Meine Hinweise zum Open Directory haben mehrere Moderatoren, oder Redakteure, wie man im deutschsprachigen OD sagt, dazu veranlasst, Stellung zu nehmen. Mehrere Punkte meiner Darstellung wurden schlichtweg abgelehnt und zwischen den Zeilen bestaetigt, andere wurden verneint und bejaht, waehrend ein paar Dinge gesagt wurden, die mir nicht bekannt waren.
Belassen wir es dabei. Das ODP hat, wie Yahoo! und fast jede Suchmaschine, Probleme, die nicht oder nicht einfach zu loesen sind. Trotzdem ist die Aufnahme in das Verzeichnis attraktiv, weil es von mehreren Suchmaschinen ausgewertet wird, deren Spider offensichtlich nur im Kreis laufen oder nur noch reine Alibi-Funktion besitzen ["Wir spidern ja ununterbrochen"].
Ein Redakteur schickte mir gleich eine Reihe von Tips, die die Aufnahme in das Verzeichnis erleichtern. Theoretisch sollte man davon ausgehen koennen, dass die darin genannten Punkte reine Selbstverstaendlichkeit sind. Dass Herr Schild es noetig fand, die Empfehlungen auszusprechen, zeigt, wie sehr sich die heutige Nutzung von den Idealen der Internet-Anfaenge entfernt hat - und wohin die Entwicklung geht. Der Beitrag ist zwar etwas lang geraten, drueckt aber ungewollt aus, warum das Web an mehr und mehr an Attraktivitaet verliert, so wie die Nutzung zunimmt.
Ich zitiere [leicht gekuerzt]:
Ich reagiere auf Ihre business interactive-Mail, weil aus meiner Sicht die aus meiner Erfahrung allerwichtigste Regel fuer Anmeldungen speziell deutschsprachiger Sites (als 1. aufgefuehrt) fehlt. Ausserdem moechte ich noch ein paar Anmerkungen machen, durch deren Beachtung Ihre Kunden uns OPD-Redakteuren das Leben einfacher machen und gleichzeitig die Aufnahme ihrer Site beschleunigen koennen (gedankenlose Anmeldungen, bei denen zusaetzliche Nachforschungen etc. erforderlich sind, werden oft erst einmal beiseite gelegt - wir sind auch nur Menschen :-) )
1. Das ODP ist nach Sprachen gegliedert: die Sachkategorien,
die direkt unter www.dmoz.org/ angesiedelt sind, sind ausschliesslich
fuer englischsprachige Sites bestimmt. Sites in anderen
Sprachen gehoeren in die Kategorien unter
www.dmoz.org/World/<Sprache>.
Also: eine englischsprachige Website ueber Hermann Hesse
sollte unter der Kategorie Arts/Literature/Authors/H/Hesse,_Hermann/
angemeldet werden, eine deutschsprachige dagegen unter
World/Deutsch/Kultur/Literatur/Autoren_und_Autorinnen/H/Hesse,_Hermann/
Leider wird diese Regel bei einem sehr grossen Teil der
deutschsprachigen Sites nicht beachtet, was zur Folge hat,
dass z.B. ich einen merklichen Teil meiner ODP-Arbeit damit
verbringe, deutschsprachige Sites von der Kategorie
Regional/Europe/Germany in die Kategorie
World/Deutsch/Regional/Deutschland umzuschaufeln.
Diese Anmeldungen brauchen entsprechend laenger bis zu ihrer
Aufnahme ins ODP. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich die
Anmelder sich eine mehr oder weniger gute englische
Beschreibung entquaelt haben, die der ODP-Redakteur dann
loeschen und durch eine selbst erstellte deutschsprachige
ersetzen muss.
NB: wenn eine deutschsprachige Site auch eine englisch-
sprachige Version oder wenigstens eine englischsprachige
Eingangsseite hat, dann kann die betreffende URL natuerlich
in den englischsprachigen Kategorien angemeldet werden.
Optimal fuer eine Site ist also, wenn eine englischsprachige
Eingangsseite in der passenden englischsprachigen Kategorie,
und eine deutschsprachige in der deutschsprachigen
Kategorie angemeldet wird (die englischsprachige Seite darf
auch gerne in korrektem Englisch abgefasst werden ;-)
Fuer deutschsprachige Anmeldungen kann man der Einfachkeit
halber gleich zu dmoz.at/.ch/.de gehen.
2. Ein weiteres Problem (sowohl fuer die Bearbeitung durch
ODP-Redakteure als auch spaeter für die Besucher) ist, dass
Sites sowohl in der Verzeichnisanmeldung als auch im Inhalt
der Site selbst oft ein Vorverstaendnis voraussetzen, das
tatsaechlich nicht vorausgesetzt werden kann. Beispiele:
2.1 geographisch: viele Sites sind von eher lokalem/
regionalem Interesse, geben aber keine oder unzureichende
Informationen ueber die geographische Lage. Sie gehen
anscheinend davon aus, daß Websites so wie Werbeschilder nur
aus der Naehe gesehen werden.
Beispiele aus meiner Erfahrung:
- ein Augenoptikergeschaeft, Adresse auf der Site mit
Strasse und vierstelliger Postleitzahl angegeben.
Auf meine Anfrage per e-mail: man sei in Wien, das
gehe ja wohl aus der PLZ hervor...
- ein Klempner mit e-mail-Adresse und deutscher
Mobiltelefonnummer auf der Site. Ort nur mit DENIC-whois
in Erfahrung zu bringen.
Anderes Beispiel: ein deutschsprachiger Text ueber
Privatversicherungen zur Ergaenzug der gesetzlichen
Krankenversicherung ohne die Angabe: die gesetzliche
Krankenversicherung welches Landes?
2.2 sachlich/fachlich: manche Sites setzen sowohl in der
Verzeichnisanmeldung als auch auf der Site voraus, dass
Besucher wissen, um was es eigentlich geht. Weil viele
Besucher ueber Volltextsuchen kommen, kann man das aber nicht
voraussetzen.
...
Bei der Pruefung von Websites stelle ich mir als erstes
folgende 3 Fragen:
1. worum geht es?
2. wessen Site ist es?
3. was will 2. von den Besuchern? (z.B. Geld, Anerkennung...)
Bei www.goa.de konnte ich als Nichteingeweihter auch unter
DENIC-Benutzung keine der Fragen beantworten, und musste
die Site unbearbeitet fuer andere, eingeweihte,
ODP-Redakteure uebrig lassen.
Gegenbeispiel: bei Ihrer Site sehe ich schon auf
der ersten Seite die Antworten:
...
Die Arbeit beim Katalogisieren und auch das Websurfen
waeren einfacher, wenn jemand, der z.B. einen Text ueber
die Viola da gamba im Web veroeffentlicht, auch die
Information gibt, dass es sich um ein Musikinstrument
handelt. Oder bei einer Site ueber Buxtehude nicht die
Information vergisst, daß es sich um eine Stadt in
Deutschland, in Niedersachsen, Naehe Hamburg handelt...
3. Insbesondere bei kommerziellen Angeboten ist es wichtig, dass
sich die Firma, die sich da an potentielle Kunden wendet,
identifiziert. Sowohl weil Verzeichnisse Sites von Unternehmen
fast immer unter ihrem Namen aufnehmen, als auch als ganz
grundlegendes Indiz für Serioesitaet. Das wird leider oft
nicht beachtet, sowohl bei kleinen Selbstaendigen (was soll
ich wohl daraus schliessen, wenn jemand Versicherungen
anbietet, mit Anfrage per Kontaktformular, aber auf der Site
nirgendwo seinen Namen geschweige denn die Adresse nennt?)
als auch bei kleinen und mittleren Unternehmen (manche
Webdesigner halten es fuer unnoetig, den vollstaendigen
Firmennamen einschliesslich Gesellschaftsform zu nennen).
Ein paar Informationen fuer Nutzer und potentielle Redakteure des
ODP habe ich uebrigens unter
http://tuezilla.de/faq.html
formuliert.
Die Gedankenlosigkeit, die Herr Schild eher nebenbei erwaehnt, fuehrt in Verbindung mit der angenommenen eigenen Unfehlbarkeit letztendlich dazu, dass das Web, wie auch die Nutzung, wertlos wird.
Wenn etwas "nicht funktioniert", kommt niemand mehr auf die Idee der systematischen Fehlersuche. Wenn ich mich von A nach B bewegen will, unterwegs aber steckenbleibe, sollte zunaechst untersucht werden, _wo_ ich steckenbleibe und _warum_. Wenn ich schon vor der eigenen Haustuere nicht weiterkomme, weil der Buergersteig oder das Auto gestohlen wurde, kann ich die Schuld schlecht der Destination zuordnen. Auf dem Web wird dagegen jedes Problem den anderen angelastet. Viele Anwender wissen nicht, wie man einen Browser konfiguriert. Oder dass man ihn konfigurieren kann [ein "Web-Fuehrerschein" waere sicherlich angebracht].
Gedankenlosigkeit und Unfehlbarkeit wird von Web-Anwendern wie auch Site-Eigentuemern an den Tag gelegt. Wer eine Suchmaschine betreibt, die bei Browsern, die nicht der letzten Generation entsprechen, Server Error 500 erzeugt [www.bluewin.ch] oder die nur von Flashen benutzt werden kann [www.kolibri.de], zeigt die gleiche Ueberheblichkeit, die das roemische Reich, die alten Aegypter und viele Zivilisationen vorher [und nachher] zur Insignifikanz werden liess. Jetzt sind wir dran.
Der Versand von unaufgefordertem Spam [news@worldcix.net] durch sich selbst sicherlich als serioes verstehende Unternehmen ist genauso ein Eigentor wie das unbedachte Weiterschicken von email-Rundbriefen, die - 15 Sekunden Nachdenken vorausgesetzt - als schlechter Witz erkannt werden sollten.
So musste Nike letztes Jahr an die Oeffentlichkeit gehen und behaupten, dass die angebliche Kampagne, bei der Einsender getragener Turnschuhe ein neues Paar gratis erhalten wuerden, ein uebler Internet-Witz war.
Jetzt muss ein Anbieter mobiler Telefone aehnlich reagieren, weil irgendein Kamel einen Rundbrief in Umlauf brachte, der bei Weiterleitung an eine Mindestanzahl von Freunden zu einem kostenlosen Handy fuehren soll - und die anderen dem ersten ohne jede Ueberlegung und voller Vorfreude hinterhertrotten.
Unueberlegt ist auch das Warten auf eine personalisierte Antwort, wenn die angeschriebene Adresse ein Programm ist, das nur eine bestimmte Funktion erfuellt [wobei der Versuch der Diskussion mit einem Auto-Responder hoechst attraktive Blueten beschert].
Genauso unueberlegt - wie gefaehrlich - ist die Anbringung von nicht dokumentierten "Hintertueren" in Software, die den unkontrollierten Zugriff auf Kundensysteme durch den Autor erlaubt. Eine Rechtfertigung gibt es nicht, ganz gleich, ob es sich bei dem Urheber um einen Einmann-Betrieb oder das groesste Unternehmen der Welt handelt - auch wenn man diese Hintertuer mit dem Passwort "Netscape engineers are weenies!" schuetzt. Wenn Sie eine dvwssr.dll auf Platte haben, loeschen.
Das blinde Vertrauen auf vom Web geladene oder gekaufte Software ist genauso naiv. Der Trend bei der Software-Entwicklung wird heute durch Marketing, nicht durch Ausbildung der Autoren und technische Moeglichkeiten gesteuert. Die Zahl der CGI-Anwendungen, die willig und ohne jede Pruefung Daten verarbeiten und Dateien an den Abrufer liefern, steigt, genauso wie die Zahl der regelmaessigen Patches fuer netzfaehige Anwendungen fuer ein populaeres Betriebssystem mit Fenstern.
Selbst gestandene Unix-Anbieter wollen mithalten. Sun liefert Produkte aus, bei denen Passwoerter im Klartext und weltweit lesbar auf Platte verewigt werden, und SGI liefert ein auf den Namen "Performance CoPilot" getauftes Zubehoer, das willig viel von dem liefert, was verlangt wird und das noch leichter so missbraucht werden kann, dass die Maschine unbrauchbar wird. "Time to buy a larger system, sir".
Wer aus kommerziellen Interessen eine Site betreibt, die sog. Crackz und Serialz bietet, d.h. Moeglichkeiten zum Diebstahl geistigen Eigentums, sollte sich nicht als ein mit der Zeit gehender Unternehmer sondern als das betrachten, was er wirklich ist.
Eltern behaupten immer, fuer ihre Kinder nur "das Beste" zu wollen. Schade, dass fast alle genau das durch kurzfristiges Denken und auf Kosten Dritter ausgerichtetes Handeln verhindern.
It all comes back.
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