AltaVista-Update, Google ueber Suchmaschinen-Optimierung, Pannen & Kuriositaeten

1. Warum niemand bei Ihnen kaufen will

Ist Ihnen schonmal aufgefallen, dass niemand bei Ihnen kaufen will? Oder mit anderen Worten, dass - wenn Sie nicht gerade ein grosser Markenartikler sind - die Mehrzahl Ihrer Besucher nicht nach Ihrem Firmennamen in den Suchmaschinen sucht.

Sondern nach Problemloesungen. Wenn der Schuh drueckt, muss Abhilfe her. Woher, ist in den meisten Faellen egal. Wichtiger als der Firmenname ist daher die Erstellung von [optimierten] Seiten, die Problemloesungen beschreiben. Und zwar auf den ersten Blick.

Wer email-Newsletter und Foren beobachtet, stellt nach einer Weile fest, dass nahezu alle Diskussionen im Kreis verlaufen. Oder genauer gesagt, zyklisch wiederholt werden, auch wenn ein Thema in der Vergangenheit oft genug behandelt wurde.

Lesen strengt offenbar an - vor allem, wenn es auf dem Monitor erfolgt, so sagt uns die Ergonomie. Das geht soweit, dass bei Ebay an Fluechtigleser Verpackungen versteigert werden koennen, wenn Marke und Produktbezeichnung ein "Schnaeppchen" vermuten lassen.

Wer nur den Kopf schuettelt, verkennt die Problematik. Seiten, die nicht auf Anhieb erkennen lassen, was geboten wird, welches Problem geloest wird, haben offenbar nur geringe Chancen, zu verkaufen.

2. Mehr verkaufen

Nochmal in die gleiche Kerbe: Designer setzen auf geschliffene Praesentation. Farbe, Schrift, Leerraum und Grafik muessen stimmen, perfekter als alle anderen perfekten Seiten sein. Multimedialitaet ist das Zaubermittel, das Web-Auftraege bringt. Und Anwendernutzen reduziert.

Wie oft haben Sie heute eine Site aufgesucht, um 'was Schoenes zu sehen. Wie oft haben Sie diese Woche "gesurft", um sich an vollendeter Darstellung zu erbauen. Und wie oft fluchen Sie, weil Sie gerade das, was Sie wirklich brauchen, nicht finden. Entweder, weil man Ihnen Barrieren in den Weg stellt, oder weil Sie keine Lupe griffbereit haben.

Professionelle Site-Betreiber, die vom Verkauf [und nicht von Werbung] leben, wissen nicht nur, sondern koennen ganz genau nachzaehlen, dass man mit der Schriftgroesse die Umsaetze "einstellt". <FONT SIZE=1> ist ganz klein.

BEQUEMES Lesen ist naemlich wichtiger, als Bestaunen einer ausgeglichenen Praesentation. Erfahrene Anwender haben gelernt, das ein Unternehmen, dass schon beim Erstkontakt bevormundet, auch bei Produkteigenschaften, Lieferzeiten und Garantien eine ueberhebliche Haltung an den Tag legt. Lassen Sie den Anwender per Browsereinstellung entscheiden, wie gross eine Schrift sein darf. Sie DUERFEN Schriftart und auch vernuenftige Farben vorgeben. Die Groesse und die Lesbarkeit Ihrer Prosa sollten Sie dem Anwender ueberlassen. Es waere nicht das erste mal, dass Umsaetze allein durch Einstellung der Schriftgroesse "vergroessert" wurden.

3. AltaVista-Update

Leicht verspaetet fuehrte AltaVista ein Update durch, als die letzte Ausgabe dieser Postille verschickt wurde.

Neben einem recht drastischen Face-Lift zeigte das Update auf den ersten Blick eine aehnliche Ergebnis-Qualitaet, wie das vom August des Jahres.

Leider nur auf den ersten Blick. Waehrend Anwender, Newsletter- Schreiber und Foren-Diskutierer erstmals Verbesserungen melden, zeigt eine gruendliche Analyse der Ergebnisse, dass leider das Gegenteil der Fall war.

Unabsichtlich, nehme ich an. Ein groesses Problem der Branche basiert auf der fruehzeitigen Entscheidung, den Weltmarkt aufgabeln zu wollen. Wer Datenbanken mit Inhalten aus aller Herren Laender fuellt, ohne in jeder relevanten Abteilung ueber entsprechende Sprachkenntnisse zu verfuegen, riskiert die qualitative Integritaet der Chose. Ob ein Seiteninhalt zum Thema X tatsaechlich relevant ist, kann automatisch ohne teure semantische Analyse nicht ermittelt werden.

Wer zum Beispiel bei AltaVista nach

  aloevera kosmetik

sucht, hat seinen Bedarf recht genau definiert. Die Annahme, dass Interesse an Koerperpflege vorherrscht, ist gerechtfertigt. Die Unterstellung, der Suchende koenne durch Schaumschlaegerei zum Kauf eines Grundstuecks verleitet werden, ist Idiotie, Irrefuehrung des Auftraggebers, oder zu grosses Vertrauen auf den Seiteninhalt bei der Bewertung durch eine Suchmaschine.

4. Google ueber Suchmaschinen-Optimierung

Was auf den ersten Blick wie eine durchaus gerechtfertigte Checkliste fuer potentielle Interessenten an Suchmaschinen- Optimierung aussieht, sollte nicht ohne eine gewisse Skepsis gelesen werden.

Die Checkliste beschreibt, worauf Sie achten muessen, wenn Sie ein Unternehmen mit Suchmaschinen-Optimierung beauftragen [leider nur in englischer Sprache]:

Google ueber Suchmaschinen-Optimierung

Alles schoen und gut. Wir finden in der Liste vieles, was der gesunde Menschenverstand schon nahelegen sollte: Vorsicht bei Anbietern, die Sie aus dem Blauen heraus kontaktieren. Vorsicht, wenn der 1. Platz versprochen wird, und genauso Vorsicht, wenn man von Doorway-Seiten oder Wegwerfdomains, Free-for-all-Links oder der Anmeldung bei tausenden von Suchmaschinen redet; wenn ein Link von Ihrer Site auf die des Dienstleisters verlangt wird, wenn Sie pro Klick zahlen sollen, die optimierten Seiten auf einem vom Anbieter kontrollierten Host untergebracht werden usw.

Die Seite enthaelt einen Link auf einen Artikel beim US-Magazin Salon, der viele gar nicht so untypische und ein paar doch aussergewoehnliche Praktiken der oft unserioes operierenden Branche schildert.

Die Seite enthaelt aber auch ein paar "Perlen". So empfiehlt man potentiellen Interessenten z.B. die Frage nach der Zahl der festangestellten Mitarbeiter eines Unternehmens.

Der Salon-Artikel zeigt, wie absurd diese Frage ist. Das darin genannte Unternehmen verfuegte ueber fest Angestellte, eine Boersennotierung, das Backing eines Grossunternehmens und auf der Kundenliste die Perlen der US-Wirtschaft. Die nach Strich und Faden betrogen wurden, wie man feststellt.

Hinzukommt die Empfehlung, potentielle Anbieter zu fragen, ob sie einen Mitbewerber empfehlen. Klar - wie beim Autokauf. Sie sind bei Mercedes, der Verkaeufer schickt Sie zu BMW, wo man Ihnen einen Kaefer empfiehlt. Wie gut, dass Sie Ihren alten Wagen noch nicht verkauft haben.

Genauso unueberlegt ist die Empfehlung, vom Anbieter eine bedingungslose Geldzurueck-Garantie zu verlangen.

Die Kroenung ist die Frage, ob ein Anbieter jeden entdeckten Missbrauch an Google meldet. Bei einem in den Nachkriegsjahren in Deutschland Geborenem stoesst diese Forderung unangenehm auf. Davon abgesehen habe ich, wie die Kollegen, die ich respektiere, keine Zeit, Suchmaschinen die Arbeit abzunehmen. Zumal man in Newslettern und Foren immer wieder liest, dass entsprechende Bemuehungen erboster Anwender oft erfolglos sind.

Davon abgesehen werde ich mich hueten, Schreibstoff fuer meinen Newsletter zu eliminieren ;-)

Ich gebe zu, dass es schwierig IST, die Spreu vom Weizen zu trennen. Der Kunde hat in der Regel nicht die Qualifikation, die des Anbieters zu beurteilen. Klappt ja oft nicht mal bei der Beauftragung des "Web-Designers", obwohl HTML nun wirklich keine "Rocket Science" voraussetzt.

Aber wer das Web nur als Mittel zum Kundenfang sieht und nicht selbst benutzt, geschweige denn recherchieren kann, verdient vielleicht nichts anders.

In diesem Zusammenhang: Im Mai des Jahres machte RealNames zu. Dass RealNames hier nicht beliebt war, koennen Sie im Archiv des Newsletters nachlesen. Ich habe kuerzlich ein paar Jahrgaenge aelterer US-Newsletter analysiert. Dass RealNames eine aehnliche Beziehung zum Kunden hatte, wie die im o.e. Salon-Artikel genannte Firma, ging aus Newslettern und Foren bereits vor Jahren hervor. Aktive Web-Anwender fallen seltener herein.

5. Suchmaschinen-Pannen

Die Textsuche bei Hotbot [in Europa] ist immer noch kaputt. Reparieren kann man das als Anwender, wenn man alle '&' in der URL der leeren Ergebnisseite durch ein "&amp;" ersetzt.

Das ist umstaendlicher, als das Einfuegen eines '+' oder '%20' in URLs, wenn man im jetzt auf dem ODP basierenden Dino-Katalog blaettert und dort den nach jedem Eintrag gezeigten Link auf "[Verwandte Websites]" anklickt.

6. Verlustmacher appelliert an den Unterleib

Mit Anmerkungen wie "allmaehlich wirds peinlich. Muss Lycos denn wirklich in jedes Klo greifen, um ein paar Besucher anzulocken?" hat man mir eine Lycos-Pressemeldung "geforwarded":

> Online Umfrage auf www.lycos.de
> Stehen Frauen auf Sex ohne Liebe?
>
> Guetersloh/Hamburg, den 27. November 2002
> Was wollen Frauen wirklich? Die Frage bewegt nicht nur die
> Frauen selbst, sondern vor allem auch das y-Geschlecht: Die
> Maenner. In einer Onlineumfrage auf www.lycos.de wissen 500
> weibliche Internetnutzerinnen die Antwort: Frauen wollen Sex -
> und das moeglichst ohne einengenden Beziehungsstress.
>
> ...

7. Aus meinem Postkoerbchen

> Subject: webrank
>
> Ich moechte Ihnen nur mitteilen, dass ich wegen dem neuen
> Report gerade Freudentaenzchen vor meinem Rechner gemacht
> habe. ;)

8. Kuriositaeten

Lesen, bevor Sie nach "down under" [Australien] reisen: Australisches Slang Dictionary... Tip fuer sonstige Destinationen... Eine Technischepanne.

Dann haben wir noch Praxis Tips fuer Webmaster, fuer gestresste Texter.

9. Neu oder Aktualisiert auf der Suchmaschinen-Site:

a) oeffentlicher Bereich:

Der perfekte Brueckenseiten-Generator, Benutzung bis Jahresende kostenlos.

b) Kundenbereich

Verzeichnisse und Spezialverzeichnisse, die von Suchmaschinen ausgewertet werden.

ODP-Aktualisierung.

Neue Linkpop-Zahlen fuer Google, AltaVista, AllTheWeb und Inktomi.

Wieviele Woerter tippen Suchende in den Schlitz: Zahlen einer internationalen Suchmaschine fuer deutsch- und englischsprachige Anfragen Okt. 2002.

10. Winterschlaf

In etwa 10 Tagen geht's, wie jedes Jahr, in den Winterschlaf. Bis zur ersten Woche im Januar wird nur gelegentlich nach dem Rechten gesehen. Der naechste Newsletter im neuen Jahr erscheint Mitte Januar.

Ich wuensche Ihnen fuer die Feiertage alles, was Sie verdient haben.

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