Jede Gesellschaft hat Verhaltensnormen. Teilweise ueberliefert, heute meistens verordnet. Viele dienen der Allgemeinheit, manche helfen, diese zu kontrollieren. Selten werden Pruefverfahren, Methodik, Normen oder eigene Ideen angezweifelt. Im 15ten und 16ten Jahrhundert genauso wenig wie heute: ob jemand eine Hexe war, liess sich feststellen, indem die Beschuldigte in die Mitte des naechsten Binnensees oder eines grossen Flusses gerudert und dann den Elementen ueberlassen wurde.
Konnte sie schwimmen, wusste man, dass die Anschuldigung Hand und Fuss hatte. Konnte sie's nicht, war die Unschuld bewiesen. Zweifelsfrei und effektiv.
Bewaffnet mit Handy und Modem moegen viele ueber die Naivitaet der Vergangenheit laecheln. Ein Grossteil hat nicht einmal Zeit dafuer - gilt es doch, Werbeetats zu plazieren und Suchmaschinen fuer Spezial-Anwendungen zu finden.
Der Glaube an die eigene Unfehlbarkeit fuehrt heute dazu, dass "Suchmaschinen" fuer Probleme gesucht werden, die auch durch einen egrep-Lauf bewaeltigt werden koennen, d.h. durch eine Befehlszeile an der Tastatur. Das ist nicht nur preiswerter, als die Entwicklung eines Programms, das die Funktionalitaet von z.B. egrep, grep oder fgrep simuliert, sondern auch schneller.
Setzt allerdings voraus, dass man um die *grep-Existenz weiss und nicht blindlings jedem Hexer [betriebliche Mittel an-] vertraut.
Viele Site-Verantwortliche haben Probleme, die eigene URL in den Suchmaschinen zu finden. Was nicht gefunden wird, so der naheliegende Schluss, ist nicht indiziert. Was man braucht, ist eine Spezialloesung, die "sicherstellt", dass angemeldete Seiten auch gefunden werden. Tatsaechlich?
Die beste Moeglichkeit der Realisierung dieser Zielsetzung ist meist das Studium der Beschreibung der Suchmaschinen-Syntax, fuer viele Entscheidungstraeger allerdings aufwendiger als die Bewilligung von Mitteln fuer eine "Spezialloesung" - der Kopf ist ja eh ueberlastet.
Und offenbar schlecht geeignet, im Web Server-Log zu pruefen, ob die nicht gefundenen Seiten ueberhaupt vom Suchmaschinen-Spider abgefordert wurden. Und wenn ja, zu pruefen, ob die Struktur oder der Inhalt der Seiten zur Zurueckweisung gefuehrt hat. Validatoren und HTML-Syntax werden schliesslich von Hackern genutzt und beherrscht, nicht von Entscheidern im Informations- Zeitalter.
Diese zeichnen fuer Dinge verantwortlich, wie man sie derzeit unter http://www.abacho.com/ sehen kann. Dabei ist weder Ehrfurcht noch Mitleid angebracht - bestenfalls ein gruendlicher HTML-Validator.
Weil viele Web-Verantwortliche nicht wissen, wie man den "Traffic" den Web Server-Aufzeichnugnen entnimmt, werden oft abenteuerliche Zaehler eingesetzt. Auch bei Suchmaschinen, die Banner verkaufen. Und je groesser die Zahl der Banner pro Seite, desto abenteuerlicher die Zaehlung, manchmal per Hand in Excel erstellt. Selbstgemachte Zahlen fallen auf, wenn bei der Eingabe Fehler gemacht werden und der Empfaenger nachrechnet.
Vielleicht sollten Pruefverfahren, Methodik und Normen auch heute noch angezweifelt werden. Besonders, wenn man nicht schwimmen kann.
Am Anfang war Amazon allein. Dann kam Jeff auf die Idee des Affiliate-Programms, bei dem jeder, der Amazon Kaeufer schickte, erst bis zu acht und spaeter bis zu 15% Provision erhielt. Waehrend niemand eine so hohe Provision erhielt, dass man sich in den Ruhestand begeben konnte, brachten Millionen auf Web Sites in aller Welt angebrachte Links zu Amazon dem Buchhandel ungezaehlte Besucher und meist bleibende Kunden.
Wer heute noch einen der in 1996 und 1997 ueblichen Icons auf einer Web Site findet, hat fast schon eine Raritaet entdeckt. Irgendwie hat es sich herumgesprochen, dass Affiliate-Programme trotz Millionen von Web-Anwendern keinem Teilnehmer an solchen Programmen dem Weg zum Reichtum verkuerzen.
Das hindert AltaVista nicht daran, drei Cents fuer jeden neuen Besucher zu versprechen, den Ihre Site bringt, wenn Sie eines der AltaVista-Suchformulare in Ihre Seiten einbauen. Ob der Suchmaschinen-Veteran durch die Aktion gerettet werden kann, ist zu bezweifeln. Jeder, der seine primaere Zielgruppe ignoriert, muss mit, sagen wir mal, reduzierter Popularitaet rechnen.
Und dass AltaVista die Interessen der Anwender schon lange nicht mehr beruecksichtigt, ist offensichtlich, wenn man die durch mehrere Haende gegangene Suchmaschine gelegentlich benutzt. Soll niemand sagen, dass Marketing nicht sogar Brauchbares ruinieren kann.
Nicht alles muss ruiniert werden. SwissSearch laeuft auf einem Windows-Rechner. Dass die Suchmaschine vom 5. bis zum 9. Februar jede Anfrage mit "OLE-Error sowieso" beantwortete, ueberrascht daher weniger. Was hochgezogene Augenbrauen verursachte, ist die Feststellung, dass das Problem nicht sofort Montag morgen behoben wurde.
Ob die primaere Zielgruppe der Suchmaschinen "Suchende" sind, oder ob man Suchmaschinen so einrichtet, dass sie vor allem von Web-Verantwortlichen und Unverantwortlichen genutzt wird, ist nicht bekannt. Niemand sucht so hartnaeckig wie jemand, der die Such-Syntax einer Suchmaschine ignoriert und eigene Kunstwerke darin entdecken moechte - auch wenn die eingesetzten Begriffe nicht oder nur selten in den angemeldeten Seiten vorkommen.
Da die Ueberpruefung, vor allem, wenn es sich um unerfahrene Web-Autoren handelt, jedesmal bis zu 20 Seiten "einbringt" und damit den entsprechenden Banner-Absatz, ist es den Betreibern von Suchmaschinen vielleicht gar gleich, welche Art Ergebnisse produziert werden - und wieviele Dubletten darin enthalten sind?
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