Suchmaschinen wie Fireball, AllTheWeb, Google und auch Domanova haben eine Schwaeche, die sich selbst durch moderne Algorithmen nicht loesen laesst. Allen gemein ist, dass sie in Web-Seiten gefundene Texte fuer bare Muenze nehmen.
Sie - nicht die Suchmaschinen sondern Sie, der Leser dieses Newsletters - wissen, dass ich auf meinen Servern laufende Software gerne mit distinktiven Namen bezeichne, die sich dadurch auszeichnen, dass sie meist mit einem Kleinbuchstaben beginnen und mitten im Wort einen Grossbuchstaben aufweisen. perSoenliche Note sozusagen.
Es ist erstaunlich, wieviele Unternehmen beim kreativen Prozess der Namensfindung nicht nur auf die gleichen Programm-Bezeichnungen wie ich stossen, sondern auch bei der Beschreibung dieser auf die gleiche Wortwahl und Aneinanderreihung wie auf meiner Site gebraucht zurueckgreifen. Betriebswirtschaftler nennen das Arbeitsteilung.
Waehrend das Web, wie wir alle wissen, eine schier unerschoepfliche Quelle wichtiger und qualitativ hochwertiger Informationen ist, fungiert es gleichzeitig als groesster Bauernfaengermarkt der Welt.
Waehrend der Ideenklau vielleicht aergerlich ist, weil das Abstellen eher muehsam ist und nicht vollends automatisiert werden kann, wird der Zeitgeist voellig erkennbar, wenn Sie beruecksichtigen, wie bedenklich viele Site-Betreiber auf die Ereignisse des 11. September reagierten.
Overture [frueher Goto] sah sich gezwungen, ein paar Tage nach dem 11.9. eine Vielzahl kritischer Suchbegriffe von der Versteigerung der Suchpositionen auszuklammern, weil Site-Betreiber wie die Aasfliegen fuer auf den Anschlag bezogene Suchbegriffe Gebote abgaben, ohne relevante Inhalte zu bieten. Schlimmer noch, in einer Pressemeldung verkuendete Overture, dass die Entscheidung, diese Begriffe aus dem Verkehr zu ziehen, "nicht einfach war". Was, um Himmelswillen, ist daran nicht einfach?
Gut, dass Sie fragen. "Nicht einfach" daran war offensichtlich der folgliche Umsatzverlust, denn am 24.10. wurde das Embargo der mehrere tausend Formulierungen umfassenden Liste wieder aufgehoben. Ich muss hinzufuegen, dass man gleichzeitig versprach, fuer jedes neue Gebot die manuelle Relevanz-Pruefung zu verschaerfen, und dass diese Verschaerfung, so hoere ich, oft zur Zurueckweisung neuer Gebote fuehrt.
Zwei Fragen ergeben sich [zumindest aus meiner Sicht]:
a) Die finanziell aufwendige Strategie der Ersteigerung der Position bei Overture ist nur fuer kommerzielle Site-Betreiber sinnvoll. Aber welcher Bauchladen braucht bin Laden?
b) Hat noch niemand gehoert, dass es nicht nur lukrativer sondern vor allem einfacher ist, den Suchmaschinen Seiten zu geben, die qualifizierte Besucher ausloesen?
Die Realitaeten der Betriebswirtschaftslehre zwingt Yahoo! dazu, die Kasse durch zunehmende Kommerzialisierung der Seiteninhalte zu verbessern. Yahoo.com schliesst sich amerikanischen Suchmaschinen an und wird jetzt ebenfalls Links von Overture vor und im Anschluss an die hauseigenen Suchergebnisse auszugeben.
Waehrend Yahoo! mehr und mehr kommerzielle Leistungen bietet, zeigt die Praxis, dass nur Site-Betreiber, nicht aber Anwender, bereit sind, diese zu nutzen. Yahoo! bietet seit geraumer Zeit ein recht umfassendes Hosting-Programm fuer Online-Shops, kommerzielle Sites werden nur noch in die englischsprachigen Verzeichnisse aufgenommen, wenn die Anmeldung durch Zahlung einer Gebuehr untermauert wird.
Werbeeinnahmen, durch den Verkauf von Bannern und auch den erst im letzten Jahr eingefuehrten Direkt-Verkauf von Text-Anzeigen an bereits im Verzeichnis aufgefuehrte Sites im Gegensatz haben sich zum Sorgenkind der Branche entwickelt.
Noch enttaeuschender scheint der Absatz kommerzieller Leistungen an Anwender. Diverse Angebote, wie z.B. Boersen-Informationen und Depot-Verwaltung, bisher kostenlos nutzbar, finden keine nennenswerte Abnahme, obwohl Werbung auf diesen Seiten aus- und zusaetzliche Leistung eingeblendet wurde. Es scheint, End-Anwender sind eher bereit, auf bisher Kostenloses zu verzichten, als den Geldbeutel zu oeffnen.
Die Strategie, "Community" durch das Angebot kostenloser Dienste zu schaffen, die in der Vergangenheit ueber Werbung finanziert werden konnten, muss vielleicht ueberdacht werden. Denn Werbeeinnahmen fallen so schnell, wie der Widerstand gegen neue und aggressivere Werbeformen im Tapeten- und Fussballplatz-Format explodiert.
Die angenommene Anonymitaet bei der Nutzung des Nets verleitet dann auch die Mehrzahl der Anwender zu Verhaltensweisen, die man von Angesicht zu Angesicht nie an den Tag legen wuerde. Schnorren und Trittbrettfahren sind an der Tagesordnung, Fluechtigkeit und Eigennutz dominieren.
Das naechste Jahr wird vielleicht zum entscheidenden fuer die Zukunft des Web. Die Einstellung von Infoseek in den USA Anfang des Jahres, die Einstellung der finanziell unabhaengigen aber den gleichen Namen tragenden deutschen Infoseek letzten Monat und der Excite-Verkauf fuer $US 10 Mio - nachdem der letzte Eigentuemer mehrere 1000 Mio Dollar fuer den Kauf ausgab - zeigen, das die Einkommenserzielung auf dem Web nicht durch die Abgabe kostenloser Leistungen erzielt werden kann.
Yahoo! war daher zu mehrfachen Personalentlassungen gezwungen, die insgesamt fast 1/4 der Belegschaft ausmachen. Gleichzeitig werden viele Geschaeftsbereiche eingestampft.
In der am 1.9. verschickten Ausgabe dieses Newsletters sagte ich:
> Jeder meiner ueber das Netz permanent erreichbaren Server > erhaelt pro Tag zwischen 50 und 100 Code Red-Abrufe, d.h. > Versuche infestierter Windows-Server, den Virus weiterzugeben. > Waehrend jede Abfrage nur etwas ueber 400 Bytes umfasst, wage > ich zu behaupten, dass Gates, wuerde er fuer seine Handlungen > und vor allem seine Unterlassungen - fehlende Anweisungen zur > Erstellung sicherer Software an die hauseigenen Programmierer > und fehlende Qualitaetskontrolle, trotz jahrelanger Erfahrung > - zur Rechenschaft gezogen, laengst im Armenhaus sitzen wuerde.
Jacob Nielsen drueckt sich genauer aus [gibt aber keine Quelle fuer die von ihm genannten Zahlen an]. Im Oktober sagt er auf
http://www.useit.comälertbox/20011028.html
dass die schlechte Code Qualitaet von Microsoft Windows der Weltwirtschaft jedes Jahr einen Schaden zufuegt, der viermal so gross ist, wie Gates' Nettovermoegen. Und diese Summe deckt nur verlorene Produktivitaet durch Abstuerze und regelmaessige Neu-Installationen.
Es ist erstaunlich, dass eine Gesellschaft, die vorgibt, auf dem Weg ins Informationszeitalter zu sein, ihre wertvollsten Gueter einer Technologie anvertraut, die bestenfalls mit einem Trabant verglichen werden kann - auch wenn sie wie ein neuer Skoda aussieht.
Noch erstaunlicher ist aber, dass die Wirtschaft den verursachten Schaden widerspruchslos hinnimmt - und dabei die Sorgfaltspflicht gegenueber Aktionaeren vernachlaessigt. Leichtfertiger Umgang mit Vermoegenswerten ist offensichtlich nur dann verpoent, wenn er nicht vermeidbare Spuren hinterlaesst.
Uebrigens: die Zahl der durch Viren-infestierte Windows-Computer ausgeloesten Abrufe hat sich inzwischen etwa verzehnfacht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Windows das Netz tatsaechlich dominiert.
Am 9.11. habe ich endlich meine Site voellig ueberholt. Wenn Sie noch nicht da waren, wird es hoechste Zeit. Alte Seiten wurden entfernt und durch mein ca. 80 Seiten umfassendes Suchmaschinen-Tutorial ersetzt. Im oeffentlichen Teil meiner Site finden Sie jetzt - fast - alles, was Sie ueber die interne Arbeitsweise der Suchmaschinen und fuer die Optimierungsarbeit benoetigen. Ca 20 Seiten des Tutorials sind im geschuetzten Bereich meiner Site.
Auch Nicht-Kunden sehen jetzt detailliert [und kommentiert], welche Informationen Ranking-Analysen und Reports die fuer meine Kunden arbeitenden Spider bereitstellen, und wie die Aufbereitung optimierter Seiten dadurch erleichtert und vor allem beschleunigt wird. Anhand von Beispiel-Analysen und Reports wird erklaert, welche Zahlen regelmaessig ermittelt werden und wie Sie diese bei der Suchmaschinen-Optimierung zur Positionsverbesserung nutzen.
Meine keyDB wurde erweitert und gibt jetzt auch die Suchhaeufigkeit aller Suchbegriffe und Formulierungen aus. Auf Wunsch werden bei Woertern mit Umlauten beide Schreibweisen und deren unterschiedliche Haeufigkeiten ausgegeben - hoechst aufschlussreich ueber das Suchverhalten.
Weil jeder Tag nur 32 Stunden hat, mussten Abstriche gemacht werden. Die seit Jahren geplante Uebersetzung der Site wurde wieder verschoben und muss wahrscheinlich ausser Haus gegeben werden.
Das optisches Layout wurde geringfuegig vereinfacht ;-) und brachte mir den Kommentar eines Freundes ein, den ich hier aufgrund der Altersgruppe der Empfaenger nicht abdrucken kann. Obwohl die neuen Seiten erst vor einer Woche auf den Server kamen, stieg die Zahl der durchschnittlichen Seitenabrufe pro Nase bisher um mehr als 22%.
Anlaesslich der Ueberarbeitung habe ich die Protokoll-Dateien des Servers genauer analysiert und erstaunt festgestellt, wieviele Seiten, die bereits bei einer groesseren Umstellung Anfang 1998 entfernt wurden, heute noch von Suchmaschinen-Spidern gesucht werden. Von manchen recht hartnaeckig. So versucht Ask Jeeves - schieben Sie die Seiten des amerikanischen Butlers mal durch einen Validator - nahezu jeden Tag den Abruf von mehr als 2 Dutzend Seiten, die 1998 entfernt wurden. Zunaechst per HTTP HEAD, durch meinen Server mit einem 404 [= nicht gefunden] quittiert, und dann durch ein GET, das genauso beantwortet wird.
MSIECrawler sind die gruendlichsten. Kaum ein Zugriff des Crawlers kann durch einmalige Lieferung [oder Nichtlieferung] einer Seite befriedigt werden. Manche URLs werden hintereinander mehrere Dutzend Male abgerufen.
Eine Site ist nie fertig. Waehrend die Spider und Analyse-Programme vollends neu entwickelt wurden, hatte ich bisher keine Zeit, auch interaktive Programme zu ueberarbeiten.
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