Niemand wusste anscheinend etwas. Eine BBC-Ermittlung zeigte jetzt, dass Concorde seit 1975 mehr als 50 Reifenplatzer erlitt. Sechsmal wurde dabei einer der Tanks beschaedigt. Fluglinien und Aufsichtsbehoerden fanden es nicht noetig, technische Aenderungen durchzufuehren oder die Oeffentlichkeit darueber zu informieren.
1996 explodierte TWA-Flug 800, die Reste ueber den Atlantik verstreuend. Freiheiten einschneidende Gesetzgebung wurde durch beide Haeuser gejagt. Heute weiss man, dass der Crash durch mechanisches Versagen verursacht wurde. Dass Gesetzgebung oft auf menschlichem Versagen beruht, wusste Benjamin Franklin schon waehrend des Unabhaengigkeitkrieges: "Wer bereit ist, wichtige Freiheiten gegen temporaere Sicherheiten einzutauschen, verdient weder Sicherheit noch Freiheit."
Und schon Jahre zuvor warnte Edmund Burke in England, dass Demokratie letztendlich dazu fuehrt, dass Berufspolitiker bar aller Prinzipien sich fuer die populaerste Meinung, statt der besten Verhaltensweise, stark machen.
Der Daily Telegraph machte sich stark gegen Verschluesselung. Newsweek schloss sich der Meinung an. Und Clintons Internet- Experte sah sogar, wie das Internet mit dem Anschlag vom 11.9. in Verbindung gebracht werden konnte. Phil Zimmerman, PGP-Autor, erhaelt ploetzlich staendige Hass-emails. Verstaendlich, wenn man bedenkt, dass Wissen und Verstehen auf immer weniger Koepfe konzentriert wird und Ignoranz an der Tagesordnung ist.
Steganographie nennt man das Verstecken von geheimen Botschaften in unverschluesselten Informations-Traegern, deren Analyse keinerlei Hinweis auf den versteckten Inhalt gibt. Wissen Sie, ob jeder soundsovielte Buchstabe dieser Mail nicht eine versteckte Nachricht enthaelt? Was bedeutet es wirklich, wenn in der Zeitung inseriert wird, "Blaues Moped, dringender Notverkauf"? Und geht es bei an Baeumen angenagelten Handzetteln "Gruener Wellensittich Samstag abend entflogen" tatsaechlich um einen Vogel?
Wer das Denken delegiert, darf sich ueber die Konsequenzen nicht beklagen.
Sich an der populaersten Meinung zu orientieren - auch wider besseres Wissen - hat nicht nur in der Politik Folgen. Im Namen des Unternehmens, der Aktionaere, werden heute viele Handlungen "legal", die die Betreffenden nie erwaegen wuerden, wuerde die Handlungsweise mit dem eigenen Namen assoziiert _und_ publiziert.
So laesst sich erklaeren, dass Excite die BlueMountain Site, vor ein paar Jahren fuer $US 750 Mio gekauft, jetzt fuer $US 35 Mio wieder abstossen musste. Auch der kurzfristige Austausch des Wirtschaftspruefers hat keinen Einfluss auf das Geschaeftsergebnis. Deshalb mussten und muessen nicht nur hunderte von Mitarbeitern entlassen werden, vor ein paar Wochen wurden alle nichtenglischen Excite-Suchmaschinen ersatzlos eingestellt.
Auch Fast, Betreiber von AllTheWeb.com, spuert den harten Wind und entlaesst wieder Mitarbeiter. Ob die jetzt erstmals bei AllTheWeb eingeblendeten Werbe-Banner zu hoeherer Nutzung und verbesserter Anwender-Treue fuehren, bleibt abzuwarten.
AltaVista lernt immer noch, dass die Behauptung, man habe ein erfolgreiches Portal, nicht reicht. Anwender merken instinktiv, was gut fuer sie ist und klicken woanders. AltaVistas Verlust verdoppelte sich im letzten Geschaeftsjahr auf $US 1200 Mio.
Lycos ist dank Cash in der Kasse optimistisch, dass man innert der naechsten 12 Monate Profitabilitaet erreichen kann, auch wenn im letzten Jahr noch EURO 100 Mio verwirtschaftet wurden.
Infoseek.de wird gar und Kolibri.de wurde endlich ersatzlos eingestellt. Alles scheint irgendwie von ausbleibenden Anwendern abzuhaengen.
Vielleicht sollte man tatsaechlich mehr die Interessen der Anwender beruecksichtigen. Bunt, laut und aufdringlich, von den Medien meist als Voraussetzung fuer den Erfolg verstanden, ist moeglicherweise nicht so attraktiv. Wer haette gedacht, dass der Verkauf von qualitativ hochwertigen Suchergebnissen an Dritte und kleine unaufdringliche Text-Inserate Google zur Profitabilitaet verhelfen?
Im letzten Newsletter erwaehnte ich, dass Looksmart die Kosten fuer die Begutachtung einer Site auf $299 angehoben hatte. Yahoo! zog jetzt nach und berechnet den gleichen Betrag. Die Bilanz zwingt dazu, weitere Einkommensquellen zu suchen: auch GeoCities-Anwender sollen jetzt zur Kasse gebeten werden. Yahoo! hatte GeoCities, einen der ersten kostenlosen Anbieter von Web-Space, vor ein paar Jahren gekauft und sich zunaechst durch neue Geschaeftsbedingungen unbeliebt gemacht.
GeoCities-Anwender, die ihre Seiten ohne eingeblendete Werbung [durch die sich der Service rentieren sollte] bieten wollen, muessen jetzt wie bei anderen Providern auch, zahlen. Ob die Umstellung gelingt, bleibt abzuwarten.
Dass die bezahlte Anmeldung auch in Deutschland kommen wird, lasen Sie [im letzten Jahr] hier zuerst. Kurz vor meinem Urlaub Anfang September machte Fireball den Anfang. Derzeit wird nur die Moeglichkeit des beschleunigten Eintrags in das Fireball- Verzeichnis geboten. Ich waere aber sehr ueberrascht, wenn fuer die Anmeldung bei der eigentlichen Suchmaschine nicht auch in Kuerze ein beschleunigtes oder bevorzugtes Verfahren kommt.
Site-Betreiber muessen wie Suchmaschinen auch, akzeptieren, dass Suchmaschinen nicht von der Luft und schon gar nicht von Werbung leben koennen. Irgendjemand muss daher fuer Hardware, Software und Datenverkehr zahlen. Naheliegend ist, dass der Nutzniesser Kosten decken und Gewinne erwirtschaften hilft.
Unklar ist bisher - und das gilt fuer alle Suchmaschinen - nur, wie man Bezahlung auf der einen Seite und Objektivitaet auf der anderen unter einen Hut bringt.
Bei "Pay for Placement" [oder Pay per Click] versucht man sich gar nicht mit der Behauptung, neutrale Suchergebnisse zu bieten: oben ausgegeben wird, wer wie bei Goto [sh.a. unten] den groessten Geldbeutel hat.
Verzeichnisse setzen heute auf "Pay for Consideration", d.h. fuer die Begutachtung einer Site. Die Bewertungskriterien sollen nicht von denen abweichen, die bei der kostenlosen Bearbeitung von Praesenzen Anwendung finden [mit der Ausnahme, dass Yahoo! in englischsprachigen Laendern kommerzielle Sites nicht mehr kostenlos bearbeitet].
Eine dritte Variante ist "Pay for Inclusion", d.h. man zahlt fuer die garantierte Aufnahme, wie Inktomi dies seit geraumer Zeit bietet. Suchergebnisse sollen hiervon nicht beeinflusst werden, auch wenn die Zusammensetzung des Datenbestands durch bezahlte Aufnahme von Seiten vielleicht von der natuerlichen abweicht.
Ein viertes Finanzierungs-Modell - bei dem Objektivitaet auch nicht durch Beeinflussung des Datenbestandes gefaehrdet wird - ist in der Entwicklung.
Goto.com, die Suchmaschine, die die Pay per Click-Suche erfand, heisst ab 8. Oktober Overture Services. Die Aenderung, so die Pressemitteilung, soll mehr als der alte Name verdeutlichen, was das Unternehmen macht. Wie der neue Name das verdeutlichen soll, ist noch unklar, weil offensichtlich nicht offensichtliche Assoziationen zum Einsatz kommen, die nur Marketing-Experten verstehen.
Es wird gemunkelt, dass Goto sich aus dem End-User-Geschaeft zurueckziehen moechte, da 95% aller Klicks heute durch Einblendung bezahlter Links bei Suchmaschinen wie AOL, Lycos und AltaVista erzeugt werden.
Dass die Unternehmenspolitik einen Ruck machte, wurde schon erkennbar, als Goto vor einigen Monaten den Mindestbetrag fuer ein Gebot von $0.01 auf $0.05 erhoehte und gleichzeitig einen Mindestumsatz pro Suchbegriff und Monat [$25.00] einfuehrte.
Viele der bisherigen Kunden wurden veraergert. Site-Betreiber hatten schnell herausgefunden, dass man mit zahlreichen zum Mindestpreis von $0.01 gebuchten Begriffen, die zwar selten gesucht wurden, genauso viele Treffer wie mit haeufig gesuchten Begriffen erzielen konnte, wenn man nur ausreichend viele Wort- Kombinationen belegte.
Irgendwann haperte es an der manuellen Bearbeitung und Relevanz- Ueberpruefung von zehntausenden von Suchformulierungen durch Goto-Mitarbeiter - offensichtlich liess sich der Zeitaufwand nicht nicht vertreten.
Trotzdem sollten Marketing-Erfahrene wissen, dass der Wechsel zu neuem Namen und neuer Identitaet nicht ohne negative Folgen verlaeuft und nur in Erwaegung gezogen werden sollte, wenn es zwingende Gruende gibt.
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