Im letzten Newsletter sagte ich unter "Position wird immer kaeuflicher":
"Dezenter geht man bei Lycos vor, wo die ersten 5 Positionen durch Vermittlung der Espotting Media-Gruppe ebenfalls verhoekert werden."
Von Lycos.de erhielt ich am 30.7. die [gekuerzt wiedergegebene] email:
"... Dazu möchten wir folgende Richtigstellung abgeben.
Auf Lycos wird Espotting 3 Suchergebnisse zu den Suchbegriffen in einem extra Kasten auf der rechten Seite der Suchergebnisseite (also ausserhalb der Suchergebnisliste) ausliefern sowie 2 Suchergebnisse am Fusse der Seite. Beides ist ganz klar als Werbung gekennzeichnet. In keinem Fall "verhoekern" wir die ersten 5 Suchergebnisse."
Die Notiz im letzten Newsletter hatte ich nach Lesen mehrerer Pressenotizen und anschliessendem Besuch der Espotting Site ohne Rueckfrage bei den betroffenen Suchmaschinen formuliert.
Ich zitiere http://www.espotting.com/
Our search results now appear on Lycos, Ask Jeeves, NTL, Hotbot, easyEverything cafes, UK Plus, Netscape, Supanet, Zoom, Searchengine.com & many more...
http://www.espotting.comädvertisers/list_yoursite.asp
We're #1 in the UK: Espotting's affiliate deals with search engines, ISPs, portals and destination sites results in over 60% reach in the UK, delivering over 70 million searches per month. That's a lot traffic to our advertisers!
You set the price and control your titles, descriptions and search terms.
In der Praxis handelt es sich hierbei also um Pay per Click- Einblendungen nach dem Goto-Modell [Goto-Ergebnisse werden bei AltaVista und anderen Suchmaschinen meist ohne deutliche Kennzeichnung eingeblendet, zu Ralph Nader's Einschaltung der US-Wettbewerbshueter fuehrend].
Looksmart hat kuerzlich die Preise fuer die bezahlte Begutachtung um 50% erhoeht. Die Basis-Offerte steigt auf $US149 und die beschleunigte [Stellungnahme innerhalb von 2 Tagen] auf jetzt $US299. Site-Betreiber sind offensichtlich mehr als bereit, fuer die beschleunigte Begutachtung einer Site zu zahlen.
Hinzugekommen ist die Moeglichkeit, Titel und Beschreibung, die durch Looksmart-Redakteure "de-optimiert" wurden, gegen Zahlung zu "korrigieren". Wie gross die Bereitschaft der Zielgruppe hier ist, bleibt abzuwarten.
Alle Suchmaschinen haben das Problem, dass Daten unbekannter Herkunft [und erfahrungsgemaess niedriger Qualitaet] verarbeitet werden. EDV-Praktiker nennen das "Garbage in, Garbage out".
Deutlich wurde das Problem kuerzlich bei Lycos, wo der Seitenparser spitze Klammern und darin enthaltenen Code verbatim uebernahm und mit Suchergebnissen ausgab. So kam es mehrere Wochen lang dazu, dass bei gewissen Suchergebnissen JavaScript ausgefuehrt wurde, ohne dass die Seite, die den Code enthaelt, aufgesucht wurde. Andere enthielten z.B. Formular-Felder im Suchergebnis.
Google entfernte viele URLs von Hand aus dem Datenbestand, weil sich herausstellte, dass viele Site-Betreiber ein als Beta-Produkt gekennzeichnetes und [noch] nicht fuer den kommerziellen Einsatz freigegebenes Shopping-System einsetzen, das Kreditkarten- Information jedem, der danach fragt, aushaendigt. Da Google nahezu alles indiziert, rutschten auch die entsprechenden URLs in den Datenbestand, und konnten von Anwendern, die von den Luecken des Shopping-Systems wussten, herausgekitzelt werden.
Waehrend der "Lapsus Lycos" verstaendlich ist - manche Bugs muessen tatsaechlich wiederholt gefixt werden, weil die Vielfalt der Seiten-Fehler oder Manipulationsversuche der Seitenautoren nahezu unbegrenzt ist - glaube ich nicht, dass Suchmaschinen die Aufgabe haben, Anwender vor Anwendern zu schuetzen. Die Entfernung der Links auf das defekte ShoppingCart-System ist vom Ansatz her falsch und verdient keineswegs das von den Medien ausgesprochene Lob.
Als die von vielen Medienexperten fuer die Zukunft gesehene Konvergenz von Web und TV vor ein paar Jahren diskutiert wurde, war ich nicht in der Lage, mich dieser Meinung anzuschliessen. Die Zielgruppen waren zu verschieden, und die Nutzungsmuster passten nicht.
Heute haben wir die Medienkonvergenz erreicht, ohne dass es jemand bemerkt hat. Nicht vielleicht aus technischer Sicht und sicherlich nicht so, wie sie angekuendigt wurde. Aber die Mentalitaet der Verantwortlichen der [finanziell] aufwendigsten Web-Auftritte entspricht voll und ganz der vom Werbefernsehen bekannten.
Da Kravatten offensichtlich die Blutversorgung der kreativen Regionen des Schaedels reduzieren, wird mangelnder Ideenreichtum durch Fremdloesungen ersetzt.
Gator bietet ein Plugin, das beim Einkauf auf dem Web Preise vergleichen hilft. Mit der Begruendung hat man zahlreiche Anwender veranlasst, das Plugin zu installieren. Gleichzeitig, und das bindet man dem Anwender nicht auf die Nase, blendet Gator Werbung ein, die dank der standardisierten Formate unbemerkt die Werbebotschaften besuchter Sites ueberlagert.
Mit anderen Worten: ein Anwender mit Gator-Plugin besucht Site A, woraufhin die HTML-Seite und darin eingeblendete Werbung geladen wird. Gleichzeitig und vom Anwender unbemerkt laedt Gator Werbung von einem eigenen Server und zeigt diese in gleichen Formaten und an den gleichen Stellen, wo der fuer die Site A Verantwortliche eigene Werbung erwartet.
http://www.intern.de/news/2044.html
http://news.cnet.com/news/0-1005-200-6897620.html?tag=lh
Es kommt aber noch schlimmer:
In meinem noch nicht ganz fertiggestellten Suchmaschinen-Tutorial beschreibe ich, wie Microsoft's "Smart Tags", vorerst dank negativer Anwender-Reaktionen auf Eis gelegt - Seiteninhalte ohne Ihr Wissen modifizieren und Links auf verkaufte Keywords einblenden.
Waehrend Microsoft sich zunaechst der oeffentlichen Meinung beugte und das Projekt vorerst nicht freigab, hat sich genau diese Idee [die Amerikaner nennen sie "Scumware"] unbemerkt 8.6 Mio mal auf Windows-PCs breitgemacht.
Ein als Napster-Ersatz angebotenes Software-Paket unter Bezeichnungen wie KaZaa und mehrere andere FileSharing-Downloads installieren - von fast allen Anwendern unbemerkt - gleichzeitig ein auf den Namen TopText hoerendes Plugin, das Links in besuchte Seiten und ohne Wissen der Site-Verantwortlichen im Anwender-Browser einblendet.
Verkauft werden diese Links von Ezula an den Meistbietenden, teilweise direkt, aber auch ueber sog. Pay-per-Click Suchmaschinen wie Kanoodle. Einziges Kriterium fuer die Vergabe ist eine ausreichende Zahl Dollar-Zeichen. Deshalb kommt es u.a. dazu, dass Jugendliche oder auch Kinder, die unschuldige Sites besuchen und z.B. das durch TopText hervorgehobene Wort "Love" anklicken, auf der Praesenz eines Pornografen landen.
Erfahrene Anwender, die KaZaa oder ein anderes FileSharing Paket installieren und waehrend der ausgedehnten Installationsphase auf jeden Prompt achten, _koennen_ die TopText-Installierung vermeiden. Der typische Anwender hat dafuer keine Zeit, klickt jedesmal auf "Ja" und wundert sich, warum sein Browser auf einmal langsamer wird [jede geladene Seite wird auf von einem externen Server geladene Liste von Keywords untersucht].
Nicht wenige davon nicht erbaute Anwender berichten, dass das Plugin nach De-Installation ploetzlich wieder auftaucht, oder dass die De-Installierung der geladenen Software alles - bis auf TopText - entfernt.
Auch eine sog. IEHELPER.DLL, als Ballast mehreren populaeren Downloads beigelegt, sorgt fuer zusaetzliche Belaestigung der Anwender. Benutzen diese ihren Browser, machen sie die Erfahrung, dass alle 5 - 10 Seiten ein neues Fenster aufspringt um ihnen aufdringliche Werbebotschaften im Tapetenformat unter die Nase zu halten. Anwender gehen davon aus, dass Ausloeser der Belaestigung die besuchten Sites sind. Dass diese durch den Verzicht des Anwenders auf Kontrolle ueber die Installierung fremder Software auf dem eigenen Rechner verursacht wird, koennen sich wenige vorstellen.
Wer JavaScript, Grafik, Plugins und ActiveX deaktiviert hat, ist Taschendieben gegenueber teilweise immun. Aber nie vollstaendig. Denn Software kann auf Windows-Rechnern ohne das Wissen oder die Zustimmung des Anwenders installiert werden.
Jeder meiner ueber das Netz permanent erreichbaren Server erhaelt pro Tag zwischen 50 und 100 Code Red-Abrufe, d.h. Versuche infestierter Windows-Server, den Virus weiterzugeben. Waehrend jede Abfrage nur etwas ueber 400 Bytes umfasst, wage ich zu behaupten, dass Gates, wuerde er fuer seine Handlungen und vor allem seine Unterlassungen - fehlende Anweisungen zur Erstellung sicherer Software an die hauseigenen Programmierer und fehlende Qualitaetskontrolle, trotz jahrelanger Erfahrung - zur Rechenschaft gezogen, laengst im Armenhaus sitzen wuerde.
Der weltweit angerichtete wirtschaftliche Schaden durch die Verbreitung von Systemen, die fuer kommerzielle und behoerdliche Nutzung gaenzlich ungeeignet [weil nicht abzusichern] sind, uebertrifft laengst das Vermoegen der Urheber. Zumal ein Grossteil des angerichteten Schadens nie bekannt wird: Windows- Anwender sind zwar gewohnt, Rechner staendig neu zu starten und "Betriebssystem" und Software turnusmaessig neu zu installieren, Fehlzeiten verursachend, die in keine Statistik eingehen.
Viele scheinen aber nie zu erfahren, dass Viren den Viren-Schutz deaktivieren, private Dateien an willkuerliche Adressen gemailt werden und auch der ein unter Windows betriebener Web-Server oft vireninfestiert ist und deshalb darueber verbreitete Inhalte selten der Kontrolle des Site-Verantwortlichen unterliegen.
Da diese und tausende aehnliche Probleme seit langem bekannt sind, viele Anwender aber nicht bereit sind, sich darueber aus unparteiischen und qualifizierten Quellen zu informieren, sagte ich oben, dass Google's Versuch, Anwender vor Anwendern zu schuetzen, kein Lob verdient. Wer nicht lesen will muss zahlen.
Das gilt auch fuer Werbetreibende: wer Werbung schaltet, ohne sich zu vergewissern, wo seine Botschaften eingeblendet werden handelt fahrlaessig. Werbung bewusst an Zielgruppen zu richten, die nur daran interessiert sind, kostenlose Software zu sammeln oder Musik zu laden, ohne die Rechte Dritter zu beruecksichtigen, ist bestenfalls "sub-optimal".
AltaVista versucht sich mit Pay per Click, nennt die Chose aber ungluecklicherweise "Trusted Feed Program".
Ungluecklich ist die Benutzung des Wortes "Trust" [Vertrauen], da jeder weiss, dass man heute selbst einem Gentleman nicht mehr vertrauen kann - Lord Archer war nicht der erste und sicherlich nicht der letzte, dessen "word" weniger "bond" als Fallstrick wurde.
Das Verfahren unterscheidet sich von anderen Systemen dadurch, dass partizipierende Sites AltaVista mit XML-Daten fuettern [XML-Daten sind offensichtlich qualifizierter und glaubwuerdiger als traditionelle HTML, auch wenn die Autoren die gleichen sind] und Einfluss auf die im Suchergebnis gezeigte Beschreibung und wie angedeutet auch das Ranking haben.
Dass AltaVista ein finanzielles Interesse daran hat, dass die Sites der XML-Kunden in den Ergebnissen besonders hoch erscheinen, ist wohl eher zufaellig.
http://www.altavista.com/sites/search/trustedfeed
Beim Ihrem naechsten Besuch des Kunden-Bereichs meiner Site bitte ich Sie, Ihre webRank-Suchbegriffe so zu sortieren, dass der wichtigste Suchbegriff als erster in der Liste der Keywords erscheint.
© Copyright 1998 - 2009 Klaus Schallhorn.