RealNames realAus, Suchmaschinen-Tricks.

Arme RealNames-Angestellte

Im meinem letzten Newsletter zitierte ich nicht ohne eine gewisse Schadenfreude amerikanische Berichte, die besagten, dass RealNames 20% des Personals abbaut. Daraufhin erhielt ich die folgende Erklaerung:

> Subject: unqualifizierte, beschaemende Aeusserung
>
> guten tag,
>
> ich bin seit langer zeit aufmerksamer leser ihres newsletters.
> auch wenn man ueber ihre teilweise vollstaendig subjektiven
> auesserungen geteilter meinung sein kann war ihr letter
> immer die investierte zeit wert.
>
> bis heute.
>
> zu behaupten das 20% der angestellten bei realnames ihren
> arbeitsplatz verlieren, zeugt von einer borniertheit die ich
> ihnen ,als "Tekkie" mit wenig wirtschaftlichen focus, nicht
> zugetraut haette . hinter einer firma ob man sie mag oder
> nicht stehen menschen, ihre jobs und somit ihre existenzen.
>
> nur weil sie ein persoenliches problem mit realnames haben,
> sich daraufhin zu solcher polemik hinreissen zu lassen,
> disqualifiziert sie aus meiner sicht in zukunft als opinion
> leader.
>
> schade
>
> sie wundern sich warum ich einen anonymen mailer verwende ?
> ich habe keine lust die existenz meiner firma durch derartige
> polemik von ihnen aufs spiel zu setzen. nach dem letzten
> newsletter staende das zu befuerchten.

Muss ich mich bei meinem Lesern tatsaechlich entschuldigen? Hatte ich uebersehen, dass mancherorts alles entschuldbar ist, was auf Anweisung erfolgt? Dass Menschen, Jobs und ihre Existenzen nur hinter Arbeitnehmern stehen, auch wenn diese heisse Luft verkaufen? Und dass Lohnabhaengigkeit die Ablehnung jeder Kritik rechtfertigt?

The Register hat unter

http://212.100.234.54/content/1/12948.html

eine Story, die zeigt, was in gewissen Kreisen heute als "wirtschaftlicher Focus" gilt, wie salonfaehig der typische Bullshitter wurde, und wie selbst rudimentaere Formen jeglicher Moral verschwinden. Und vor ein paar Wochen wurde mir ein nahezu identischer Fall in Deutschland bekannt. Adam Smith dreht sich im Grab.

Ausgeworben

Wer langfristig plant, sollte sich heute schon auf bevorstehende Veraenderungen bei den Suchmaschinen einstellen:

Die Zweifler wissen es schon laenger. Werbung auf dem Web ist ein lohnendes Geschaeft. Zumindest fuer die daran beteiligten Auftragnehmer. Gelegentlich auch fuer den Auftraggeber, wenn er eine Agentur waehlt, die bunte Charts, Powerpoint-Folien und andere displayfaehige Belege zur Rechtfertigung des eigenen Arbeitsplatzes verschafft. Waehrend positive Auswirkungen auf das Unternehmensergebnis sich zwar nicht nachweisen lassen, trifft dies auf andere Medien ebenfalls zu. Niemand weiss mit absoluter Sicherheit, wie sehr das Unternehmensergebnis durch einen Fernsehspot, eine Plakatierung oder eine 4/c Doppelseite beeinflusst wird.

Und kaum jemand scheint zu wissen, dass Werbung auf dem Web, bzw. der Erfolg selbiger, erstens praezise gemessen und zum zweiten mit hoher Praezision, d.h. ohne Streuverluste, eingesetzt werden kann. Und fast nie wird.

Niemand scheint sich obendrein darum zu scheren, dass Web-Werbung in jeder Form als stoerend empfunden wird. Daran wird sich auch in naher Zukunft nichts aendern. Selbst bei den Anwendern, die ueber oft recht bunte Wege zu einem kein Geld kostenden Internet- Zugang gelangen, wird Werbung nur als notgedrungenes Uebel in Kauf genommen.

Untersuchungen, Erfahrungen von RealNames-Kunden und auch der Kunden des kurzlebigen MSN-Angebots fuer bezahlte Links auf den Ergebnisseiten der amerikanischen MSN-Suchmaschine zeigen eindeutig, dass solche Investitionen keinen Ertrag bringen. Suchmaschinen-Anwender erkennen sehr schnell, was eigentliche Such-Ergebnisse sind und welche Teile einer Ergebnisseite ignoriert werden koennen.

Und selbst zielgenaue Werbung bei Suchmaschinen unter Einsatz ueberlegt ausgewaehlter Keywords, vor vielleicht 18 Monaten oder zwei Jahren noch oft fuer zweistellige Klick-Raten gut, bringt heute selten ein Prozent.

Richtig ins Bewusstsein zumindest amerikanischer Unternehmen geriet diese Erkenntnis vor ein paar Wochen, als Yahoo!'s Kurs in den Steilflug ging. Dieses Erkenntnis, oder zumindest die, dass man ertragsloses Geldausgeben nicht mehr verheimlichen kann, wird sich auch hier festigen.

Suchmaschinen sind daher ueber kurz oder mittelkurz auf neue Geldstroeme angewiesen, die Sie als Web-Verantwortlicher in Ihrer Zukunftsplanung beruecksichtigen muessen.

Goto war die erste Suchmaschine, die schamlos Positionierung verkauft [bzw dem Meistbietenden ueberlaesst, solange der nach Klick abgerechnete Preis nicht von einem Mitbewerber ueberboten wird].

Yahoo! wagte dann den aufsehenerregenden Schritt, fuer die reine Bearbeitung einer Anmeldung Geld zu verlangen. $199 kaufen bei Yahoo! mitnichten einen Eintrag, sondern lediglich eine Beurteilung der Site innerhalb von 48 Stunden.

Da das Modell Akzeptanz fand, fuehrte auch LookSmart die bezahlte Vorzugsbeurteilung ein, und zwar gleich in zwei Klassen eingeteilt: $49 fuer Geduldige und $199 fuer Eilige. Auch hier gibt es keine Garantie fuer die Aufnahme einer Site.

Diese bietet nur Inktomi, wenn ein aehnliches Modell in den naechsten Wochen eingefuehrt wird. Gegen Gebuehr - Saetze und Einzelheiten sind noch schwammig - wird eine Site garantiert gespidert _und_ zumindest die Homepage, d.h. die Eingangsseite oder Root URL z.B. www.xyz.com/ wird aufgenommen. Darueberhinaus verspricht Inktomi heute schon, dass diese Seite im Datenbestand verbleibt, und nicht, wie die Mehrzahl aller Seiten, nach kurzer Zeit systematisch entfernt wird.

Waehrend der Kaeufer eines PCs heute oft nicht weiss, was er mit den 9 oder 18 Gb der Festplatte machen soll - auch wenn Windows installiert wurde, bleibt ja noch Platz - haben Suchmaschinen dieses Problem nicht. Rechnen Sie's nach: die letzten Pressemeldungen der Suchmaschinen behaupten, mehr als 1,000 Millionen Seiten zu verwalten. Es gibt Seiten, die gerade hundert oder zweihundert Bytes lang sind. Ich habe Seiten gesehen, die Megabytes umfassen. Hinzu kommen die Zeichenketten fuer die URL, ca 30 bis 500 Bytes und, wenn eine Suchmaschine auch die Suche nach Phrasen ermoeglicht, die Position jedes indizierten Wortes. Verwaltungsaufwand, wie z.B. die Seitengroesse oder das Datum der letzten Bearbeitung verschlingen oft weitere 100 oder 200 Bytes.

Fallende Werbeeinnahmen fuehren zur Notwendigkeit des Haushaltens, denn das Schaufeln der Datenmengen kostet - schnelle Platten und noch schnellere CPUs und Arbeitsspeicher in Groessenordnungen, die die Plattenkapazitaet selbst gestandener Abteilungsserver uebertreffen.

Niemand, der rechnen kann, darf es den Suchmaschinen veruebeln, wenn diese selektiv vorgehen [veruebeln darf man ihnen nur, wenn die in den Pressemeldungen genannten Seitenzahlen nicht den aktuellen Bestand sondern die Gesamtsumme irgendwann gesehener Seiten titulieren].

Rechnen Sie damit, dass das Suchmaschinen-"Business-Modell", oder was man in meinen Jahrgaengen die primaere Einnahmequelle nennt, sich zuerst in den USA und dann auch hier mehr und mehr auf bezahlte Listings verschiebt, wobei vielleicht zuerst nur pro Domain und spaeter pro Seite gezahlt werden muss.

Daher ist es heute noch wichtiger als bisher, Seiten, die in den Suchmaschinen enthalten sind, einzufrieren. Jede Veraenderung einer Seite, vor allem, wenn sie derzeit fuer wichtige Suchbegriffe eine gute Position erzielt, riskiert nicht nur die Veraenderug der Position, sondern vor allem - siehe Inktomi - die Streichung aus der Datenbank.

Gleichzeitig muessen neue Seiten so erstellt werden, dass diese selbst kritischen Anspruechen genuegen. Und kritische Ansprueche verlangen Information, und nicht <FIRLEFANZ>.

Diese Empfehlung ist nicht die Vorstellung des idealistischen Theoretikers, sondern basiert auf einfachen Fakten. Eine gute Position in den Suchmaschinen fuehrt mehr Besucher auf eine Site als alle anderen Werbeformen zusammen. Mehr als die Haelfte aller Anwender sucht taeglich irgendetwas in den Suchmaschinen, bevor andere Informationsquellen frequentiert werden.

Kritische Ansprueche werden nicht nur von Suchmaschinen sondern vor allem von den Suchenden gestellt. Suchanfragen sind, sehen wir von mal Schnorrern und erotisch Unterbelichteten ab, _immer_ Definition eines Problems, auf das sich der Suchende konzentriert. Seiten sollten nur fuer die Problemloesung, die sie enthalten, optimiert werden. Bietet eine Seite nicht sofort die gesuchte Loesung, koennen Sie sich die Optimierung sparen. Wer Seiten auf den Server laedt, die nach fluechtigem Studium klar erkennen lassen, dass sie _nicht_ die gewuenschte Loesung enthalten, macht sich unbeliebt. Manchmal mehr, nie weniger. Und irgendwann laufen Ihnen Leute, bei denen Sie sich unbeliebt gemacht haben, ueber den Weg.

Suchmaschinen bieten Ihnen den einmaligen Vorteil, dass die so auf Ihre Site stossenden Besucher qualifiziert sind. Sie haben nur dann eine Chance, qualifizierte Besucher in Kunden zu verwandeln, wenn Qualifizierung und Angebot uebereinstimmen.

Gleichzeitig sollten Sie realistische Erwartungen kultivieren. Trotz aller Euphorie wird auf dem Web auch nur "mit Wasser" gekocht. Durch reines Verschenken von Werten, materiell oder immateriell, wird niemand reich. Aber auch nicht durch das Anbieten von Produkten, die auch in der nicht-virtuellen Welt nur ein begrenztes Publikum haben.

Sie haben zwar die Moeglichkeit, zusaetzliche Kunden zu finden, weil bei vielen Angeboten Regionalitaet zweitrangig ist. Aber Ihre Mitbewerber koennen das auch. Per Saldo gleicht sich alles aus. Einfacher wird nur der Vergleich unter Mitbewerbern. Und wenn Sie da nicht ganz vorne stehen, bleibt nur der vorzeitige Ruhestand.

Suchmaschinen-Tricks

Ich werde oft gefragt, ob es nicht Tricks gibt, mit denen man sich in den Suchmaschinen hocharbeiten kann. Gibt es. Zeigen Sie, dass Sie Ihren Mitbewerbern ueberlegen sind, sehen Sie zu, dass Ihre Seiteninhalte Qualifikation ausstrahlen. Dass Ihnen an langfristigen Beziehungen mehr liegt, als an kurzfristiger Uebertoelpelung.

Und aergern Sie sich nicht, wenn in Suchmaschinen ohne echten Spamschutz wie Abacho oder Eule Mitbewerber vor Ihnen rangieren. Die sind die einzigen, die dort suchen.

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