AllTheWeb, bezahlte Anmeldung & gekaufte Positionen.

1. Bezahlte Anmeldung setzt sich durch

Fasts AllTheWeb kombiniert die Site-Suche mit der bezahlten Anmeldung zum Preis von [mindestens] $US500.00 monatlich. Sites werden taeglich gespidert und haben gleichzeitig die Moeglichkeit, Suchschlitze fuer die eigene Praesenz an strategischen Stellen der Site einzubauen.

Der Preis von $500.00 mtl ist durch die Mischkalkulation nicht direkt mit den Angeboten der Mitbewerber vergleichbar, darf aber als "stolz" betrachtet werden. Fuer die Site-Suche gibt es heute eine nicht mehr ueberschaubare bekannte Zahl von kostenlosen Paketen, die je nach technischem Verstaendnis der Autoren solcher Anwendungen [wie auch der diese installierenden Site-Betreiber] vergleichsweise potente Suchmoeglichkeiten ergeben.

Wie sinnvoll die Site-Suche ist, steht auf einem anderen Blatt.

Wenn die in Arbeit befindliche Umstellung meiner Site abgeschlossen ist, werde ich die dort gebotene Such-Moeglichkeit entweder nur im Kunden-Bereich bieten oder vielleicht ganz entfernen: mehr als 2/3 aller eingegebenen Suchbegriffe sind pornografischer Natur, obwohl ich mich selbst nicht als Anbieter von Pornografie sehe.

Selbst wenn wir von den $US500.00 1/3 fuer die Such-Moeglichkeit abziehen, bleibt ein stattlicher Rest fuer taegliches Spidern. Das Angebot ist momentan noch in "Beta". Die naechsten Monate duerften zeigen, wie bereitwillig Site-Betreiber zum Scheckbuch greifen.

http://www.fastsearch.com/index.php?d=products&c=internet&s=partnersite

Mamma ist eine heute zur WhatUSeek-Gruppe gehoerende Kombination von Meta-Suchmaschine und hand-editiertem Verzeichnis. Mamma haelt ebenfalls seit laengerem die Hand auf. Sie verlangt $60 fuer die Bearbeitung der Anmeldung innerhalb von 2 Tagen oder $30 von Site-Betreibern, die Geduld haben. Obwohl fuer deutschsprachige Sites nahezu unbedeutend, weist Mamma fuer englisch- oder mehrsprachige Sites recht attraktive Zahlen aus.

http://www.mamma.com/

2. Position wird immer kaeuflicher

Das GoTo-Modell, die Versteigerung der Position an den Meistbietenden, versucht sich auch in Deutschland. Suchmaschine.de bietet jetzt wie GoTo.com ein Ranking-Verfahren, das sich nur noch am Geldbeutel orientiert. Wie bei GoTo, werden mit jedem Ergebnis die Kosten, die der besuchten Site durch Anklicken entstehen, ausgewiesen.

Dezenter geht man bei Lycos vor, wo die ersten 5 Positionen durch Vermittlung der Espotting Media-Gruppe ebenfalls verhoekert werden.

Wie lange Suchmaschinen in der Lage sein werden, Suchenden verkaufte Position als "Ergebnis" neutraler Bewertungsmethoden unterzuschieben, ist fraglich. Der in Sachen Verbraucherschutz immer noch taetige US-Anwalt Ralph Nader, der schon vor drei Jahrzehnten Automobilherstellern und anderen Konzernen das Fuerchten lehrte [und der als Ausloeser vieler Sicherheits- und umwelttechnischen Entwicklungen der 70er und 80er gelten darf], hat durchgesetzt, dass die Thematik der Einblendung verkaufter Positionen nicht nur oeffentlich diskutiert wird, sondern dass sich inzwischen auch US-Behoerden der Sache annehmen muessen.

Es ist damit zu rechnen, dass Suchmaschinen sich schon bald der Presse anpassen muessen, wo nicht als solche erkennbare Werbung unmissverstaendlich gekennzeichnet werden muss, damit sie nicht mit "redaktionellen" Inhalten verwechselt werden kann.

Die Effizienz bezahlter Links wird dadurch bei den Suchmaschinen, die diese von GoTo bzw FindWhat gegen Honorar beziehen und ohne Kennzeichnung einblenden, reduziert. Bleibt abzuwarten, wie dieser neuerliche Ausfall nach Ausbleiben der durch Bannerverkauf erzielten Umsaetze ausgeglichen wird. Und wieviele der nachrangigen Suchmaschinen letztendlich bleiben.

3. Web-Anwender zur Kasse gebeten

Noch vor einem Jahr kannte das Angebot kostenlos abgegebener Dinge keine Grenzen: vom kostenlosen Internet-Anschluss ueber das kostenlose Site-Hosting bis hin zum gratis vergebenen PC war so ziemlich alles vertreten wie unsinnig. Inzwischen muss jemand gemerkt haben, dass das Verschenken von Dingen, deren Produktion oder Verwaltung konventionelles Geld kosten, nur begrenzt Umsaetze und damit Gewinn einbringt.

"Aaaaaaaah!" bemerken die Verantwortlichen der verbleibenden Dotcoms inzwischen, und versuchen sich mit Inhalten, deren Nutzung vom Anwender bezahlt werden muss. Aber auch hier gilt, dass laengst nicht jede Offerte tatsaechlich einen Gegenwert bietet.

Waehrend auf dem B2B-Sektor [Business to Business] zahlreiche Angebote nur gegen Zahlung genutzt werden koennen, ist Yahoo! eines der groessten Unternehmen, das an den Endverbraucher gerichtete Daten verkauft [Boersenkurse, div. spezialisierte Informationen]. Auch wenn Yahoo! die Bereitschaft der Anwender, den Geldbeutel zu zuecken, im letzten Geschaeftsbericht mit dem Attribut "bescheiden" versieht, ist der Trend erkennbar. Selbst Web.de will Verbraucher fuer Verbrauch zukuenftig zahlen lassen.

Das Web bewegt sich damit in eine Richtung, die nicht vermeidbar ist: was kostet, muss finanziert werden. Und was so wertlos ist, dass niemand bereit ist, dafuer zu zahlen, geht unter - fuer den Betriebswirtschaftler nichts Neues. Begruessenswert ist diese Entwicklung, auch wenn Schnorrer, Trittbrettfahrer und allgemein Minderbemittelte die Nase ruempfen, vor allem, weil damit die groebsten Auswuechse, die wir in den letzten Jahren gesehen haben, untergehen und eine Beziehung zur Realitaet entsteht.

Letztendlich entscheidet die Angebots-Qualitaet darueber, wer die durch die "Dot.bomb"-Welle ausgeloeste Bereinigung ueberlebt.

4. HTML-Qualitaet beeinflusst Umsatz

Buecher habe ich bei Amazon gekauft, weil es bequem war. Der Preisvorteil ist laengst Vergangenheit, und die Versandkosten verteuern den Kauf im Vergleich zum Buchhaendler an der Ecke.

Jetzt hat der Kauf bei Amazon.co.uk ein weiteres Problem: er kann nicht stattfinden. Der die Transaktion ausloesende Button kann, da nicht sichtbar, nicht benutzt werden. Nicht jeder Browser denkt so verwirrt, wie die "Techies", die fuer die HTML-Gestaltung der den Warenkorb enthaltenden dynamischen Seite verantwortlich sind. Validatoren melden je nach Guete zwischen 50 und 85 Fehler in der Warenkorbseite. Und "mein" Browser versucht sich erst gar nicht in HTML-Ratespielen.

Den groebsten Schnitzer fand kein Validator: Auf eine email an die dafuer zustaendigen techies@amazon.co.uk erhielt ich eine Standard-Antwort. Die "Nichterreichbarkeit" der Site war durch routinemaessige Wartungsarbeiten bedingt.

Techies ist heute offenbar Synonym fuer Idioten.

Denn fehlerhafte HTML, auch Tage spaeter nicht korrigiert, darf nicht mit "Wartungsarbeiten" entschuldigt werden. Sondern sollte gefixt werden. Wer seinen technischen Kundendienst mit Anal- phabeten [Trennung gemaess Grosswoerterbuch Klett 1981 ;-)] besetzt, braucht sich um die Zukunft seines Unternehmens keine Gedanken machen. Game Over.

5. Aufregung um Nichts

AdsOff, Close Popup, Mr. KillAd, Advertising Killer, PopNot, AllGone und eine schier unuebersehebare Anzahl von Tools sollen dem Anwender helfen, die neuesten Auswuechse der Internet-Werbung zu umgehen. Zusaetzliche Fenster, im Tapeten-Format dargestellte Blink-Werbung und Megabyte-Flash treiben Anwender auf die Palme. Browser- und PC-Abstuerze, korrupte Daten auf der Platte und das Warten auf immer neue Formen der Belaestigung fuehren zu Downloads von Werbe-Killern, die jeden Tag in die hunderttausende gehen.

Anwender, die JavaScript und Grafik im Browser deaktiviert haben, verstehen die ganze Aufregung nicht. Sie werden weder belaestigt, noch umworben, und Browser-Abstuerze gehoeren der Vergangenheit an. Selbstverstaendlich stoesst man immer wieder auf Praesenzen, die ohne KritzlerScript nicht benutzt werden koennen. Aber ist das wirklich ein Verlust?

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