Lycos, Yahoo & Google.

Zeitverschiebung

Sie werden es auch ohne Ankuendigung bemerkt haben - diese Postille erscheint [aus Zeitgruenden] nunmehr monatlich.

Kommerzialisierung des Web

Manchmal hilft eine Dosis Realitaet. Die "e-Welle", die Hoffnung, durch Einrichtung einer $29.95/Monat kostenden Web Site innerhalb von 6 Monaten Billy Boy's Vermoegensstand zu uebertreffen, hat sich als nicht immer realisierbar erwiesen.

Der Grund: es gibt zu viele Einfallspinsel.

Schon vor mehr als hundert Jahren beklagte Mark Twain, dass ein 4. Juli, der Tag, an dem die amerikanische Unabhaengigkeit gefeiert wird und an dem die Nation auf einen Schlag die meisten Einfallspinsel durch selbst verschuldete Un- und Todesfaelle verliert, nicht ausreicht. Der Restbestand war damals schon zu gross.

Wie sehr die Beschraenkung auf einen 4. Juli, bzw. keinen, wenn wir uns Europa ansehen, sich heute bemerkbar macht, sehen Sie nirgendwo deutlicher als auf dem Web. Kein Medium in der recht ausfuehrlich dokumentierten Geschichte der Menschheit kann mithalten, wenn es darum geht, eigene Naivitaet oeffentlich zur Schau zu stellen.

Kommerzielle Web-"Praesenzen" belegen unumstritten der ersten Platz. Weil Entscheidungstraeger kommerzieller Sites das Internet nur aus dem Fernsehen kennen - und davon ausgehen, dass eine Site nur erfolgreich sein kann, wenn sie in konventionellen Medien beworben wird - finden Sie auf Firmen-Sites alles, was Internet-Anwender fernhaelt.

Woran die meisten kommerziellen Sites kranken, und warum sie zu einem Kummerdasein verurteilt sind, aus dem auch Werbeaufwand in Bullionenhoehe [kein Tippfehler] nicht helfen kann, wurde oft genug dokumentiert - auf dem Internet. Weshalb Inhaber kommerzieller Sites von diesem Mangel nie erfahren und ihn schon gar nicht beheben koennen.

Geld hilft hier nicht weiter. Im Gegenteil. Geld lockt meist Kraefte an, die auf leichtes Geld spezialisiert sind, und deren Faehigkeiten fast immer in der aalglatten Praesentation nicht realisierbarer, aber - fuer den Internet-Unerfahrenen durchaus plausiblen - Zustaende gipfeln. Fast immer basierend auf Methoden, die man als ueberaufdringlich bezeichnen muss und denen sich niemand freiwillig als Zielscheibe aussetzt.

Ein typisches Beispiel ist die nach 3 Mio DM Entwicklungsaufwand immer noch nicht fertige Endemann!!sche Suchmaschine Abacho, bei der sich schon der Name so anhoert, als ob der Eigentuemer seine "accounts casts" [entdeckt im "1811 Dictionary of the Vulgar Tongue", ein Werk, das trotz verstaubt muffigen Geruchs seit ein paar Tagen oft herhalten muss - wussten Sie zum Beispiel, dass man eine Witwe Anfang des 19. Jahrhunderts als "Ace of Spades" bezeichnete, oder dass der Pfarrer, der zum Erntedankfest seinen "Cut" vom Landwirt abholte, "Black Fly" und dass - um beim Thema zu bleiben - Sachverstand vorgebende aber nicht beherrschende Zeitgenossen damals "Apotheker" genannt wurden?].

Warum das Endemann!!sche Wunderwerk wesentlich mehr als 3 Mio Karachos benoetigt, um auch nur entfernt Nutzen zu bieten, sehen Sie z.B., wenn Sie nach Suchmaschinen suchen. Den Ergebnissen voran erscheint zwar die Warnung "Es kann auf den ersten Blick so aussehen, als habe das Ergebnis nichts mit Ihrer Suche zu tun...", aber wer nicht sofort erkennt, dass die gebotenen Fundstellen vom Porno-Adel erstellt wurden, muss sich als Anal- phabet [Benutzung des Wortes in diesem Newsletter fuehrt eigen- artigerweise meist zur Trennung gem. Collins Deutsch-Englisch Woerterbuch, Klett, 1981] bezeichnen lassen.

Dabei handelt es sich weder um einen einmaligen noch um einen Unfall. Ich habe Herrn Endemann, um meine Meinung zu Abacho gefragt, darauf [und die haeufigen Dubletten und andere Dinge] vor Wochen hingewiesen. Weil man diesen und andere Maengel nicht laengst behoben hat - und ich bin sicherlich nicht der erste, der diese Dinge bemerkt - koennte man Ingo Endemann und seine Untertan vielleicht als "Apotheker" bezeichnen.

Als "All Hollow", "Beetle Headed" oder "Groper" haette man damals die Entscheidungstraeger tituliert, die Werbung auf Abacho [und aehnlich spamfreudigen Suchmaschinen] unterbringen, ohne zu wissen, dass die Beworbenen bestenfalls daran interessiert sind, wie man es damals umschrieb, "den Jesuit zu boxen" und dabei vom Zusammenspiel nach "Bread and Butter Fashion" oder vom "Beast with Two Backs" zu traeumen. Konsumgueterwerbung im Puff lohnt sich nicht.

Zwei interessante "Berufsbezeichnungen" fallen mir bei dieser Gelegenheit ein. "Sand in die Augen streuen" ist keine Redensart sondern basiert auf der Praxis sog. "Amuser", die potentiellen Opfern Sand oder Staub in die Augen warfen. Nachfolgenden Pickpockets - ein heute noch praktiziertes Handwerk - damit die Gelegenheit gebend, unter dem Vorwand der Hilfestellung den momentan um seine Sehkraft Beraubten zu pluendern.

Lycos Umleitung

By Lycos hat sich etwas getan. Wer bisher versuchte, auf www.lycos.com von einer nicht in .com endenden Domain zuzugreifen, wurde automatisch auf die entsprechende nationale Dependance umgeleitet - d.h. meine Suchanfragen wurden durch ein Redirect von www.lycos.co.uk beantwortet. Wer

http://lycospro.lycos.com/

aufruft, umgeht diese Umleitung und kann vielleicht erstmals feststellen, dass seine Seiten in der internationalen Version von Lycos jetzt so vertreten sind, wie sie auch von Alltheweb geliefert werden, dem neuen Datenlieferanten von Lycos.

Unschluessig

Looksmart, ein relativ neues Verzeichnis, hat und nicht und doch, dann wieder nicht und jetzt teilweise den Mut bewiesen, fuer die URL-Anmeldung schnoeden Mammon zu verlangen. Momentan setzt man auf die von Yahoo! erstmals propagierte Option der kostenlosen Anmeldung und Beurteilung durch Mitarbeiter, die "irgendwann" erfolgt. Das Warten auf den 30. Februar kann durch Zahlung von $199 umgangen werden. Eine Garantie fuer den Eintrag wird, wie bei Yahoo! auch, nicht gegeben. Dafuer verspricht man, nach Zahlung der $199 die Site durch Looksmart-Mitarbeiter innerhalb von 48 Stunden begutachten zu lassen und bei Aufnahme eine Rubrizierung in allen passenden Kategorien.

Zwischendurch ging Looksmart gar soweit, keine kostenlosen Anmeldungen mehr zu bearbeiten. Geboten wurden nur das $199 kostende Express-Verfahren und zum Preis von $49 die nicht beschleunigte Anmeldung. Nach wochenlangen Preistests scheint man sich jetzt fuer die Gratis-irgendwann bzw. $199-Sofort-Kombo entschieden zu haben.

http://www.looksmart.com/

Yahoo googelt

Sog. Link-Popularitaet wurde wichtiger, zumindest fuer Sites mit internationaler Ausrichtung. Yahoo! wird demnaechst Googles Dienst bei Suchanfragen beruecksichtigen. Waehrend Google sich heute bereits grossen Wachstums erfreut - und dies _nicht_, weil Google massive Marketing-Aufwendungen betreibt - duerfte die Partnerschaft mit Yahoo! vor allem fuer Sites, die heute bereits eine attraktive Position in Google haben, vorteilhaft sein.

Yahoo!-Anwender sind zwar oft "Yahoo!ligans", sprich Neulinge in Sachen Internet, trotzdem ist Yahoo! fuer einen staendigen und soliden Besucherstrom gut. Yahoo!-Besucher, die den Suchschlitz meistern, werden, sobald Inktomi-Ergebnisse durch Googles abgeloest werden, sicherlich noch groessere Bindung zu einer der aeltesten Einrichtungen auf dem Web entwickeln.

Yahoo! "erfand" uebrigens das Ausrufezeichen im Firmennamen. Innovativ ist die Endemann!! AG auch hier nicht.

Mitlaeufer

Ein Feature, das Amazon-Kunden bereits kennen, ist das "Leute, die dieses Buch gekauft haben, haben auch XYZ gekauft". Bei Hotbot heisst es jetzt - zumindest bei englischsprachigen Anfragen - Leute diese Suchanfrage gestellt haben, haben auch nach folgendem gesucht. Wer zum Beispiel nach cars sucht, wird informiert, dass andere an Automobilen Interessierte u.a. auch nach Dogs und Trucks gesucht haben - ich bin zutiefst geruehrt.

Ein besseres Feature hatte AltaVista mal vor einiger Zeit, dann aber wieder abgestellt, weil wohl zu teuer oder nicht gefragt. Wer bei AV eine aus nur einem Wort bestehende Suchanfrage stellte, erhielt zusaetzliche Links auf aehnliche aber genauere Suchanfragen zum Thema, die andere AV-Nutzer gestellt haben.

Zeichen und Wunder

Als Ueberraschung des Monats darf man Excite's [.com] neue Kleider betrachten. Und waehrend der Koenig ahnungslos im Adamskostuem daherstolzierte, darf der Tapetenwechsel bei Excite erstmals mit Fortschritt in einem Satz genannt werden. Der Trend zum Schlichten, Unaufdraenglichen und irgendwann vielleicht gar Nuetzlichen ist erkennbar.

Verschwunden sind hunderte von nicht interessierenden Links und herausgestellt werden ploetzlich Suchergebnisse, sauber, lesbar und manchmal gar zutreffend. Die Suche nach buying books liefert zum Beispiel auf dem ersten Platz "Dave's Guide to Buying a Home Computer". Auf dem Zweiten findet man "IT News & Search Engines, Finance, Hi-Tech, Add URL, Web Site Promotion... ", und voellig ueberraschend Amazon [co.uk] bereits auf dem dritten Platz. Reine Magie.

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