Das Internet ist in festen Haenden. Wer die Medien verfolgt und auf Experten hoert, muss einsehen, dass der "Zug" abgefahren ist. Mit Mammutetats, Millionenaufwendungen und allglatter PR-Maschinerie kann man offensichtlich auch auf dem Web durch traditionellen Verdraengungswettbewerb Marktanteile kassieren und den kleinen einfach den Hahn abdrehen.
Das ist gut so.
Denn solange Marketing-Strategen, PR-Gurus, Web-Promoter und Werbe-Goetzen nicht merken, dass sie die einzigen sind, die ihrer PR auf den Leim gehen, kann der Rest der Welt eigene Interessen verfolgen.
Die Zahl der auf dem Web vertretenen Unternehmen steigt, auch wenn die etablierten Medien und Handelsriesen glauben, dass "Cyber-Space" unter ein paar Wenigen aufgeteilt wird. Tatsache ist, dass niemand den "ganzen Markt" braucht, um erfolgreich zu sein. Es reicht, wenn Sie an Ihre Kunden verkaufen und damit Gewinn machen. Gewinn ist besser, als vor der TV-Kamera zu erklaeren, warum Gewinne ausbleiben.
Unternehmensgroesse bedingt Verwaltungsapparat. Zwangslaeufig auch die einem grossen Apparat stets schwerfallende Reaktion auf sich veraendernde Rahmenbedingungen. Und diese werden nicht durch den Wechsel von Papier zur Elektronik abgesteckt. Sondern durch das neue Verhalten des Kunden, basierend auf der erstmals gegebenen Moeglichkeit, Informationsfluss der Kontrolle der Medien und Unternehmen zu entziehen.
Damit ergeben sich neue Engpaesse, die die Wirtschaft nicht erkennen und beseitigen kann. Traditionelles Management hat die Aufgabe, Geld dort hinzuwerfen, wo es Engpaesse am einfachsten beseitigt.
Das heutige Limit bedingt mehr als Geld. Der zu ueberwindende Engpass ist nicht Bandbreite, Platz auf der Festplatte, oder die Zahl der Besucher einer Site.
Sondern Talent.
Entweder man hat's. Oder man kauft es _und_ akzeptiert, dass man mit seinen Launen leben muss. Talent ist nicht ersetzbar, und kann nie zur Fliessband-Produktion genutzt werden. Besuche erfolgen da, wo Talent geboten wird. Nicht da, wo das Marketing Besucher hinschickt. Jedenfalls nicht dauerhaft. Talent laesst sich, wie ein Kanarienvogel, nicht an die Kette legen.
Suchmaschinen haben einen neuen Schutzmechanismus gegen Spam entdeckt: die schlichte Blockierung von Seiten, die auf sog. Wegwerf-Hosts untergebracht sind. Wegwerf-Hosts sind in der Regel Sites, die man "wegwirft", wenn man sie nicht mehr braucht. Das ist einfach, wenn diese auf kostenlosen Diensten wie Tripod, Hypermarket und anderen untergebracht sind.
AltaVista bekannte jetzt [erstmalig] oeffentlich, dass man die Zahl der Anmeldungen von Seiten auf solchen Hosts begrenzt. Neu ist daran allerdings nur die Bestaetigung. In der Praxis hat sich laengst gezeigt, dass nur Bruchteile der auf Wegwerf-Hosts untergebrachten Seiten tatsaechlich auch von den Suchmaschinen indiziert werden.
So wie das Desktop Publishing der Achtziger die Qualitaet der Literatur nicht unbedingt verbessert hat, hat auch das Web nicht zu steigender Qualitaet verfuegbarer Information gefuehrt. Quantitaet ist kein Ersatz fuer Qualitaet.
Ernaehrungsforscher machen sich seit geraumer Zeit Gedanken ueber die unseren Lebensmitteln heute legal beigegebenen Substanzen. Waehrend man von jeder Substanz zwar hofft, dass Vergiftungsgrade und Ausmass der verursachten Schaedigungen bekannt sind, gibt es keine Untersuchung, die belegt, welche Wirkung zwei oder mehr dieser Substanzen nach der chemischen Verbindung haben.
Das gleiche Problem, eine nicht zu ueberschauende Unbekannte, haben Sie, wenn Sie im Browser JavaScript aktiviert haben. Waehrend Scripting zwar nie sicher war, ueberrascht die schier ununterbrochene Flut der Moeglichkeiten, mit denen Findige Missbrauch Ihres Computers erzwingen, sobald Sie JavaScript oder das aktive Kreuz, "Active X", im Browser oder auf dem PC in irgendeiner netzfaehigen Anwendung erlauben.
Selbst wenn Sie den eigenen Browser so konfigurieren, dass er nur Ihre und nicht die Befehle Ihnen voellig Fremder befolgt, muessen Sie aufpassen, wenn Sie auf dem Web Server etwa Foren, Gaestebuecher oder irgendwelche anderen Dinge betreiben, bei denen ueber Formulare eingegebene Inhalte anderen Besuchern zugaenglich gemacht werden.
Es ist leider ein Zeichen der Zeit, dass Faehigkeiten und Anstand nicht unbedingt synchron gehen. Wenn Sie auf der Platte Inhalte verewigen, die von Ihren Besuchern stammen, und wenn diese Inhalte Dritten ueber den Web Server bereitgestellt werden, _muessen_ Sie dafuer sorgen, dass von Ihrem Server nur legale HTML ausgegeben wird. Alles andere kommt auf Sie zurueck. Und nicht immer Ihren Imagewuenschen genehm.
Seit 1997 ist bekannt, dass Windows eigenartige Vorstellungen ueber die Behandlung von Passwoertern hat. Das Problem wurde bereits vor Jahren auf entsprechenden Mailinglisten und in der Fachliteratur behandelt. Und Sie haben keinen Einfluss darauf, an welchen Rechner Windows [alle Versionen inkl 2000] Ihr Passwort schickt oder in welchen Office-Dateien es verborgen wird.
Neu ist, dass jemand beobachtet hat, dass ein file:// Link oder der Erhalt einer email zur gezielten Veroeffentlichung reichen.
Ausgeloest wird das Verhalten, wenn Sie ein Dokument oeffnen, dass einen Link auf eine Datei, eine Grafik oder auch eine Hintergrundgrafik besitzt, die auf einem fremden Rechner ist [oder sein soll]. Windows versucht die Beschaffung der Datei und verbreitet dabei bereitwillig Ihr Login, Passwort und Domain- und Hostname der von Ihnen benutzten Maschine.
Microsoft kennt das Problem, glaubt aber, dass besserer Schutz der Anwender den Bedienungskomfort reduziert. Das ist der Grund, warum manche Autofahrer immer noch keinen Gurt anlegen.
Waehrend Netscape und anderen Netz-Produkte nur Links folgen, die auf file:// lauten, verfolgen Microsoft-Produkte wie IE auch sog. UNC-Pfadnamen, die auf \host\pfad\datei lauten.
In den letzten beiden Jahren machte Microsoft Schlagzeilen, weil interne Veroeffentlichungen zeigten, dass man Angst vor Linux hatte. Linux-Verfechter waren einerseits begeistert - man wurde ernstgenommen - und andererseits empoert, weil erkennbar wurde, mit welchen Taschenspielertricks der Redmont-Mammut gegen die Open Source-Gemeinschaft anzutreten und Dominanz auch im Server- Bereich anzustreben gedachte.
Der ganze Rummel war fuer die Katz. Wer glaubt, dass Linux je ein Betriebssystem wird, das auf dem Desktop Erfolg hat, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Auf Unix basierende Systeme sind fuer den 08/15-Anwender zu komplex. Nur wer sich ernsthaft mit der Frage der Sicherheit seiner Daten und der Leistungsfaehigkeit seiner Hardware befasst, zieht ein Unix-System in Erwaegung. Das passiert ueberwiegend im Server-Bereich. Wer Systeme braucht, die so lange laufen, wie es die Stromversorgung erlaubt, kommt irgendwann um auf Unix basierende Systeme nicht herum. Auf dem Desktop herrscht Windows nach wie vor.
Selbst Microsoft scheint jetzt erkannt zu haben, das der Markt der Desktop-Anwender Microsoft "gehoert" und dass Aufwendungen dort noch den groessten Ertrag bringen.
Eine 20%ige Beteiligung an RealNames und eine Erweiterung des Browsers soll jetzt dafuer sorgen, dass MSIE-Anwender noch deutlicher an der Nase gelenkt werden, als bisher. Da selbst Anfaenger zu fortschrittlich sind, um Dokumentation zu lesen, sehen Kundige oft, wie Web-Neulinge sich auf eine Suchmaschine begeben, nur um Yahoo! oder irgendeine andere Adresse zu suchen - statt diese in der URL-Zeile des Browsers direkt einzugeben. Das kapazitaetsstreckende http- und www-Zeugs laesst sich ja vermeiden, auch wenn man auf Umwegen erstmal ein paar Banner mitnimmt.
Internet-Keywords, so RealNames, verhelfen dem Unternehmen auf dem Internet zu groesserer Aufmerksamkeit. Das koennte zutreffend sein, wenn man auf dem Internet nur das Web kennt und seine Kunden unter den DAUs sucht - weil literate Anwender vielleicht zu kritisch sind.
Aber selbst mit dem Herausstehen ist es nicht so. Wer zum Beispiel einen RealName fuer "Japanese Translation" registriert, muss sich damit abfinden, dass bei der Suche nach japanese translation ein Link auf "russian translation" oder der von mir nicht nur wegen der Distanz nicht frequentierte "Kobe Japanese Restaurant and Gengis Khan Grill" vorher ausgegeben wird.
Die Maer von der Abhaengigkeit des RealNames-Erfolgs von den betrieblichen Marketing-Aufwendungen fuer diesen Namen ist damit wohl entkraeftet - ich glaube nicht, dass Gengis Khan Werbung fuer Uebersetzungen betreibt.
Hinzukommen Behauptungen, teilweise aus Quellen, die ich nicht anzuzweifeln wage, dass RealNames-Gebuehren sich gelegentlich an der Bilanz des Kunden orientieren. Sog. generische Begriffe, nicht schuetzbare Alltagsworte wie Buch oder Schrank, Abzocken oder Unterjubeln, koennen bei RealNames offiziell nicht gekauft werden. Manchmal jedenfalls nicht. Firmen, die ausreichend gross sind und ueber entsprechend dimensionierte Etats verfuegen, soll nahegelegt worden sein, dass man solche generischen Begriffe durch generoese Zahlungen doch erwerben kann.
Aber auch diese scheinen sich nicht zu rentieren, oder koennen nach Ablauf der Jahresfrist vielleicht ueberboten werden. Barnes & Noble, ein Unternehmen, dass letztes Jahr noch fuer viele generische Begriffe in Verbindung mit dem Wort "Book" RealNames besass, wurde inzwischen durch Amazon abgeloest. Ob durch freiwilligen Verzicht, oder weil Amazon mehr zahlte, ist nicht bekannt. Aber trotzdem aufschlussreich.
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