender nur eine nebensaechliche Rolle zu spielen scheint.

Und dass Inhalte aus der Konserve so begehrenswert sind, dass Millionen und Abermillionen von Losern nichts Besseres zu tun haben, als stundenlang zu chatten, Bildchen zu laden, oder 100 mal gesehene Movie Flicks zu bestaunen - und das auch noch gegen Geld. Dass die Betonung auf "aber" liegt, hat sich bisher nicht herumgesprochen.

Dabei ist nicht jeder, der solche Plaene hegt, ehemaliger Buerstenverkaeufer oder Zeitungsdruecker. Selbst in den Vorstandsetagen grosser Unternehmen wird das Web immer noch als das verstanden, was es nicht ist. Die Praesenz, Inhalte und Technologie sind nachrangig. Der Erfolg ergibt sich durchs, wie man hier sagt, "bullshitten". Marketing-Aufwendungen machen oft bis zu 90% aller Etats aus.

Berieselung, Bestrahlung, oder Beschuettung mit Dung sind, so glauben Leute, die das Wort Maus mit Exterminator assoziieren, immer noch die besten Methoden, den Wirtschaftskreislauf in Schwung zu halten und Verbrauchern - den Leuten, die arbeiten gehen muessen, um kreditfaehig zu sein - die Erfuellung ihrer designierten Rolle zu erleichtern.

Liebe zur Sache, Verstaendnis oder schlicht nur Interesse sind denen, die die Schlagzeilen kaufen, fremd. Genauso fremd, wie hohe Zugriffszahlen. Man ist zwar bereit, hohe Betraege, die oft in die Millionen gehen, in <ZIRKUS> zu investieren. Die Interessen des Anwenders aber auch nur zu erwaegen, oder bei diesen ueberhaupt welche zu vermuten, streckt die Phantasie wohl doch zu weit.

Beschwerde-Briefkasten

Ausnahmen bestaetigen die Regel. eComplaints ist keine neue Idee. Hier kann jeder, der sich von einem Unternehmen schlecht behandelt oder gar betrogen fuehlt, seine Erfahrung veroeffentlichen. Aehnliche Moeglichkeiten - oft unzensiert - gab es auf dem Internet schon lange vor Einrichtung des WWW.

Der kleine aber feine Unterschied, der eComplaints aus Sicht des Users attraktiver als vergleichbare Angebote macht: hier wird versprochen, dass man der Sache nachgeht. eComplaints leitet eingehende Beschwerden per email oder per Fax an die betroffenen Unternehmen. Online gebotene Beispiel-Beschwerden, Formulierungshilfen, Links zu amtlichen Stellen und Infos ueber Rechte zeigen, dass eComplaints vorhat, den Verbraucher ernst und die betroffenen Unternehmen in die Zange zu nehmen.

Wer die eComplaints-Site [http://www.ecomplaints.com/] besucht, stellt erfreut fest, dass es auch ohne Bannerwerbung und ohne JavaScript geht, eine Tatsache, die nicht jeder Otto kennt. Wo sollen dann schwarze Zahlen herkommen? Hier muss man der neuen "Verbraucherzentrale" zu einem geschickten Schachzug gratulieren.

Unternehmen koennen von eComplaints nicht nur allgemeine oder Branchendaten kaufen, sondern auch detaillierte Statistiken ueber die Zahl und Art der Beschwerden und deren Handhabung durch die betroffenen Unternehmen. Selektiert werden kann das eigene - oder auch ein konkurrierendes Unternehmen.

Wenn eComplaints es schafft, alle Informationen tabellarisch zu praesentieren und auch noch einen attraktiven Einband liefert, der sofort erkennen laesst, dass das diese Information kaufende Unternehmen Kundenbeziehungen ernst nimmt, hat eComplaints einen sog. "Winner".

Finanz-Weisheit

Ich kann das Zitat nicht zuordnen, aber irgendein Baenker hat sich mal Luft gemacht: "Aktionaere sind dumm und frech. Dumm, weil sie Aktien kaufen, und frech, weil sie dann auch noch Dividende erwarten".

Das Zitat ist zwar mindestens drei Jahrzehnte alt, trotzdem hat es an Aktualitaet nicht verloren. Relationen gehen in jeder Spekulationswelle irgendwo unter. In der zweiten Haelfte der '80er wars Japan. Die japanische Wunderwirtschaft war nicht aufzuhalten, der Nikkei-Index lief allen anderen davon und "Aktionaere" hatten Torschluss-Panik. Berechtigterweise. Wie immer, kaufte eine Vielzahl der Spekulanten "zu spaet".

Druecker der grossen Brokerhaeusern bezeichneten den Kollaps in den Anfangstagen und Wochen als kleine Korrektur, dann als Korrektur, spaeter als Gelegenheit und danach als eine der wichtigsten Nachzoegler-Chancen. Trotzdem war das so geschuerte Interesse derer, die tatsaechlich kauften, nicht ausreichend, den Kursverfall abzubremsen. Erst als der Index nach einem Hoch von 40,000 Ende '87 bei etwa 11,000 eine neue Basis fand, wurde akzeptiert, dass man soeben einen typischen Crash [nahezu 80% Verlust] miterlebt hatte. Zwoelf Jahre spaeter, d.h. 1999, hat sich der Nikkei nach immer neuen Rueckschlaegen auf gerade 18,000 erholt.

Heute ist Yahoo!s "Kapitalisierung" nahezu doppelt so gross wie GMs. GM ist kein Bauchladen. Fast 600,000 Mitarbeiter erarbeiten bei GM einen Jahresgewinn von $US 3.55 Mrd, d.h. pro Nase und Jahr etwa $US 5,960. Vergleichen wir diese Zahl mit Yahoo!s, sehen wir, warum die Kapitalisierung hier so viel groesser ist: Yahoo!s 800 Mitarbeiter erwirtschaften pro Nase und Jahr $US 11,700, als fast das Doppelte. Dass es sich bei den einen um positive, bei den anderen um negative handelt, ist unerheblich. An der Boerse zaehlen nur Ziffern, nicht deren Polaritaet. Warum das so ist, hat vor vielen Jahren mal ein Baenker festgestellt.

Schluesselerlebnis

Als ich Anfang des Jahres keyDB, die Datenbank der Begriffe, die Web-Anwender bei den Suchmaschinen eingeben, einrichtete, gab's eine Suche fuer Mitglieder und eine fuer Interessenten. Da ich verhindern wollte, dass Gelangweilte die Datenbank zur Belustigung durchsuchen, hatte ich pornografische Begriffe gefiltert, d.h. zumindest die groebsten Dinge.

Ich habe den Filter jetzt abgeschaltet, weil ich mehrfach darum gebeten wurde. Die Abstellung erfolgte unter Vorbehalt, da zu befuerchten war, dass die Zahl der zusaetzlich in die DB einfliessenden Begriffe die Server-Last spuerbar beeinflussen wuerde. Die Befuerchtung war vielleicht nicht gerechtfertigt: An Pornografie interessierte Web-Anwender scheinen sich durch ein sehr rudimentaeres Vokabular auszuzeichnen.

Bei dieser Gelegenheit: Mitte des Jahres hatte keyDB nach langer Wartezeit endlich 5 Mio Suchbegriffe, Phrasen und Formulierungen archiviert. Fast ein halbes Jahr weiter, und die 6. Million ist immer noch nicht in Sicht. Soll heissen, Anwender suchen im Grunde genommen immer nach den gleichen Dingen.

Anmelde-Einschraenkung

Infoseek gab kuerzlich bekannt, dass man bei Anmeldungen nur noch die sog. Root URL, d.h. das Stammverzeichnis einer Site akzeptieren wuerde. Anmeldungen tieferliegender Seiten werden wie die Anmeldung der Eingangsseite einer Praesenz behandelt. Praktisch, dass die Anmeldeseite davon nichts erwaehnt.

Geheimwissenschaft

Suchmaschinen-Optimierung ist eine Geheimwissenschaft. Das Gefuehl gewinnt man, wenn man diverse Angebote studiert. Eines empfiehlt u.a. die Einfuegung mehrerer <TITLE>, unsichtbarer Wiederholungen der wichtigsten Suchbegriffe und aehnliche Kunstgriffe, die bestenfalls geeignet sind, Bauern zu fangen. Wer das politische Tagesgeschehen beobachtet, weiss, dass die Landwirtschaft mehr als genug Probleme hat. Wer heute noch Bauern fangen will, hat Ende der 80er auch japanische Aktien gekauft.

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