AltaVista, Spam & Sperren.

1. AltaVista-Korrektur

Gelegentlich macht man Fehler. Wenn meine Berichterstattung ueber eine Suchmaschine nicht korrekt ist, habe ich in der Regel am Montag morgen eine aufklaerende email von einem Mitarbeiter der betroffenen Suchmaschine im Koerbchen, die in der Folge-Ausgabe dieses Newsletters zu entsprechender Berichtigung fuehrt.

Man lernt nie aus. AltaVista muss ueber meinen letzten Newsletter veraergert gewesen sein. AltaVista unterscheidet sich nicht nur technologisch von anderen Suchmaschinen. Beim Anruf durch einen Mitarbeiter der deutschen PR-Maschinerie AltaVistas [Vibrio] stand mehr als einmal die Androhung einer sofortigen Klage im Raum. Meine Berichterstattung ueber AltaVista war nicht in allen Punkten korrekt. Ich sehe mich - nach gruendlicher Recherche - dazu gezwungen, das in meinem letzten Newsletter ueber AltaVista Gesagte zurueckzunehmen und durch folgende Richtigstellungen zu ersetzen.

Da ich nicht in der Lage bin, wie AltaVista bzw das Mutterhaus CMGI, hunderte von Mio Dollar in den Sand zu setzen, liegt mir natuerlich nichts an einer gerichtlichen Auseinandersetzung [ich habe meine Knete selbst erarbeitet und nicht durch den Verkauf von Aktien einsammeln koennen]. Die Richtigstellung erfolgt aber vor allem, weil inkorrekte Informationen niemandem nuetzen.

Ich werde, solange ich AltaVista noch in meinem Newsletter erwaehne, stets auf Quellen verweisen. Die Formulierung, "solange ich AltaVista noch in meinem..." darf nicht so ausgelegt werden, als wuerde ich unterstellen, AltaVistas Zukunft sei fragwuerdig. Die Financial Times ist in dieser Beziehung sicher kompetenter als ich: "... Internet-Urgestein Altavista kaempft noch ums Ueberleben."

http://www.ftd.de/tm/it/FTDIUF11XIC.html?nv=rs

Vor einem Jahr war AltaVista auf Platz 12 aller "U.S. Top 50 Web and Digital Media Properties", sprich "Portale".

http://www.jmm.com/xp/jmm/press/2001/pr_021301.xml

Meine Aussage, AltaVista waere auf Platz 12 der internationalen Suchmaschinen, war daher falsch. Die Firma, die seit Jahren mit dem Slogan "The Search Company" wirbt

AltaVista Suche nach "the search company"

moechte nicht mit anderen Search Companies sondern mit "Portalen" gemessen werden.

Messen Sie mal selbst: die derzeitigen Media Metrix-Statistiken zeigen die globale [weltweite] Rangstellung wichtiger Portale, die zweite nur die inneramerikanische.

http://www.jmm.com/xp/jmm/press/globalTop50WebProperties.xml
http://www.jmm.com/xp/jmm/press/mediaMetrixTop50.xml

Mein Vorwurf, dass Seiten, die vor zwei Monaten auf meinem Server geloescht wurden, immer noch im AV-Datenbestand aufgefuehrt werden, stimmt ebenfalls nicht. Inzwischen liegt die Loeschung mehr als ein Vierteljahr zurueck:

AltaVista Suche nach meinen alten Seiten

Dabei ist meine Site, auf der am 9. Nov. nahezu alle alten Seiten geloescht wurden [eine Handvoll auf "se0??.html" lautende wurden, in ueberarbeiteter Form, beibehalten], kein Einzelfall. Eine mir nahestehende Domain ist seit dem 14. Nov 2001 nicht mehr konnektiert, aber trotzdem noch mit dutzenden von Seiten im AV-Index.

Ausnahmen bestaetigen die Regel: ich verzichte in diesem Fall auf Nennung einer Quelle und weise nur darauf hin, dass ich im Besitz einer datierten email des fuer die DNS-Verwaltung der betroffenen Site zustaendigen Providers bin, der darin die Loeschung des DNS-Eintrags bestaetigt.

Ich muss mich in einem weiteren Punkt korrigieren. Auch meine Vermutung, dass AVs Datenbank nicht aktualisiert wuerde, erweist sich bei genauer Untersuchung als nicht stichhaltig.

Wenn ich ueber die erweiterte Suche bei AV nach Dokumenten suche, die das Wort 'und' enthalten und diese Suche auf Dokumente aus den letzten 3 Monaten und auf Deutschland eingrenze, erhalte ich 5375 Fundstellen [20.2.2002]:

AltaVista Suche nach neuen Seiten mit und

Ich nehme an, dass es sich hierbei um Seiten handelt, die ein "Last Modified"-Datum innerhalb des vorgegebenen Zeitraums haben.

Dass die Deutschen keineswegs ein so schreibfaules Volk sind, wie das AltaVista-Ergebnis nahelegen koennte, belegt Fireball. Hier ergibt eine sinngemaess formulierte Suchanfrage ueber die Profi-Suche 5823571 Treffer [20.2.2002].

Eine gewisse Reife wird AltaVista-Daten mehrfach bescheinigt:

http://www.heise.de/newsticker/data/jo-28.11.01-001/
http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg=34&g=20011128jo001
http://www.pcworld.com/newsärticle/0,aid,59983,00.asp
http://www.searchenginewatch.com/sereportärticle.php/2167591
http://www.notess.com/search/stats/dead.shtml

In einer dynamischen Welt muss man flexibel sein. Strategische Richtungsaenderungen bei AltaVista duerfen daher nicht ueberraschen. Auch wie man diese durch die Inanspruchnahme von PR-Agenturen noch als positive Entscheidung verkauft, wird von AV vorexerziert.

Eine der Richtungsaenderungen verlangte, dass man als Portalbetreiber seinen "Kunden" email und auch den Internetzugang kostenlos - d.h. durch Bannerwerbung finanziert - stellt. In einer dynamischen Welt laeuft nichts reibungslos. In den USA war AltaVista "gezwungen, den Service einzustellen", weil der fuer die Implementierung zustaendige Vertragspartner 1stUp.com den Betrieb einstellte.

Dass die Schliessung auf Anordnung des Mutterhauses CMGI erfolgte, erfuhren enttaeuschte AltaVista-Anwender - Mutterhaus CMGI - erst durch die Presse.

http://www.zdnet.com/zdnn/stories/news/0,4586,2661218,00.html
http://news.com.com/2100-1023-249403.html?legacy=cnet

Auch in England versprach AltaVista den kostenlosen Internetanschluss und kassierte gar Vorschusslorbeeren aus No 10, Downing Street. Nach Monaten der Verzoegerungen, Hinhaltungen und Entschuldigungen kam letztendlich ans Tageslicht, dass das Angebot nicht realisiert werden konnte. Schuld daran sei British Telecom, so AltaVista. BT reagierte entsprechend sauer auf die Unterstellung eines Unternehmens, das weder Vorgespraeche gefuehrt geschweige denn einen Vertrag mit British Telecom hatte.

http://212.100.234.54/content/6/12755.html

Diese Woche kam die Entscheidung, auch den kostenlosen email-Dienst ersatzlos zu streichen.

http://dailynews.yahoo.com/h/ap/20020219/bs/altavista_e_mail_1.html

Personalabbau bei AltaVista ist daher ein regelmaessiges Ereignis:

http://www.ftd.de/ub/it/FTD972186093493.html?nv=rs
http://www.searchenginewatch.com/sereportärticle.php/2164201
http://212.100.234.54/contentärchive/14416.html
http://story.news.yahoo.com/news?tmpl=story&u=äp/20020220äp_on_hi_te/cmgi_ceo_resigns_1

In diesem Zusammenhang: die Dot.com-typische Unternehmenskultur war auch am naechsten Arbeitsplatz des gefeuerten UK-Bosses von AltaVista nicht erfolgreich:

http://212.100.234.54/contentärchive/17268.html

WebTop.com wurde inzwischen eingestellt.

Besonders wird AltaVistas Dilemma deutlich, wenn der Vertrauensverlust und das subsequente Abwandern der Anwender so formuliert wird:

http://212.100.234.54/content/1/14579.html

Dass Suchergebnisse nicht immer Suchergebnisse sind, legt die Seite, die AltaVistas "Trusted Feed"-Model erlaeutert, nahe. Ganz gleich wie Sie's auslegen: Entweder, AltaVistas Suchergebnisse sind fuer manche Suchbegriffe nicht mehr als verkaufte Positionen, oder man umschreibt das Pay-per-Click-Programm so undeutlich, dass der potentielle Kunde glauben kann, damit eine Suchmaschinenposition zu kaufen, in Wirklichkeit aber eine der Positionen in den den eigentlichen 10 Suchergebnissen vorangestellten Werbelistings, die meist von Overture stammen, ersteigert [die KAPITALISIERUNG im folgenden Auszug habe ich angebracht]:

"Partners can determine which pages are included in the database that powers AltaVista's web search, and they can specify detailed page information including titles, descriptions and keywords. THESE ELEMENTS ARE USED TO DETERMINE HOW THE PAGES ARE RANKED on the search result pages, as well as how the page listing appears. Pricing for the Trusted Feed program is based on a Cost Per Click (CPC) model."

http://www.altavista.com/sites/search/trustedfeed

Die Praxis der nicht eindeutig als Werbung identifizierten Plazierung von bezahlten Einblendungen, die von unerfahrenen Anwendern leicht mit "echten" Suchmaschinen-Ergebnissen verwechselt werden koennen - zumal diese vor den eigentlichen Suchergebnissen erscheinen - kommt ohnehin unter Druck. Die Eroeffnung einer jetzt eingeleiteten $US 440 Mio-Klage wegen Markenrechtsverletzung gegen Overture, AltaVista, Kanoodle und FindWhat wird von Beobachtern als moeglicher Wendepunkt der bezahlten Schummelwerbung gesehen.

www.siliconvalley.com/docs/news/depth/search013102.htm

Selbst das schweizer Portal Bluewin, langjaehriger AltaVista-Kunde fuer den Bluewin-Suchdienst, wechselte Ende Januar auf Inktomi.

http://www.bluewin.ch/

Vielleicht ist es die Kombination der hier - nur auszugsweise - aufgezaehlten Dinge, die AltaVistas Aufstieg immer wieder behindern. In der aktuellen von SearchEngineWatch durchgefuehrten Befragung von Suchmaschinenanwendern sprechen sich gerade 7% fuer AltaVista aus.

http://www.searchenginewatch.comäwardsärticle.php/2155891

Gestandene PR-Profis werden darauf hinweisen, dass diese Befragung nicht aussagefaehig ist, weil die Befragten sich aktiv fuer das Thema Suchmaschinen interessieren und daher nicht repraesentativ fuer den "typischen" Internet-Anwender sind.

Es trifft sich daher gut, dass Media-Metrix jetzt auch erstmals gesondert ausgewiesene Daten zur reinen Suchmaschinen-Nutzung veroeffentlicht. Bei dieser Untersuchung wird AltaVista nur noch von 5.7% der Anwender, die Suchmaschinen nutzen, besucht [die Untersuchung haelt nicht fest, wieviele Suchanfragen tatsaechlich stattfinden]. Erkennbar ist dort vielleicht gar, dass AltaVista im Beobachtungszeitraum [Okt/2001 bis Jan/2002] jeden Monat schneller abrutscht.

http://www.searchenginewatch.com/reportsärticle.php/2156431

An fuehrender Stelle gem. Media-Metrix liegen derzeit MSN gefolgt von Yahoo!. Profis wissen, dass Windows-Anwender [ab Version 6.0 des MSIE] bei z.B. in die Adresszeile eingetippten Suchanfragen, nicht resolvierenden DNS-Recherchen und anderen Fehlern stets auf MSN umlenkt. Und dass Yahoo! seit letztem Herbst aus genau diesem Grund ebenfalls einen Tool anbietet, der statt auf MSN auf Yahoo! umleitet. Die einzige in der Untersuchung genannte Suchmaschine, die ohne Anwender-Kidnapping auskommt und jeden Monat steigende Marktanteile verzeichnet: Google.

2. Spam-Bekaempfung

Spam-Aktivisten haben eine neue Waffe der Spam-Bekaempfung entdeckt. Diese Spam-Gegner suchen bei Overture routinemaessig nach Produkten fuer die Verbreitung von Spam, z.B. email-Software, Bulk-Mailer, Massen-emails, Internet-Marketing und andere Dinge, die Spamversender benoetigen - und klicken die ersten zehn oder zwanzig Links an, eine entsprechende Vermoegensumschichtung ausloesend. Bei amerikanischen Angeboten zahlen Firmen, die Schrott-Ware bei Overture anpreisen, inzwischen bis zu $4 pro Klick.

Waehrend die Verhaltensweise moralisch sicher gerechtfertigt ist, ist die bewusste Schaedigung, auch wenn diese nur als [praeventive] Verteidigungsmassnahme erfolgt, genauso strafbar, wie die Schaedigung von Millionen von Internet-Nutzern durch Spam-Versender. Nicht strafbar ist uebrigens die Entscheidung der politischen Organe z.B. der EU, nicht gegen Spam vorzugehen. Sie bestaetigt nur, was Edmund Burke schon vor 2 Jahrhunderten erkannte: dass Politiker selten ueber so viel Intellekt verfuegen, wie die Fuehrung eines Gemischtwarenladens voraussetzt.

3. Suchmaschinen-Sperren

Suchmaschinen sperren Domainnamen oder IP-Nummern normalerweise, um Spammer aus dem System zu halten. In den letzten vier Wochen habe ich jetzt mehrfach gehoert, dass ganze IP-Bereiche gesperrt wuerden, wenn Provider in einem Netzbereich Web Server under Windows betreiben.

Grund: viele Windows-Web Server sind permanent vireninfestiert, insbesondere durch Code Red und Nimda. Die Infestierung fuehrt dazu, dass die betroffenen Rechner ununterbrochen versuchen, andere Rechner zu infestieren. Dabei werden regelmaessig ganze Netzbereiche abgeklappert: an jeden Host, der auf Port 80 einen Web Server bietet, werden HTTP-Abrufe geschickt, die bei den Windows-Rechnern fast immer zur Infizierung fuehren [weil Patches nicht installiert werden].

Da diese Vorgehensweise nicht nur Windows-Rechner schaedigt, sondern auch bei Unix- und anderen Servern zumindest CPU, Bandbreite und Platz auf der Festplatte fuer den Protokolleintrag kostet, munkelt man, dass aus "erzieherischen Gruenden" Netzbereiche, in denen auch nur ein einziger Windows-Server festgestellt wird, vollstaendige Sperre erleben.

Ob's wahr ist, kann ich nicht sagen. Dass es wuenschenswert ist sieht jeder, der von Zeit zu Zeit einen Blick auf seine Protokolldateien wirft.

4. Suchmaschinen-News

Seit Ende Januar finden Sie mehrmals woechentlich aktuelle Nachrichten aus der Suchmaschinen-Welt auf meiner Site:

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