Insider-Web, AltaVista & AllTheWeb.

Ein Web, das die meisten nicht kennen

Patrick O'Brian ist tot. Die NY Times nannte O'Brian "den besten Autor, von dem Sie nie gehoert haben". Andere zitierten Shakespeare: "He was a man -- and we shall not soon see his like again". Eine der feinsten Wuerdigungen - man kann nicht alle lesen - machte Stephen Becker [The Chicago Sun Times] noch zu Lebzeiten des Autors:

"The Aubrey-Maturin series accomplishes nobly the three grand purposes of art: to entertain, to edify and to awe. You will meet nothing like O'Brian in all of literature, and the sooner you make his aquaintance the better for all of us. He is one of the very few writers ever who not only entertain us vastly but alter us morally."

Die nicht ganz unerwartete aber umso schmerzlichere Nachricht von O'Brian's Ableben - er starb am 2.1.2000 im Alter von 85 Jahren - kam ueber die "POB-Liste" noch bevor die Nachrichten O'Brian am wuerdigten.

http://www.io.com/gibbonsb/pob/

In einer Zeit, in der wir selbst die unangenehme Seite des Sterbens an das Krankenhaus oder Altersheim delegiert haben, zeigte die POB-Liste umso deutlicher, was das Internet ist, und wie wenige, die heute erst darauf stossen, dieses Medium tatsaechlich verstehen.

Wie viele "alte" Listen, wird die POB-Liste nur von sog. "Ueberzeugten" frequentiert. Der in den Postings nach O'Brian's Tod ausgedrueckte Schmerz, der Verlust, die ungezaehlten Tribute, passende Zitate aus O'Brian's 20-baendiger Aubrey/ Maturin-Serie, die, so der SF Chronicle, Seefahrts-Novellen der Forrester- und Kent-Gattung auf ein neues Niveau hob, halfen allen POB-Lesern, den Verlust von Freunden zu bewaeltigen, von denen man nicht immer wusste, ob sie fiktiv oder vielleicht doch real waren - ein bisschen in jedem von uns.

Das ist das traditionelle Internet. Herzlicher, waermer, vertrauter, hilfreicher und menschlicher als eine meist nur von Desinteresse und Uebervorteilungsversuchen, Eier- und Taschendieben gepraegte Welt.

Listen, Foren und Knotenpunkte dieser Qualitaet sind auf dem Internet keine Seltenheit. Seltener sind die Sites, die von den Marktsegmenten, auf die es letztendlich ankommt, akzeptiert werden.

Dass kommerzieller Erfolg auf dem Web ohne diese Akzeptanz ausgeschlossen ist, scheint immer noch ein Geheimnis zu sein. Vielleicht ist das gut so.

Denn so koennen 99% aller Net-Inhalte einfach ignoriert, umgangen, nicht zur Kenntnis genommen werden.

Unternehmen, die das Internet erst spaet kennenlernen, sind selten bereit, zu akzeptieren, dass man auf dem Internet "nicht werben" kann. Nicht rentabel jedenfalls. Es gibt nur eine Moeglichkeit, erfolgreich zu sein: das "Entdecktwerden", weil Ihre Site, Ihr Unternehmen, wertvollere, praktischere, begehrte und um Groessenordnungen bessere Inhalte bietet, als neun von zehn Mitbewerbern.

Was immer irgendwelche Promoter behaupten: niemand hat es gerne, durch Werbung belaestigt zu werden. Niemand wartet darauf, dass sich jemand zum denkbar unguenstigsten Zeitpunkt in den Weg stellt um einem eine Werbebotschaft vor die Nase zu halten, und schon gar nicht fuer die Dinge, an denen man ohnehin nie Interesse haben wird. Internet-Werbung ist unrentabel. Im Vordergrund steht nur das Interesse des Anwenders.

Selbst Werbung fuer Web-Praesenzen in Radio und TV hat sich inzwischen als unrentabel erwiesen. Und dies nichtmal so sehr, weil es schwierig sein koennte, sich eine URL zu merken.

Sondern ausschliesslich und allein, weil das Web wie auch das Netz ein _aufgabenorientiertes_ Medium ist. Bedingt durch den interaktiven Charakter des Mediums wird das Web _nur_ fuer ganz spezifische Zielsetzungen genutzt. Wobei _jeder_ Anwender eine eigene Zielsetzung hat, die obendrein von Nutzung zu Nutzung wechseln kann.

Selbst Suchmaschinen-Optimierung hilft nicht, wenn die Mehrzahl aller Besucher nach dem Aufrufen einer gefundenen Seite sofort den Zurueck-Button hart anklickt. Die Optimierung von Seiten ist nur dann sinnvoll, wenn jeder Besucher verweilt, sich mit Ihren Inhalten auseinandersetzt, seinen Freunden, den Mitgliedern entsprechender Listen Ihre URL als besuchenswerte Site empfiehlt. Wenn er sich bei Entdeckung Ihrer Site zuruecklehnt, die Haende reibt, das glorreiche Gefuehl hat, einen Schatz ausgegraben zu haben.

Alles andere ist Schaumschlaegerei.

Windbeutel

Die Copyright-Vereinigung amerikanischer DVD-Hersteller hat kuerzlich eine Sammelklage gegen hunderte von Web Site-Inhaber angestrebt. Streitwert: $US 500 Mio. Grund: auf diesen Sites wurden Programme angeboten, mit denen sich der Kopierschutz von DVDs umgehen laesst. Aehnliches gibt's fuer Software, Videos und jede andere Art digitaler Information. Viele der Sites, die von Leuten frequentiert werden, die es mit den Rechten Dritter nicht so genau nehmen, leben von der Werbung. Soll heissen, man verkauft - ob der hohen Zugriffszahlen - Banner- Werbung an Unbelehrbare, die Etats zu verbraten haben, und die eine Zielgruppe bewirbt, die _nie_ Geld fuer die beworbenen Produkte ausgeben wuerde. Das ist effizient wie die Einladung zum Gottesdienst im Puff. Und beschreibt, ueber den Daumen, eine zweite Anwender-Kategorie.

Eine Dritte ist nur fuer wenige Web-Verantwortliche attraktiv, weil die Kreditkarte - online - nur fuer Pornografie gut ist.

Bei der Planung - und laufenden Pflege - Ihrer Site sollten Sie von vornherein beruecksichtigen, ob Sie Selbstdenker, Langfinger oder an Pornografie Interessierte als primaere Zielgruppe anstreben.

Wenn sich Ihre Site auf die erstgenannte Gruppe konzentriert, wissen Sie, dass Involvierung Voraussetzung ist. Die Idee, dass Sie Erstellung und Pflege Ihrer Site wie auch den Eintrag und die Optimierung fuer Suchmaschinen ausser Haus geben koennen und trotzdem die Akzeptanz der richtigen Besucher finden, ist absurd. Sie haben es nicht gerne, wenn man Sie mit der Linken behandelt. So geht es anderen auch.

Marketing-Empfehlung

Niemand zeigt in Sachen Marketing groessere Ahnungslosigkeit als die typische Marketing-Vereinigung - allen voran momentan die amerikanische Direct Marketing Association DMA, die bemueht ist, Technik und Legislatur zu foerdern, die email-Werbung zur Opt-OUT-Sache macht. Soll heissen, nur wer sich ausdruecklich in irgendwelche Listen eintraegt, kann hoffen, nicht durch per email verschickte Werbung bombardiert zu werden. Es gibt nur wenige Dinge auf dieser Welt, die unbegrenzt verfuegbar sind. Ignoranz steht an erster Stelle.

Suchmaschinen-Nachrichten

Fast ein Monat ist seit meinem letzten Newsletter vergangen. Trotzdem kann ich kaum Signifikantes von den Suchmaschinen melden. Aenderungen hat es schon gegeben. Aber keine ist so wichtig, oder so vorteilhaft, dass sich etwas Grundlegendes geaendert haette.

AltaVista setzt auf "downsizing". Fuer alle Suchbegriffe werden heute weniger Treffer gemeldet, als im Herbst. Manchmal meldet AV Werte in Hoehe von 50 - 60% der Herbstzahlen. Dann wieder findet man Gruppen von Suchanfragen, bei denen nur noch ein Viertel der Zahlen gemeldet werden. Daten-Rotation erfolgt fast taeglich.

Aladin und andere Doppelausrufezeichengruppensuchmaschinen werden jetzt "gepowert" von einer Sache die sich Abacho nennt. Urspruenglich, so hoere ich, sollte diese Sache den bisher auf Aladin basierenden Suchmaschinen durch differenzierte Gewichtung der Ranking-Faktoren verschiedene Datenbestaende simulieren. In der Beta-Version konnte man noch sehen, wie durch Anklicken verschiedener Faktoren [wie frueher bei der Eule] andere Resultate produziert werden konnten. Momentan laeuft die Sache vor allem im Kreis. Wenn sie funktioniert, erkennt man eine Neigung zu Wiederholungen - Dublettenerkennung ist fuer manche offenbar ein nicht loesbares Problem.

Der technische Direktor von AllTheWeb erwaehnte auf einer Techie-Liste mal, dass das Schreiben von Spider-Software eine Kunst ist. Ich muss zustimmen. AllTheWeb betreibt einen der Spider, die regelmaessig versuchen, meine unter /de/prv/ durch Passwort geschuetzten Seiten abzurufen, obwohl dieser Bereich im robots.txt-File ausdruecklich ausgeklammert ist.

Das ist aber noch gar nichts. Suchen Sie bei www.lycos.de mal nach Astroguide. Dabei handelt es sich keineswegs um einen einmaligen Auslutscher. Lycos' Spider ist bekannt dafuer, dass er gerne im Kreis laeuft und dies vor allem bei anderen Suchmaschinen.

Intersearch.de wird, so hoere ich, wegen Rechtsstreitigkeiten, auf Speedfind umgeleitet, und Intersearch.at laeuft jetzt [wie Intersearch.de bis zum Jahreswechsel] auf Aladin. Auch Lotse, ein Suchmaschinchen, das sich bisher am Crawler.de labte, ist jetzt von Speedfind bedient.

Wer sich genauer mit den Suchmaschinen befasst, findet immer noch spam, spammer, am spammmsten... obwohl Infoseek.de die groebsten pornografischen Schnitzer fuer viele Suchbegriffe entfernt hat.

Internet-Panne

Das Internet wurde urspruenglich im Auftrage der US-Verteidigung mit der Zielsetzung geschaffen, ein vor atomaren Angriffen sicheres Datennetz fuer Kommunikationszwecke zu erstellen. Waehrend man bisher davon ausging, dass das Klassenziel mit Auszeichnung erreicht wurde, hatte niemand mit Home-PC und Mac- Anwendern und der Tatsache, dass irgendwann Rund-um-die-Uhr- Anbindung [ADSL, Kabel, Satellit, usw] fuer diese Anwender-Gruppe kommt, gerechnet.

Inzwischen ist es fuer Ihnen nicht unbedingt Gutgesinnte eine Leichtigkeit, auf Ihrem Rechner ohne Ihr Wissen Software zu installieren, die vom Angreifer kontrolliert wird und die Ihre Maschine nutzt, um andere Maschinen anzugreifen oder zu schaedigen, ohne dass Sie davon etwas erfahren.

Waehrend ein Problem in Mac-OS kuerzlich Aufsehen erregte, weil ein kunstgerecht konstruiertes TCP/IP-Paket, an einen Mac- Rechner verschickt, eine mehr als 30 mal groessere Datenmenge an eine in diesem TCP/IP-Paket enthaltene Adresse weiterleitet und so als Munitions-Verstaerker missbraucht werden kann, gibt es aehnliche "Loesungen" fuer nahezu jeden PC.

In jedem Fall ist sich der Eigentuemer und rechtliche Nutzer solcher Maschinen ueber den Unfug, den er Dritten erlaubt, im Unklaren. Man geht - mangels Verstaendnis - davon aus, dass der Rechner nur vom legitimen Anwender gebraucht werden kann.

Das ist ein fahrlaessiger Trugschluss:

Sie erleichtern das Hijacking Ihres Rechners, wenn Sie z.B.:

1. im Browser ActiveX zulassen, oder
2. im Browser JavaScript aktiviert haben, oder
3. email ueber einen Gratis-Provider mit Web-Interface
   erhalten und versenden
4. HTML-email auf einem Windows- oder Mac-Rechner oeffnen,
   ganz gleich, ob dies mit dem Browser oder einem dedizierten
   email-Programm passiert
5. Attachments zu erhaltener email auf einem Windows- oder
   Mac-Rechner mit einem Programm oeffnen, dass in diesen
   Attachments enthaltene Scripts ausfuehrt oder Anwendungen
   laedt
6. Online-Chat benutzen 

Das Risiko basiert auf zwei unterschiedlichen Problemen: im ersten Falle fuehren Sie Code aus - oft ohne dies zu wissen - der eine zweifelhafte Herkunft hat: jedesmal, wenn der Browser ActiveX oder JavaScript ausfuehrt oder ein Attachment oeffnet, das Scripts, Macros oder sonstige automatisch ausgefuehrten Befehle ohne Ihre ausdrueckliche Zustimmung erlaubt, riskieren Sie nicht nur Verlust eigener Daten sondern auch Schaedigung Dritter durch Missbrauch Ihres Rechners.

Das zweite Problem basiert auf nachlaeesiger Programmierung in Browser- und Applikationssoftware und das Ausnutzen der Tatsache, dass man durch z.B. Uebergabe einer liebevoll von Hand angefertigten URL, in z.B. einem Chat-Programm, Assembler- Code in die laufende Anwendung einfuegen kann, wenn diese Anwendung nicht prueft, ob eine URL oder sonstige Zeichenkette fuer einen vorgesehenen Puffer zu lang ist.

Welche Anwendungen beim Kopieren von Daten nicht auf die Laenge der Daten und der vorhandenen Puffergroessen achten, steht zwar in keinem Handbuch, spricht sich in entsprechenden Kreisen aber schnellstens herum, inkl. Programm-Version und der durch Tests ermittelten zulaessigen Pufferlaengen und der Adressen, an die man Code, der auszufuehren ist, kopieren kann.

Ausgeloest wird der Vorgang des Kopierens, wenn Sie z.B. einen Link anklicken.

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