Bezahlte Anmeldung & Suchmaschinen-Optimierung mit Fernbedienung.

Zeitalter der Knallkoepfe

Die letzten Monate haben deutlich gemacht, was Internet-Profis schon immer wussten. Und was mit dem Medium nicht Vertraute nie verstehen werden:

Es spielt keine Rolle, wieviel Geld Sie in eine Site stecken, wie intensiv fuer diese geworben wird und wie "cool", "in" oder "hip" diese sein soll.

Wer nicht bereit ist, Verhaltensweisen der Anwender als gegeben hinzunehmen, hat auf dem Internet nichts zu suchen.

"Disney made Infoseek Go", so sagt man in den Staaten. Wie bekannt, kaufte Disney vor gut einem Jahr die recht erfolgreiche Suchmaschine Infoseek, investierte mindestens $US 800 Mio und 400 Arbeitsplaetze, nur um die in "Go" umgetaufte und zu einem "Portal" umfunktionierte Suchmaschine jetzt einzustellen.

Waehrend Disney's Ignoranz zwar die teuerste ist, handelt es sich nicht um einen Einzelfall.

Die jeden Tag wachsende Liste der Internet-Pleiten bedarf hier keiner Wiederholung. Allen gemein ist, dass es sich um junge Unternehmen handelt, die mit leicht verschmerzbarem Fremdkapital arbeiten, die die traditionelle Kultur des Bullshittens und der Uebertreibung auch auf dem Web als Voraussetzung fuer den Erfolg sehen und die glauben, durch Hype, heisse Luft und Grosspurigkeit Massen online so leicht uebervorteilen zu koennen, wie offline.

Die Ahnungslosigkeit der Verlierer wird immer durch fehlerhafte, laute, so bunte wie inhaltslose Praesenzen belegt. Durch pseudo-technischen Aufwand, der Besucher fernhaelt und der das Management wie Lemminge ob der Praesentation grosse Schecks ausstellen laesst. Bis irgendwann jemand rechnet.

Dass Sites, fuer die in den traditionellen Medien geworben werden muss, weder Rendite noch Deckungsbeitraege erwirtschaften, wissen Web-Ueberhebliche erst hinterher.

Deshalb ueberrascht es nicht, dass Nielsen jetzt ruecklaufige Anwenderzahlen in den USA meldet.

Selbst wenn man beruecksichtigt, dass Intellekt und Intelligenz ungleich verteilt sind, laesst sich schliessen, dass das Internet inzwischen von vielen, fuer die es nie gedacht war, als uninteressant bewertet wird.

Waehrend die Massenmedien den Massenmenschen heute melden, das Ende des Ganzen sei absehbar, wissen "alte Hasen", dass das Netz Jahrzehnte ohne Massenmedien und Hype auskam. Und dass sich daran auch zukuenftig nichts aendern wird. Was wir sehen, ist eine erste willkommene Bereinigung, das Versagen der Schaumschlaeger und Windbeutel, der fuer das Informationszeitalter Ungeeigneten, Leute, fuer die der Versand von email synonym mit dem Transport eines Word-Dokumentes ist und die nie verstehen, warum alles, was von etablierter Internet-Praxis abweicht, ueberwiegend Widerstand ausloest. "Etabliert" bedeutet in diesem Zusammenhang "vor 1995 praktiziert", d.h. vor dem Zeitalter der Knallkoepfe.

Hierzu zaehlen die, die glauben, eine effiziente Site ohne jede Erfahrung mit dem Medium nur durch Benutzung eines HTML-Editors erstellen zu koennen. Sowie die, die glauben oder den Glauben verbreiten, auf dem Web sei alles "umsonst". Vieles ist, selbst Disney kommt daran nicht vorbei. Aber alles, was dem anonymen Anwender wirklichen Nutzen bietet, ist nicht umsonst, sondern ein Investment in die Zukunft. Und die hoert nicht mit dem naechsten Quartalsabschluss auf.

Bezahlte Anmeldung

In den letzten Monaten habe ich mehrfach ueber bezahlte Anmeldungen bei amerikanischen Suchmaschinen und Verzeichnissen berichtet, davon ausgehend, dass sich dieser Trend auch hier durchsetzen wird.

Die britische Suchmaschine SearchEngine.com verlangt jetzt 75.00 Pfund fuer die "bevorzugte" Registrierung.

http://www.searchengine.com/

Yahoo "verkauft" Links

Yahoo bietet jetzt, was zunaechst von vielen als gekaufte Plazierung verstanden wurde.

http://sponsoredsites.yahoo.com/

Soweit geht Yahoo! sicherlich nie. Was angeboten wird, sind monatsweise verkaufte Einzeiler, die in einer Box "gesponsorter" Links am Seitenanfang erscheinen. Bis zu fuenf Links koennen in einer Box erscheinen. Liegen mehr als 5 Buchungen fuer eine Kategorie vor, werden die Einblendungen rotationsweise geschaltet.

Nur Sites, die bereits in Yahoo!s Verzeichnis enthalten sind, koennen solche Links kaufen. Eine Abrechnung ueber die Zahl der stattgefundenen Einblendungen erhalten Sie nicht. Preise bewegen sich je nach Kategorie - und sicherlich auch Nachfrage - zwischen $25 und $300 pro Monat.

Kleine semantische Kruecke: Yahoo! nennt diese gekauften Links "Sponsored Sites". Richtig ware "Sponsoring Sites".

AltaVista fuehrt Goto-Links ein

AltaVista hat inzwischen, wie ich Anfang Dez sagte, auch sog. sponsored links eingefuehrt, allerdings werden im Gegensatz zur Beta-Version heuer nur drei Links und diese erst am Seitenende ausgegeben. Die Ergebnisse stammen, wie bekannt, von Goto, der Suchmaschine, bei der der Geldbeutel ueber Relevanz entscheidet und die sicherlich ein entsprechend diskriminierendes Publikum hat.

Die erkauften Links erscheinen allerdings nur auf der "bunten" Version von AltaVista - bei der schnelleren Nur-Text-Version

http://www.altavista.com/cgi-bin/query?text

verzichtet man darauf. Die "bunte" Version hat uebrigens einen Tapetenwechsel erlebt, bei dem die Mehrzahl der optischen Tretmimen entfernt wurden. Die verwirrende Vielfalt, die vor allem Anfaenger voellig ueberfordert, wird bei AV in DE noch zur Schau gestellt.

Gleichzeitig hat CMGI, der Eigentuemer von AltaVista, eine weitere Welle von Entlassungen angekuendigt sowie, die Medien berichteten darueber, Aktionaeren Hoffnung auf bessere Zeiten vorgegaukelt: man besitze Patente, gegen die von nahezu allen Mitbewerbern verstossen wuerde.

Aehnlich ungewaschen hat sich vor ein paar Jahren bereits Lycos verhalten. Heute redet man nicht mehr gerne darueber.

Die "Patente", ueberwiegend weniger wertvoll als das Papier, auf dem sie niedergeschrieben wurden, leiden alle daran, dass sie entweder etablierte Protokolle [z.B. HTTP], ohne die Seitenabrufe ueber das Web schlecht moeglich waeren oder andere in der Literatur dokumentierte Selbstverstaendlichkeiten zur Basis haben.

CMGI-Boss David Wetherell wird deshalb von US-Journalisten als Idiot bezeichnet. Meiner Meinung nach recht verspaetet.

Emuell-Vermeidung

Eine interessante Moeglichkeit zur Aufspuerung sog. Spam-Harvester wurde mir dieser Tage vorgestellt. Wie Sie wissen, sind auf dem Web nicht nur die Spider der Suchmaschinen unterwegs, sondern auch solche, die nichts anderes als email-Adressen sammeln, an die man dann bergeweise Spam [Werbe-Muell] verschickt.

Da Internet-Provider Umsatz immer noch vor Disziplin setzen, finden Spammer immer wieder willige Provider, die den Versand von tausenden oder auch Millionen von emails zulassen und die erst fragen, wenn es zu spaet ist.

Sich an etablierte Normen haltende Roboter rufen vor dem Besuch einer Site das robots.txt-File ab und pruefen, welche Bereiche gespidert werden duerfen und welche gesperrt sind, wobei die Beachtung der Sperre nicht vom Server erzwungen werden kann, sondern Zurueckhaltung des die Site spidernden Robots bedingt.

Der Trick, mit dem man email-Sammler identifiziert: Legen Sie eine HTML-Seite an, die nichts enthaelt. Keinen Text, keine Grafik, einfach nichts - und sperren Sie diese Seite in Ihrem robots.txt-File fuer alle User-agents [das 'a' in Agent wird traditionell als Kleinbuchstabe geschrieben]. Dann bringen Sie auf z.B. Ihrer Start-Seite gleich am Anfang einen unsichtbaren Link mit einer 1-Pixel-Grafik unter:

Dieser Link wird von Ihren Besuchern nicht gesehen, da das Gif transparent ist, von legalen Spidern wird er nicht verfolgt, da in robots.txt gesperrt. Nur email-Harvester, die gnadenlos alle Seiten Ihrer Site aufrufen, verlaufen sich auf diese Seite. Sie haben damit die IP-Adresse des Sammlers und den User-Agent, koennen bei der dynamischen Seitenerstellung damit die Ausgabe von email-Adressen auf allen Seiten unterdruecken.

Wer mutig ist, kann die IP-Adresse des Abrufers dynamisch ueber den Firewall oder ueber den Web Server oder andere Mechanismen sperren.

Und wer ueber entsprechende Bandbreite und CPU-Leistung verfuegt, kann das Wpoison-Programm installieren, das email-Harvester rekursiv mit einer unbegrenzten Zahl von dynamisch erzeugten Seiten beschaeftigt:

http://www.monkeys.com/wpoison/

Ich wuerde aber empfehlen, das Programm unter einem anderen Namen zu installieren, da Spammer sicherlich nicht von gestern sind und ihre Spider entsprechende URLs vielleicht ignorieren.

Suchmaschinen-Optimierung mit Fernbedienung

Ein neues Risiko bei der Suchmaschinen-Optimierung wurde soeben bekannt. Manche Anbieter verkaufen Suchmaschinen-Optimierung nicht als Know How sondern gegen Erfolgs-Honorar. Hierbei werden Seiten nicht auf Ihrem Server, sondern dem Server des Anbieters untergebracht, wobei die Seiten, sobald sie von den Suchmaschinen besucht werden, gegen nicht-optimierte getauscht werden, so dass die eigentliche Optimierung Kunden und allen anderen Abrufern verborgen bleibt. Sie bezahlen fuer jeden Seitenaufruf eine Gebuehr von ein paar Mark.

Da die einfachste Moeglichkeit der Erlangung einer guten Position in den Suchmaschinen oft der Diebstahl einer Seite, die auf den obersten Plaetzen ausgegeben wird, ist, greifen nicht so serioese Anbieter gelegentlich auf diesen Trick zurueck.

Die dadurch entstehende Urheberrechts- bzw Trademark-Verletzung, so ein amerikanisches Gericht, wird in Ihrem Auftrag begangen. Das kostet.

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