Text-Erstellung, Optimierungs-Strategie & bezahlte Anmeldungen.

In eigener Sache

Bevor ich's vergesse: in der ersten Mai-Haelfte wird mein Server abgestellt. Erweitert. Und wieder gestartet. Das ganze wird etwa einen halben Tag beanspruchen und ist eine erste von mehreren geplanten Umstellungen.

Moderne Text-Erstellung fuer das Web

Leser, die diesen Newsletter erstmals erhalten, schreiben mir schon mal, dass meine Ausdrucksweise antiquiert ist. Waehrend die meisten elektronischen Publikationen heute nur noch mangelhaft verstecktes Eigenlob, gespickt mit Werbung und Hype, enthalten, hat diese Postille offensichtlich auch einen auf Kuriositaeten-Auktionen und Versteigerungen realisierbaren Wert eben wegen der Raritaet der Ausdruckweise.

Dass Sprache staendiger Veraenderung unterliegt, ist bekannt. Auch, dass diese Veraenderungen stets Simplifizierung mit sich bringen, die die Nutzung einem groesseren Kreis erlaubt. Der heutige Sprachgebrauch ist fast schon binaer, soll heissen, dass manche Kreise fuer die Beschreibung von Zustaenden und Eigenschaften mit je zwei Attributen auskommen.

Die Farbenpracht des Sprachgebrauchs vergangener Zeiten ist fuer immer verloren. Nur in Indien und manchen orientalischen Laendern werden heute noch Beschimpfungen geschmiedet, die Saetze und ganze Paragraphen beanspruchen und deren Vernichtungsgewalt auch ohne eigentliche Kraftausdruecke den moderner Waffen uebersteigt.

Das unendliche Spektrum der Formulierungen, die Bauch- und Lachmuskeln, Herz und die Sinnesorgane auf Trab halten konnten, wurden durch Trivialitaeten und Nicht-Inhalte abgeloest. Selten enthalten Web-Seiten wirkliche Information fuer eine literate Minderheit, und oft liegt der Verdacht nahe, dass Texte durch Programme erstellt wurden, die zwar grammatikalisch korrekte und thematisch kohaerente Texte erstellen, die trotz extravaganter Verbositaet aber keine eigentliche Information aufweisen.

Nur gelegentlich wird ein Schmunzeln verursacht, wie z.B. beim Studium der Hilfs-Texte der englischen Version von Abacho [www.abacho.co.uk/]. Deutsche Satzstellung und englische Grammatik gehoeren nicht in einen Atemzug.

Optimierungs-Strategie

1997 oder 1998 entdeckte die Marketing-Welt das Web. Heute verlassen die Ratten das sinkende Schiff, oder was sie als solches betrachten. Die Internet-Nutzung erlebte in den USA erstmals ruecklaeufige Tendenz, und jetzt geht auch die Zahl der Domain- Registrierungen zurueck. Trotz Millionen-Aufwendungen laesst sich auf dem Web nicht erzwingen, was wider die menschliche Natur ist.

Medien-Mogule, die immer noch glauben, Inhalte und Nutzung kontrollieren zu koennen, uebersehen, dass jeder Anwender gleichzeitig potentieller Mitbewerber ist. Schon Gutenbergs bleierne Lettern fuehrten zur Befreiung der Kommunikation. Bis dato Domaene der Kirchen, war Verbreitung von Information auf einmal privater Initiative moeglich. Druckschriften zu jedem Thema wurden Bestandteil des Alltags.

Das Internet und noch mehr das Web veranlassten die Katze, jetzt endgueltig aus dem Sack zu schiessen, und einfangen laesst sie sich heuer, wo weltweit und zu geringen Kosten publiziert werden kann, nicht mehr.

Obwohl das Web Zugriff auf Information in bisher nicht gekanntem Ausmass ermoeglicht, wuchs die verfuegbare Menge an Information schneller, als die Zahl der Nutzer. Ihre sorgfaeltig polierten Seiten haben daher Konkurrenz wie nie zuvor.

Und welche Seiten der Anwender aufruft, und auf welchen er verweilt, mit welchen Inhalten er sich auseinandersetzt, bleibt ihm ueberlassen, nicht Ihren Wuenschen oder Ihrer Kontrolle.

Deshalb versuchen moderne Suchmaschinen, "wichtige" Seiten als solche zu erkennen. Bei manchen wird beobachtet, welche Ergebnisse von den Anwendern besonders haeufig aufgerufen werden und wie schnell der Anwender nach Aufruf einer gebotenen Seite zum Suchergebnis zurueckkommt. Bei anderen, vor allem Google, wird die meiner Meinung nach wichtigere Linkpopularitaet beruecksichtigt.

Attraktive Inhalte, die alle potentiellen Fragen Ihrer Besucher vorweg beantworten, werden mehr und mehr zum wichtigsten Teil der "Suchmaschinen-Optimierung", auch wenn sich gleichzeitig die bezahlte Anmeldung breitmacht.

Suchmaschinen koennen auf Dauer nicht von Verlusten leben, und weil Bannerwerbung jetzt endgueltig als wertlos eingestuft wird, sucht man neue Einnahmequellen sowie die gleichzeitige Verbesserung des Angebots.

Yahoo! sah sich aus finanziellen Gruenden gezwungen, Dildos, Puppen und Cremes zu foerden, und musste genausoschnell den Schwanz einziehen, als die Oeffentlichkeit - die ueberwiegend nach Sex und Derivativem sucht - pikiert reagierte. Parallel fuehrt Yahoo! - noch zaghaft und nicht immer direkt heraus - Gebuehren fuer diverse Zusatzdienste ein [das Ganze erinnert an das Compuserve-Modell der 80er Jahre].

Google verkauft[e] Werbung fuer Pornografisches: wer dort nach japanese Translations suchte, erhielt am Seitenanfang Werbung fuer eine Porno-Site. Ob die Yahoo!-Erfahrung zur Abschaltung der Porno-Werbung beitrug, kann ich nicht sagen.

Inktomi ueberraschte mit Verlusten, Web.de erkaempfte sich zusaetzliche Reichweite durch Ausgabe von Millionen von Mark anderer Leute und selbst AltaVista, glaubt man in den letzten Wochen kursierenden Geruechten, steht wieder mal zum Verkauf.

Das Ganze sieht recht prekaer aus. Acoon.de ist die erste deutsche Suchmaschine, die Plazierung auf der ersten Seite gegen Bares verkauft. Endemann, oder jetzt Abacho, musste Erwartungen [oder Versprechungen] enttaeuschen und schliesst sich damit denen an, die auf dem Web kein Geld machen.

Erfolg - auch fuer Suchmaschinen - ist damit nicht mehr als Einstellungssache und Befolgen eines einfachen Rezepts: geben Sie Ihren Besuchern, was diese verlangen.

Vergessen Sie alles, was Sie ueber Marketing gelernt haben, ignorieren Sie alle Tricks, die unter der Hand von Webfremden gehandelt werden und konzentrieren Sie sich auf den tatsaechlichen Bedarf Ihrer Besucher. Was diese suchen, sehen Sie oft in Ihren Log Files, oder genauer, wenn Sie sich mit meiner Datenbank der Suchbegriffe befassen:

Datenbank der Suchmaschinen-Keywords

Ich werde oft gefragt, warum ich nicht die hundert oder 500 haeufigsten gesuchten Formulierungen veroeffentliche. Ich helfe zwar gerne aelteren Zeitgenossen ueber die Strasse, straeube mich aber, die meistgefragten Phrasen zu listen. Warum auch? Niemand hat etwas davon, wenn Sie Dinge in Ihren Seiten nennen, die nicht eigentlicher Bestandteil Ihres Angebots sind.

Das Web ist _nicht_ ein Marktplatz, auf dem man durch lautes Schreien Kunden findet, die kein ursaechliches Interesse an Ihren Produkten oder Dienstleistungen haben. Werbung wird 100%ig ignoriert. JavaScript-Tricks und Fehlinformation fuehren nur und ausschliesslich zur Veraergerung Ihrer Besucher.

Zum Ziel, und zur attraktiven Suchmaschinen-Position, fuehren langfristig nur qualifizierte Informationen. Web-Verantwortliche sollten zwar eine gute Suchmaschinen-Position anstreben, diese aber _NUR_ fuer Begriffe, die tatsaechlich relevant sind. Alles andere ist Schaumschlaegerei, Verschwendung von Zeit, Bandbreite und - bei der Kontrolle der Suchmaschinen-Position - auch Stress und Aerger. Und nuetzt niemandem.

Und dass sich eine einmal erreichte Position langfristig halten laesst, glaubt nur der absolute Web-Neuling. Nahezu alle Suchmaschinen setzen irgendwelche Rotationsmechanismen ein. Manche, weil man "frische" Inhalte vorzeigen moechte. Manche, weil man nur immer einen kleinen Teil des Ganzen auf Vorrat hat.

Bei anderen kann man nur die Haende in den Schoss legen - aeltere Seiten haben halt Vorrang und sind so lange vor Ihren, bis entweder die Methodik bei der Suchmaschine veraendert wird - was bei Altavista.com gelegentlich und stets voruebergehend passiert - oder der Mitbewerber in den Ruhestand geht. Hier hilft nur Geduld.

Auch die haeufige Praxis, Seiten unter mehreren Domainnamen zu speichern und somit Verdraengungswettbewerb betreiben zu wollen, wird mehr und mehr zum Eigentor. Dublettenerkennung ist _keine_ Kunst, und immer mehr Suchmaschinen machen von der Moeglichkeit, Bandbreite und Speicherplatz zu sparen, Gebrauch. Nicht so unberechtigt ist die Entscheidung, beim Erkennen systematischer Dubletten _alle_ betroffenen Domains zu sperren.

Google, wo man Linkpopularitaet systematisch auswertet, vergibt heute gar negative Punkte, wenn "negative" Sites Links auf Ihre Site unterhalten. Der Einsatz sog. Link-Farmen, die nur zum Zweck der Manipulation der Zahl der Links auf eine Site dienen, kostet.

Nachdem Google mit recht passablem Erfolg Dubletten aus dem Datenbestand verbannt hat, richtet man jetzt das Augenmerk auf Spam. Google definiert als Spam unter anderem Seiten, die kaum Inhalt und / oder meterlange Meta-Keywords haben, Seiten, die ein Redirect oder einen Meta-Refresh ausloesen, oder die versteckten Text besitzen. Hier ist die Erkennung zwar nicht immer eindeutig moeglich [weil Hintergrundgrafiken bei der maschinellen Erkennung nicht beruecksichtigt werden], aber die Erfahrung zeigt, dass die groebsten Verstaesse doch ausgemerzt werden koennen, weil einmal die Worthaeufigkeiten untereinander drastisch von bekannten Normen abweichen und das sog. Stopfen mit Suchbegriffen in den meisten Faellen einfache Wiederholungen von Woertern oder Phrasen sind.

AltaVista ist eine der Suchmaschinen, die heute Link-Farmen mit Banner-Tauschdiensten gleichsetzen. Das ueberascht, wenn man bedenkt, dass AV [u.a.] durch den Verkauf von Bannerstreifen zu leben versucht. Auch TABLE und FRAMEs werden von AltaVista heute nicht mehr gerne gesehen - wahrscheinlich, weil FRAMEs ob der kurzen Text-Teile zeitweise zu besonders guten Positionen bei AV fuehrte, bis es jemand merkte. Andererseits koennen heute Seiten mit einem '?' in der URL angemeldet werden [beim automatischen Spidern werden diese Seiten nicht als zu bearbeitende URL aufgenommen].

Werden private Site-Betreiber jetzt benachteiligt?

Nachdem ich in den letzten Ausgaben mehrfach ueber den neuen Trend der Anmeldung gegen Bares berichtete und ankuendigte, dass dieser sich auch hier durchsetzen wird, haben viele Betreiber von oft recht spezialisierten Sites Angst bekannt, aus den Suchmaschinen ausgeschlossen zu werden. Man geht - voellig grundlos - davon aus, dass kommerzielle Sites, Marken und Werbeweltmeister durch das Aufbringen der Ertraege, die den Suchmaschinen heute fehlen, Verdraengungswettbewerb forcieren.

Zwei Dinge sollten Sie beruecksichtigen. Erstens habe ich keinen Einfluss auf die Entwicklung bei den Suchmaschinen, auch wenn ich schon mal Software-Projekte gepraegt oder entwickelt habe. Und zweitens wird jede Suchmaschine, die langfristig denkt, ein Eigeninteresse daran haben, nicht nur bezahlte sondern vor allem gute Sites im Datenbestand zu haben. Hat sie's nicht, wird sie durch solche, die's haben, abgeloest. Hierfuer gibt es mehr als einen Praezedenzfall.

Eigenstaendiges Spidern eines vorhandenen Datenbestands wird durch bezahlte Anmeldungen nicht abgeschafft. Und wertvolle Sites - wie immer "wertvoll" durch die jeweilige Suchmaschine interpretiert wird - werden nach wie vor gefunden.

Die wesentlich groessere Bedrohung sehe ich in Microsoft, und jeder, der Microsoft-Software nutzt, traegt hier eine gewisse Mitschuld. Wie bekannt, haelt sich Microsoft selten und nur gezwungenermassen an etablierte Normen, die das Internet und damit auch das Web erst ermoeglichen. Jetzt hoere ich, dass Microsoft XML von einem offenen in einen proprietaeren Standard verbiegen will. Wer sich durch Betriebssysteme wie Linux, BSD oder Unix ueberfordert fuehlt, hat jetzt eine freundliche Alternative: MacOS X gibt Ihnen demnaechst die Stabilitaet und Zuverlaessigkeit, die Anwender kostenloser Betriebssysteme seit Jahren schaetzen, und gleichzeitig den Bedienungskomfort, den Windows seit Jahren imitiert. Moralische Standpunkte sind einer der Stoffe, die auf dem Web zaehlen.

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