Northernlight, Yahoo & Overture bei T-Online.

1. Wieder eine weniger

Northernlight verabschiedete sich am 16.1. von der Mehrzahl der Anwender. Die Suchmaschine wurde mit der Begruendung, man wolle sich fortan auf zahlende Sucher konzentrieren, geschlossen.

Wie ein Teil der Anwender weiss, bot Northernlight nicht nur die typische Web-Suche, sondern gleichzeitig auch Zugriff auf viele geschuetzte Bereiche auf dem Web. Wer bereit war, das Scheckbuch zu zuecken, konnte bei Northernlight auch auf der Oeffentlichkeit vorenthaltene Fundstellen zugreifen.

Eine Woche spaeter war dann die Katze aus der Tuete: nicht die vorgegebene Umorientierung des Unternehmens, sondern der Verkauf an Chicagos Andrew Flipowski [Divine, Inc] war Anlass der Einstellung der Suchmaschine. Wie alle Firmen, war Northernlight zunaechst ein bedarfsorientiertes Unternehmen. Spaeter zaehlte der innerbetriebliche Ablauf. Der naechste Schritt waere das rein "Zahlen-orientierte" Big Business gewesen. Irgendwo dazwischen haperte es aber - vor allem an der Technik. Und Anwender, vor allem NICHT zahlende, haben keine Treue. Die Anwender gehen dahin, wo man bessere Suchergebnisse liefert [z.B. Google].

Wie bekannt sein sollte, tun sich [fast] alle Suchmaschinen schwer, wenn es um die Deckung der Kosten geht - ich sage "sollte", weil man in email-Newslettern und auf Foren immer noch die Vermutung, Suchmaschinen waeren eine Lizenz zum Gelddrucken, vorfindet.

Dass dem nicht so ist - CMGI [AltaVista-Eigentuemer] liess soeben verkuenden, man muesse 50% des Personals abbauen - wurde bisher nie so deutlich ausgedrueckt, wie von Northernlights Ex-CEO Suess:

"I don't want to stand up and say that advertising doesn't work. We have a high-end business audience. High-end users are on a mission -- they don't click on ads."

Oder fuer Leser, deren Englischkenntnisse nicht "up2date" sind:

"Ich will nicht sagen, dass Werbung nicht funktioniert. Wir haben hochkaraetige Business-Anwender. Hochkaraetige Anwender sind auf einer Mission - die klicken nicht auf Werbung."

Aufgeklaerte Anwender wissen, dass keine Suchmaschine von sich behaupten wird, "wir haben niedrigkaraetige Anwender". Suess bestaetigt damit nur, was auf alle Suchmaschinen und Portale zutrifft und was wirkliche Branchenkenner seit Jahren behaupten: Werbung auf dem Web ist Wucher [WWW].

Weil inzwischen bekannt wurde, dass niemand auf Banner klickt, behaupten Werbemittler seit ein paar Jahren, dass Werbung des Kunden "Branding" verbessert.

Wolfgang Bleh von intern.de [www.intern.de] dazu lapidar: "Oft erinnert das als Click-Thru-Ersatz beschworene Online-Branding an Horoskope und Amulette - man muss nur daran glauben".

2. Glaube und Aberglaube

"Warum Suchmaschinen meist irrelevante Ergebnisse liefern" fragte mich kuerzlich eine Journalistin. Wer Webseiten auswertet, weiss, dass die meisten Seiten [unabsichtlich] falsch, irrefuehrend und damit irrelevante Ergebnisse verursachend erstellt werden.

Beispiel Newsticker: die meisten Praesenzen dieser Art haben auf der Titelseite eine Aufzaehlung von Schlagzeilen mit Datum und Uhrzeit, z.B. "2.1.2002, 9:45 Uhr". Das Wort "Uhr" ist oft das haeufigste Wort auf solchen Seiten, obwohl man offensichtlich nicht mit Uhren handelt.

Beispiel kommerzielle Praesenzen: Weil viele Sites auf Frames basieren, und im <NOFRAMES>-Teil, wenn ueberhaupt, nur ein nicht ueberlegter Hinweis steht, sehen Suchmaschinen oft nur die Meldung "Ihr Browser unterstuetzt keine Frames". Gefunden werden solche Sites nur, wenn jemand nach Browser oder Frames sucht.

Was fuer "alte Hasen" selbstverstaendlich ist, verstehen die meisten Autoren kommerzieller Praesenzen offenbar nicht.

Zu dem Schluss kam letztes Jahr auch eine Ministudie von MediaMIT [DIHT]: Handelsangebote orientieren sich bei der Seitenerstellung nicht an den Verbraucherinteressen.

Bei der Studie wurden bei acht deutschen Suchmaschinen typische Suchbegriffe wie "Zigarren", "Bordeauxwein", "Aquarienfilter" und "Harry-Potter-Bücher" eingegeben und die ersten beiden Seiten ausgewertet.

In den 640 Suchergebnissen [8 x 4 x 20] fand man nur 104 Haendler. Davon 24, deren Praesenz bei mehr als einer Suchmaschine gefunden wurden, die restlichen 80 waren nur bei je einer Suchmaschine vertreten. Nur ein einziger Anbieter wurde bei sechs Suchmaschinen gefunden und das auch noch unter den ersten fuenf Positionen.

Merke: der Seiteninhalt entscheidet. Und der muss enthalten, was von Anwendern gesucht wird. Welche Suchformulierungen und Woerter Anwender suchen und wie Sie diese Formulierungen in Ihren Seiten verwenden sollten, steht hier:

http://www.kso.co.uk/

3. Theorie und Praxis

Das Suchmaschinen-Sterben kann man vielleicht vorhersagen, wenn man die Spider-Aktivitaeten beobachtet. Ich habe meine fruehere Spiderbeobachtung wieder ins Leben gerufen und ueber die Log-Files meiner Sites [nur www.kso.co.uk namentlich erwaehnt] fahren lassen.

Diese Statistik wird jetzt monatlich am Ersten kurz nach der Uebertragung der Logfiles auf www.kso.co.uk automatisch erstellt.

Da mich die Zahlen einigermassen verbluefft haben - manche Spider scheinen voellig abgestorben zu sein, andere suchen nur nicht existierende Dateien - habe ich das auf den Namen "RobotCop" getaufte Programm ueber die Log-Files einer der aeltesten Sites auf dem deutschsprachigen Web fahren lassen. Diese Site hat heute nahezu 5,000 Seiten, ist aeusserst gut verlinkt und hat eine von den meisten Mitbewerbern beneidete Besucher- und Seitenaufrufszahl.

Waehrend die absoluten Zahlen offensichtlich nicht mit denen meiner Praesenzen uebereinstimmen, stimmen die Verhaeltnisse. Von Abacho ueber Acoon bis hin zu Speedfind und Witch stecken die meisten im Dornroeschenschlaf.

Nur Google, Fireball, AlltheWeb und Inktomi spidern regelmaessig _und_ fuehren die abgerufenen Seiten auch in die Datenbestaende ein. Altavista spidert zwar ebenfalls recht aktiv, dies aber wohl nur zu Alibi-Zwecken.

Da ich meine Site Anfang November voellig ueberholt habe, alte Inhalte wurden voellig entfernt und durch neue Seiten unter neuen URLs ersetzt, sehen Sie bei der Suche nach host:www.kso.co.uk bei Altavista, dass keine der neuen Seiten - obwohl seit zwei Monaten von Altavistas Spider gefunden und regelmaessig abgerufen - dort indiziert ist. Wohl aber die am 9.11. entfernten Seiten.

Altavista hat Europa, so vermute ich, abgeschrieben. Auch die Beteuerung, man wuerde Link-Popularitaet beim Ranking bewerten, ist nicht mehr als Fabulierung. Meine am 9.11. entfernten Seiten hatten oben auf der linken Seite - Sie werden sich vielleicht erinnern - den Titel "business interactive". Diese Bezeichnung wurde von vielen Autoren, die einen Link auf meine Site setzten [danke], als Linktext zwischen <a href...> und dem <ä> benutzt.

Suchen Sie mal bei Google nach "business interactive". Sie sehen, dass meine Site gefunden wird, _obwohl_ die Formulierung heute auf meiner Site nicht mehr vorkommt. Google bewertet also neben dem eigentlichen Seiteninhalt auch die in Linktexten gefundenen Formulierungen.

Wer die gleiche Suche bei Altavista wiederholt, findet mich nicht, _obwohl_ die Formulierung auf jeder meiner dort indizierten Seiten vorkommt.

Wenn bei Altavista, heute einer kuerzlich gesehenen Statistik zufolge auf Platz 12 der internationalen Suchmaschinen, der Strom abgestellt wird, ist nur eine Frage der Zeit.

4. Noch teurer

Yahoo war eines der ersten Verzeichnisse, das fuer die Begutachtung einer kommerziellen Site Bares verlangte. Wer nach dem 28.12.2001 ins amerikanische Hauptverzeichnis [Yahoo.com] eingetragen wurde und fuer die Begutachtung innerhalb von 7 Tagen bezahlte, muss sich einer jaehrlichen Neu-Begutachtung seiner Site unterwerfen. Auch diese muss bezahlt werden. Private Sites sind davon nicht betroffen, genau wie europaeische, bei denen die bezahlte Anmeldung noch Option ist.

Insider rechnen damit, dass andere Verzeichnisse schnell nachziehen.

Neu ist bei Yahoo! das bezahlte Listing [drei Stueck] vor und im Anschluss [zwei Stueck] an Suchergebnisse. In den USA werden diese von Overture [frueher Goto], in Europa von Espotting geliefert.

5. Noch genauer

Overture sollte besonders T-Online-Anwendern bekannt sein. Die von T-Online fuer T-Online-Kunden betriebene Suchmaschine, die auch bei unschuldigen Suchformulierungen gerne Porno-Ergebnisse liefert, hat eine weitere "Eigenart".

Bei vielen Suchanfragen befindet T-Online gerne, dass Overture die Site mit der groessten Relevanz ist.

Hier sind ein paar willkuerliche Suchanfragen und die auf dem ersten Platz gezeigten Ergebnisse. Fuer die Suche wurde "aus dem Internet" selektiert, d.h. die beiden auf Platz zwei und drei ausgegebenen T-Online-Seiten wurden unterdrueckt:

altavista			www.overture.de
fireball			www.overture.de
google				www.overture.de
katholische kirche		www.overture.de
katholischer puff		www.overture.de
fahrradklammer			www.overture.de
aufgefallen			www.overture.de
umgefallen			www.overture.de
t-online			www.overture.de
t-offline			www.overture.de
t-inline			www.overture.de
t-outline			www.overture.de
t-inbetween			nichts gefunden
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