IT-Nachhilfe & das semantische Web

1. Richtigstellung[en]

Der Januar war kein guter Monat. Durch eine Panne wurde beim letzten Newsletterversand die Signature am Ende des Newsletters nicht mitverschickt. Ich hole den versaeumten Gruss deshalb hiermit nach.

Beim Kopieren einiger URLs am Schluss des Newsletters vergass ich, is.kso.co.uk [mein Entwicklungsserver] gegen www.kso.co.uk auszutauschen. Auf den Entwicklungsserver kann - aus gutem Grund - niemand zugreifen.

Auch ich nicht, zumindest eine Woche spaeter, als meine Domain kso.co.uk durch eine aergerliche Verkettung von eigentlich nicht denkbaren Ereignissen ein ewiges Wochenende lang eine Art Schwebezustand [detagged] einnahm.

2. IT-Nachhilfe

Entwicklung ist keine Zeiterscheinung der Gegenwart. Neu ist nur das Tempo, mit dem viele Entwicklungen verlaufen, weil wir heute erstmalig in der Lage sind, die gestrige Loesung vollends zu ihrer weiteren Verbesserung zu nutzen, soll heissen, schnellere Chips und [nicht immer] bessere Software sind die ersten Tools, die zur Weiterentwicklung der Tools selbst eingesetzt werden koennen.

Die Menschheit wird dabei vor Probleme gestellt. Kleine Gruppen sind fast immer in der Lage, schnell zu reagieren, Innovation weiterzutreiben. Grosse werden schwerfaelliger als je zuvor. Dabei entstehen allerdings Sub-Kulturen, die der Bevoelkerung vorauseilen - und sich damit von ihr distanzieren.

Uebernahme neuer Technologien durch breite Bevoelkerungskreise erfolgt immer schleppend - "Umpf... schon wieder 'was lernen" - und erzeugt Spannungen. Interessenkonflikte [oder auch unverholene Eigeninteressen], steuern anfaenglich wertneutrale Entwicklungen und fuehren zu allmaehlicher Integration, die sich aber nur selten an den ursaechlichen Zielen orientiert und bei der die Mehrheit der ausserhalb der "Sub-Kulturen" Angesiedelten nicht mehr die Moeglichkeit hat, mitzusteuern, sondern den Interessen einiger "Vermittler" - auf Gedeih und Verderb - ausgeliefert ist.

Interessant ist, wie weit die Distanz zwischen Sub-Kulturen und "breiten Bevoelkerungskreisen" heute ist.

Ein Unternehmen, das intellektuelle Rechte im Auftrag zahlender Kunden verteidigt, wurde soeben erwischt, solche der Konkurrenz zu ignorieren:

http://biz.yahoo.com/prnews/030206/nyth091_1.html

Die groesste Gruppe der Taeter finden wir oben. Mehr als 50% aller Betrugsfaelle, bei denen Unternehmen geschaedigt werden, gehen auf das Konto "Management", wobei 85% der Taeter weniger als ein Jahr ueber neue Rechte, neue Freiheiten und Befugnisse verfuegen.

http://www.sky.com/skynews/article/0,,30100-12239291,00.html

Ob solche Leute ein anderes Verhaeltnis zu ihrem Arbeitgeber als zu den Kunden des Unternehmens haben, wage ich zu bezweifeln.

Vielleicht sollten wir zukuenftig davon ausgehen, dass wir uns auf niemand mehr verlassen koennen. Beteuerungen und Produkt- Eigenschaften muessen heute genauso wie Bonitaetsaussagen [Enron], Aufsichtsorgane [Bushs Adhoc-Behoerde zur Saeuberung des Finanz- wesens musste innerhalb weniger Wochen auf 3 Top-Leute verzichten, weil "Vergangenheit" entdeckt wurde], oder sonstige Behauptungen angezweifelt werden.

Erfolgreiche Anwendung jeder neuen Technologie hinkt dieser, so las ich kuerzlich, um eine in Lernschritten gemessene Distanz hinterher.

Soll heissen, es reicht schon lange nicht mehr, eine Technologie "nur" zu kaufen und sofortigen [oder auch spaeteren] rentablen Einsatz zu erwarten. Zu oft wird heute die Erfahrung gemacht, dass man auf das falsche, z.B. ein trojanisches, Pferd gesetzt hat, weil man zugrundeliegende technische Vorgaenge nicht kennt [oder versteht] und nie auf den Trichter kaeme, sich damit genauer auseinanderzusetzen. Wer heute ueber Hexenverbrennungen den Kopf schuettelt, sollte vielleicht sein Einkaufsverhalten ueberdenken.

Denn so, wie man inzwischen wissen sollte, dass eine Kravatte heute eher Warnzeichen statt Ausdruck von Serioesitaet ist...

Serioes oder Unserioes?[1]
Serioes oder Unserioes?.

[1] http://www.cl.cam.ac.uk/~mgk25/stallman-patents.html

... so sollte man die Qualitaet recherchierter Information nicht an Praesentationsaufwand messen. Es mag erstaunen, aber die wirklich wichtigsten Dokumente auf dem Web werden auch heute noch denkbar schlicht gehalten.

Was "geschliffen" wirkt, wurde oft auch gefeilt und gebogen. Jede einzelne Effekttechnologie wurde durch nicht an der urspruenglichen Konzeption des Webs Beteiligte im Nachhinein aufgestuelpt. Die dabei verfolgten Absichten sollten eigentlich klar sein.

Wer einen Web Server, Hoster, Shop-Software, HTML-Editor, eine Datenbank fuer dynamische Inhalte oder Software fuer individuelle Applikationen auf dem Web benoetigt, sollte sich lange, bevor eine Praesentation ueberhaupt in Erwaegung gezogen wird, erst unabhaengig ueber den Anbieter informieren. Und damit meine ich vor allem, was andere ueber den Anbieter sagen, nicht was dessen Marketing-Akrobaten bewaffnet mit US-Speak-Lexikon und Synonym- Woerterbuch aus der Konserve texten. Ein paar Anhaltspunkte:

Google WebQuotes[1]
Google Groups.

[1] http://labs.google.com/

Denn Anbieter gehen schonmal grosszuegig mit der Wahrheit um. Vor allem, wenn es um Konkurrenz-Produkte geht, auch wenn es noch nicht lange her ist, dass das Unternehmen ob indentischer Verhaltensweisen vor den Kadi kam:

http://people.opera.com/howcome/2003/2/msn/

Ich glaube nicht, dass man sich dreister, oder herausfordernder, verhalten koennte. Oder liegt es daran, dass Aufsichtsorganen, zivilen und auch militaerischen Behoerden laengst jeder Durchblick fehlt:

http://www.theregister.co.uk/content/55/29026.html
Intern.de.

Mitnichten, koennte man annehmen. Es scheint einfach alles egal zu sein. Es bleibt wenigstens ein warmes Gefuehl, wenn wir jetzt nicht nur wissen, sondern ueber jeden Zweifel erhabene Belege dafuer haben, dass die Argumentationskette fuer einen Krieg gegen den Irak _keineswegs__frei__erfunden_ ist, wie Kriegsgegner immer behaupten.

Das "fine Paper" [ausfuehrliche Dokumentation] der britischen Regierung wurde, inklusive Vertipper, von einer Dissertation eines US-Studenten von den Leuten kopiert, die u.a. den Informationsfluss genauer kontrollieren und Urheberrechte an digitalen Produkten besser schuetzen wollen:

http://www.taipeitimes.com/News/frontärchives/2003/02/08/193768

3. Das semantische Web

Als Patentloesung fuer alle heutigen Probleme wird immer oefters das sog. "semantische Web" erwaehnt. XML und darum angesiedelte Technologien sollen in gar nicht allzu langer Zukunft helfen, Inhalte [oder besser: Daten] genau zu definieren, so dass erstmals nahtlose Datenverarbeitung nicht nur zwischen Web-Server und Anwendern, sondern allen nur denkbaren Geraeten, ermoeglicht wird.

Die Moeglichkeiten sind in der Tat phantastisch. Produktivitaet wird erstmals nicht um Prozentpunkte, sondern um Groessenordnungen steigen [wenn die Technologie nicht so anfaeelig wie Software von Microsoft wird]. Wer das Konzept durchdenkt, sieht nur Vorteile, mehr freie Zeit fuer Anwender und entweder reduzierte Kosten fuer die Gesellschaft oder groessere Margen fuer Unternehmen, die auf Innovation und Technologie setzen. Konsequente Implementierung erlaubt gar beides.

Die Sache hat nur einen winzig kleinen Haken. Zuverlaessigkeit setzt naemlich verlaessliche Information voraus. Ob Ihr Toaster einen Befehl von Ihrem Handy oder Ihrem Staubsauger erhaelt, wird nicht unbedingt weltbewegende Folgen haben. Ob Ihre Operation in einer angesehenen Klinik oder durch einem Metzger erfolgt, kann allerdings Ihre Urlaubsplaene beeinflussen.

Denn erfolgreicher Einsatz bedingt, dass jede Entscheidung und Handlung, die an Technologie delegiert wird, auf absolut korrekter Information basiert.

Waehrend wir heute zwar belegen koennen, wer wir sind, und auch elektronische Zertifikate haben, die belegen, dass eine per SSL abgewickelte Zahlung tatsaechlich an den beabsichtigten Empfaenger und nicht irgendwelche nigerianischen Ex-Politiker geht, gibt es heute und auch in der Zukunft keine Technologie, die beweist und garantiert, dass das, was jemand sagt, die Wahrheit, nichts als die Wahrheit und die reine Wahrheit ist, heute und in der Zukunft.

Da es heute keine Person und keine einzige Institution gibt, die universell so respektiert wird, dass man ihr in jedem Fall und ausschliesslich nur die Wahrheit sagt, sollten wir davon ausgehen, dass man sich Geraeten gegenueber kaum besser verhalten wird.

Das semantische Web braucht also zusaetzliche Kontrolle. Eine, bei der die Oeffentlichkeit "mitreden", Referenzen erteilen kann. Nur wenn eine ausreichend grosse Zahl solcher Referenzen existiert, koennte man eine gewisse - aber nie absolute - Glaubwuerdigkeit annehmen. Kommt mir bekannt vor.

4. Kuriositaeten

Wollen Sie schneller "surfen"? Hier koennen Sie das ganze Internet "downloaden"[1] [Benoetigt JavaScript]... Das schwaebische Web und das Gleiche auf saechsisch... Ungeheuerlich: "Wer lesen kann, ist klar im Vorteil"... und abschliessend: potentielle Kriegsfolgen.

[1] http://www.onzin.nl/internetdownload/index.htm

5. Neu oder Aktualisiert auf der Suchmaschinen-Site:

a) oeffentlicher Bereich:

Der "Suchmaschinen-Experte" wurde fertig und ist nicht mehr in "Beta". Er hatte tatsaechlich mehrere Bugs und die Konfiguration wurde fast jeden Tag erweitert.

Der interaktive Suchmaschinen-Experte.

b) Kundenbereich

Februar-Werte fuer die Statistik, die jeden Monat zeigt, wie gross der Nutzen der Linkpopularitaet bei Google, AllTheWeb, AltaVista und Inktomi ist.

Aktualisierte Google-Seite bzgl Umlaut-Behandlung.

Die 80:20-Regel auf die Spitze getrieben. Blogs [oder Web-Logs] sind ein vergleichsweise neues Phaenomen auf dem Web. Eine Analyse zeigt, warum eine Handvoll aller nahezu zeitgleich entstandenen Blogs mehr als den Loewenanteil aller Links auf sich vereinigt, waehrend der Rest jeden Tag weiter hinterherhinkt. Gilt natuerlich nicht nur fuer Blogs.

Auswirkungen regelmaessiger Seitenaktualisierung auf das Ranking anhand konkreter Beispiele.

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