Dieser Newsletter erscheint zu spaet, zu frueh und zugleich. Soll heissen die verspaetete November-Ausgabe deckt gleichzeitig den Dezember ab, ein traditionell eher ruhiger Monat.
Waehrend die Technologie - soweit Ranking und Positionierung betroffen sind - momentan verharrt, gibt es mehrere kommerzielle Entwicklungen, die Ihr Ranking betreffen koennen.
Offiziell ist jetzt die Inktomi-Neuerung der bezahlten Registrierung:
Fuer eine nicht unerhebliche Stange Geld koennen Sie jetzt sicherstellen, dass eine Ihrem Geldbeutel entsprechende Zahl Seiten ein Jahr lang im 48-Stunden-Takt von Inktomi ueberwacht wird. Fuer dynamische URLs, z.B. xyz.html?name=value, besteht erstmals die Moeglichkeit der Aufnahme in eine DB. In der Vergangenheit rutschten solche URLs schonmal in die Datenbestaende, wurden aber meist schnell wieder geloescht, da dynamische URLs eine unendliche Vielzahl von aehnlichen Inhalten haben koennen.
Gleichzeitig sichert die Zahlung den Verbleib Ihrer Seiten in der Stamm- oder Master-Datenbank fuer diesen Zeitraum. Diese Datenbank wird, wie bekannt, von dutzenden von Suchmaschinen auszugweise genutzt - nicht jeder hat die Expertise, die Technik zuverlaessig zu betreiben.
http://searchmarketing.yahoo.com/
Im Gegensatz zu Suchmaschinen, bei denen gegen Bares die eigentliche Position ersteigert wird [goto.com u.a.], wird Ihr Ranking bei Inktomi durch die Zahlung nicht direkt beeinflusst.
Trotzdem bietet das regelmaessige Spidern durch Inktomi die Moeglichkeit der schrittweisen Optimierung, eine Verfahrensweise, die von anderen Suchmaschinen bisher oft als Verstoss gegen die Regeln betrachtet wird. Waehrend so angemeldete Seiten schnell in der Inktomi-Datenbank auftauchen, lassen sich die Inktomi-Partner unterschiedlich Zeit, bis diese Seiten dort sichtbar werden. HotBot z.B. zieht nur einmal im Monat eine neue Inktomi-Datenbank.
PositionTech ist nur der erste Anbieter, bei dem Sie die Aufnahme in die Inktomi-Datenbank kaufen koennen. Soweit bekannt, will Network Solutions die gleiche Dienstleistung Anfang des naechsten Jahres anbieten. Mit weiteren ist man im Gespraech.
Die zweite Neuerung fuer den Web-Verantwortlichen ist die Entscheidung bei AltaVista, Lycos und Hotbot, mit Goto zu "kooperieren", zu einer linearen Weiterentwicklung der Qualitaet der Suchergebnisse fuehrend. Wie die Kooperation aussieht, koennen Sie bei HotBot sehen. Enthaelt die Goto-Datenbank fuer eine Suchanfrage bezahlte Listings, so werden diese als "Featured Listings" bei Hotbot eingeblendet [ohne Hinweis darauf, dass nicht die Relevanz sondern der Geldbeutel des Web Site-Betreibers zur Einblendung fuehrt]. Die ersten 3 Goto-Positionen erscheinen bei HotBot vor der Liste der Ergebnisse und vor den drei Ergebnissen der HotBot-Search Partner. Die bei Goto auf Platz 4 ausgegebene URL wird bei HotBot vor dem 10. Ergebnis ebenfalls als "Featured Listing" eingeblendet.
AltaVista operiert hier forcierter, schliesslich soll sich die "Kooperation" ja bezahlt machen. Wie zum Verwechseln aehnlich die Goto-Ergebnisse bei AV vor den eigentlichen AV-Ergebnissen eingeblendet werden, sehen Sie bei der Suche auf AltaVistas Beta-Oberflaeche, auf der mit Goto-Listings experimentiert wird:
http://listings.altavista.com/
Sind Sie von dieser Entwicklung betroffen? Jein. Soll heissen, nicht unmittelbar. Nachdem Goto sich aber auch hier breitmacht:
http://www.uk.goto.com/
inzwischen auch deutschsprachige Web Site-Betreiber bei Goto Besucher gegen Bares kaufen und viele grosse US-Suchmaschinen seit langem einen deutschsprachigen Brueckenkopf haben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Goto und andere US-Suchmaschinen auch ueber die deutschsprachigen Niederlassungen "kooperieren", d.h. sich durch Goto fuer angeklickte Links bezahlen lassen.
Yahoo! hat, wie bekannt, als erstes Unternehmen die Moeglichkeit geboten, per Scheckheft das Warten auf eine Begutachtung der Web Site zu verkuerzen. Inzwischen verlangt Yahoo bei der Anmeldung von Seiten durch den Porno-Adel eine sich wahrscheinlich am Aufwand orientierende hoehere Bearbeitungsgebuehr. Und diesen Monat hat man die Moeglichkeit der kostenlosen Anmeldung fuer kommerzielle Betreiber im internationalen Verzeichnis voellig abgeschafft.
Waehrend sich in der Praxis eigentlich nichts geaendert hat - Klagen, dass Anmeldungen ueber das kostenlose Verfahren von kommerziellen Betreibern de facto ignoriert wurden, haben sich in den letzten Monaten gehaeuft - laesst sich jetzt erkennen, dass Anmeldungen gegen Geld zum Alltag werden. Die vermehrt kommerzielle Ausrichtung der Betreiber von Suchdiensten wird, so wage ich zu behaupten, in der Zukunft eher zur Norm als zur Ausnahme.
Bandbreite und Festplatten kosten Geld - viel Geld. Werbung bei Suchmaschinen bringt kaum noch nennenswerte Ertraege, die sog. Business-Modelle aendern sich daher, zunaechst zoegernd, sehr vorsichtig und noch tastend. Dass diese Modelle sich aber durchsetzen werden, daran habe ich keinen Zweifel.
Waehrend bei Verzeichnissen wie Yahoo! die redaktionelle Bearbeitung durch Yahoo!-Mitarbeiter und bei Goto der im Auktions-Verfahren ermittelte Preis pro Klick den Erfolg eines Eintrags bestimmt, ist langfristig damit zu rechnen, dass Suchmaschinen, die sich an Inktomis Modell orientieren, die groessten Besucher-Zahlen anziehen werden. Suchende, wenn sie mal ueber Yahoo! hinausgewachsen sind, verlangen qualitative Ergebnisse. Goto wird deshalb eher eine Nebenrolle spielen, da bei Goto der Preis und nicht die Informationsqualitaet eine Rolle spielt.
Goto ist selbstverstaendlich nicht die einzige Suchmaschine, bei der Ihre Brieftasche die Position bestimmt. Goto hat als Pionier allerdings einen erheblichen Vorsprung vor den Nachahmern 7search, Bay9, Findwhat, Kanoodle und Sprinks, die zusammen kaum die Reichweite von Goto bieten [und wobei zumindest bei Sprinks, About.com-Ableger, schonmal Klagen ueber Unstimmingkeiten bei Abrechnungen laut werden].
Die heute schon absehbare Notwendigkeit, fuer die Aufnahme oder bei manchen Diensten gar die Bewertung einer Site oder Seite zahlen zu muessen, ist eine begruessenswerte Entwicklung, auch wenn Ihr Scheckheft auf den ersten Blick strapaziert wird.
Ich sage "auf den ersten Blick", weil letztendlich die Qualitaet der Suchergebnisse allgemein verbessert werden duerfte.
Diese Unterstellung basiere ich nicht etwa auf der Annahme, dass zahlende Anmelder bessere Inhalte bieten, sondern auf der Ueberlegung, dass Nichtzahlende - und damit ein Grossteil aller Spam-Produzenten - draussen bleiben.
Inktomis Preisstaffelung zeigt, warum Spamming teuer wird. Man berechnet dort fuer die 1. angemeldete Seite $20, fuer die zweite bis 99. Seite $10, und fuer jede weitere Seite $6 bei einer max. Seitenzahl von 1,000 Seiten pro Domain - einem Mengenrabatt fuer Spam gleich einen Riegel vorschiebend.
Eine Site mit 10 Seiten kostet daher $110 pro Jahr, eine mit 100 Seiten $1,010 und eine mit 1,000 Seiten $6,410. Pro Jahr.
Das Schlaraffenland-Zeitalter ist also vorbei. Kompetenz wird genauso wichtig wie Potenz. Qualitative Inhalte werden damit noch wichtiger, als bisher, auch wenn Europa, wie immer, ein paar Schritte hinterherhinkt.
Schlitzohren, Bauernfaenger und Schaumschlaeger werden das Dasein in Zukunft als groessere Schwierigkeit erleben, und das dient den Anbietern von Information genauso wie den Suchenden.
Anbieter muessen sich nur darum kuemmern, ihre Seiten so zu gestalten, dass diese den momentanen Anforderungen der Suchmaschinen, die die meisten Besucher anziehen, gerecht werden. Dienste wie Goto, AltaVista und auch Infoseek bzw Go werden ob der immer schlechter werdenden Ergebnisse weiterhin an Marktposition verlieren.
Wer Log Files analysiert, weiss, dass mehr als 90% der Besucher ueber zwei oder vielleicht drei Suchmaschinen kommen - der Zeitaufwand fuer die Optimierung von Seiten fuer die letzte Handvoll an Prozent ist einfach nicht bezahlbar.
Deshalb ist entscheidend, zu wissen, welche Begriffe und Formulierungen Ihre potentiellen Kunden bei der Suche wirklich einsetzen, und wie Sie Ihre Seiten gestalten, dass diese von den fuehrenden Suchmaschinen gerne oben ausgegeben werden.
© Copyright 1998 - 2008 Klaus Schallhorn.