Google, Lektion von der Front, Suchmaschinen-Eintrag vereinfacht...

Kann man Google so einfach kopieren?

Eine interessante Story machte im Februar die Runde: Google ist, glaubt man der britischen Firma Interbrand, die weltweit fuehrende Marke. So glaubwuerdig ist diese Behauptung leider nicht: die Umfrage, die zu der Aussage verleitet, erfolgte online. Befragt wurden 1.315 Anwender, was gestandene Empiriker dazu verleiten wird, den Zeigefinger an die Stirn zu fuehren. Und die Seite, auf der man das "Ergebnis" veroeffentlicht, ist ein einziger Sch****: Interbrand kommt offenbar nicht ohne Spamming aus, wie ein Blick auf den Quellcode oder ein verblueffter aelterer Browser, der mit der CSS-Vorgabe

  style="display:none"

nichts anzufangen weiss, belegt:

http://www.interbrand.co.uk/start1.asp?id=143

Trotzdem enthaelt auch diese Story ein interessantes Koernchen an Wahrheit. Dass Google eine der bedeutendsten Netz-Destinationen ist, will niemand bestreiten, auch wenn die obige Untersuchung aufgrund der Einschraenkung auf Netz-Anwender und die viel zu geringe Zahl der Befragten bestenfalls zweifelhaft ist. Wenn wir die Aussage so einschraenken, dass wir die durchaus berechtigte Annahme treffen, Google sei die bekannteste Marke unter Internet- Anwendern - und das ist keine Kleinigkeit - sollte uns vor allem interessieren, wie Google dies in ein paar Jahren geschafft hat. Zumal die Mitbewerber, als Google das Tageslicht erblickte, so etabliert wie hochnaesig waren.

Dass Googles Startseite auf einen Daumennagel passt, wissen wir.

Mit gerade 2668 Bytes [Google.com, 18.3.2003] ist sie nicht nur _wesentlich_ kompakter, als die der Mitbewerber. Der HTTP-Header erlaubt darueberhinaus auch die Speicherung im Cache des Browsers, so dass Vor- und Zurueckblaettern waehrend einer "Sitzung" ohne zeitverschwenderisches Neuladen jeder Seite moeglich ist. Zum Vergleich:

             Bytes  Verhinderung des Browsercache gem. HTTP-Header
 
AllTheWeb:    4660  Cache-Control: max-age=0, private
AltaVista:   10095  Cache-Control: no-cache,no-store,max-age=0
Yahoo.de:    30805  Expires: [aktuelle Uhrzeit]
HotBot.de:   31482  Cache-Control: max-age=0
Fireball:    33291  KEINE Verhinderung
Lycos:       33670  Cache-Control: max-age=0
Dino-Online: 41633  KEINE Verhinderung [NUR Startseite]
Web.de:      46658  Cache-control: no-store,max-age=0 usw...

Wichtiger als aus technischer Sicht anwenderfreundliche Gestaltung der Google-Seiten ist, dass im Vergleich zu bekannten Marken wie Apple, Coca Cola, Ikea, Microsoft, MSN, Nokia, Starbucks und vielen anderen, die Firma Google _keine_ Werbung in Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften schaltet [ich habe mal gehoert, dass Google Bannerwerbung in den USA geschaltet haben soll, habe aber nie eins gesehen]. Werbung fuer Lycos und Yahoo habe ich beim Fernsehen dulden muessen, Fireball-Werbung ist mir aus der Vergangenheit aus mir ins Haus geflatterten Fach-Zeitschriften bekannt. Und dass nahezu 100 Jahre alte Marken wie Coca Cola schonmal werben, ist nichts Neues.

Wie kommt es dann, dass ein Unternehmen mit einer extrem schlichten Startseite, ohne Flash und ohne Animationen, ohne Frames und ohne PopUps, ohne lauthalse "wir ueber unsere Einbildung"-Darstellung und ohne Tricks nicht nur bei Anwendern, sondern auch den Medien, die sich eigentlich neutral und [theoretisch auch qualifiziert] mit der Materie auseinandersetzen sollten, nur Zustimmung findet.

Es duerfte nicht besondern schwerfallen, zu erkennen, dass bei Google nur eins im Vordergrund steht: der Anwender-Nutzen. Als habe man erkannt, dass das Geld quasi von alleine kommt, solange man zufriedene Anwender hat, die von selbst und immer wieder kommen. Die weder durch regelmaessige email-Belaestigungen noch durch Fenster, die man nicht loswird, genervt werden muessen. Denen man erlaubt, sich auf das ursaechliche Ziel des Besuchs - meistens die Recherche - zu konzentrieren, statt ihnen Dinge unter die Nase zu halten, die den Arbeitsablauf verzoegern oder gar verdraengen.

Diese Haltung ist, werden Sie eingestehen, recht eigenartig, fast schon antiquiert, wenn man sieht, wie sehr sich Mitbewerber und Site-Betreiber fast aller Gattungen einen Kehrricht um Anwender und ihre Beduerfnisse scheren. Anwender sind in der Regel nicht mehr, als potentielle Deckungsbeitraege. Und je haerter man quetscht, desto mehr laesst sich herauspressen, sollte man meinen. Oder ist es moeglich, dass Anwender durch geschickten Umgang mit der Maus gelernt haben, sich nicht gaengeln zu lassen?

Google ist ein Paradebeispiel nicht nur fuer Mitbewerber, sondern jeden Site-Betreiber, der den Erfolg kopieren will. Ohne 100 Jahre lang Werbung treiben zu muessen. Ohne die Blamage fallender Kapitalisierung. Ohne kritische Medienberichte, weil selbst Fach- Medien klaffende Luecken zwischen Hype und Realitaet erkennen. Ohne zynische Diskussionen in Foren und email-Newslettern. Und, weil innovative Problem-Loesungen wichtiger sind als Versprechungen. Nachahmenswert.

Lektion von der Front

Auch wenn die Welt-Oeffentlichkeit sich daran gewoehnt hat, von Politikern und ihren Lakaien fast nur noch heisse Luft zu erwarten, auch wenn im Alltag kein Hahn danach kraeht, weil sich Parteien nur um Schattierungen und nicht mehr durch Welten unterscheiden, und auch wenn man es heute achselzuckend hinnimmt, von Wirtschaft und Industrie meist genauso behandelt zu werden, ahnen Politiker und ihre Ratgeber allmaehlich nicht nur, dass man die oeffentliche Meinung verschaetzt hat.

Sondern erstmals, dass die Oeffentlichkeit sehr wohl in der Lage ist, zwischen Realitaet und heisser Luft zu unterscheiden. Dass verspielte Glaubwuerdigkeit nur einmal verspielt werden kann. Und wenns reicht, dann reicht es so sehr, dass man auf die Strasse geht.

Diese Lektion sollte nicht nur politisch Taetige interessieren. Nicht nur Unternehmen, die in die arabischen Laender exportieren wollen. Sondern vielleicht jeden von uns, der ueber das naechste Quartal hinausdenkt?

Was will Google denn mit Blogs?

Mitte Februar ueberraschte Google die Web-Welt durch den Kauf der Firma Pyra, verantwortlich fuer die fuehrenden Blogs [Web-Logs].

Der offizielle Grund fuer die Uebernahme ist die Einblendung von thematisch relevanter Werbung in die Blogs, die flugs realisiert wurde. Das kann man schlucken.

Man kann sich allerdings auch Gedanken machen, ob Google hier nicht, wie so oft, sehr viel weiter denkt. Die Online-Praesenzen der Medien haben es bisher nicht geschafft, ein praktikables "Business Modell" auf die Beine zu stellen. Soll heissen, die Chose rentiert sich nicht. Um Werbetreibende durch "bessere demografische Daten" ueber die Besucher einer Medien-Site zu vermehrten Anstrengungen zu bewegen, werden mehr und mehr Seiten nur nach Registrierungspflicht preisgegeben. Dazu fuehrend, dass selbst die Medien eingestehen:

"Wir haben [in unserem Datenbestand] eine verdaechtig grosse Zahl von 98 Jahre alten albanischen Millionaers-Grossmuettern mit einem Hotmail-Konto, die mehr als 200 Computer besitzen, einem Technik- Unternehmen vorstehen und daran interessiert sind, unsere Zeitung zu lesen."

http://www.intern.de/news/4118.html

Dass Medien zusaetzlich direkte Verlinkung vermehrt ablehnen und deshalb gar Prozesse anzetteln, ist bekannt. Nicht so bekannt ist, auch nicht bei den Site-Verantwortlichen, dass diese Abschottung zu reduzierter Praesenz und reduzierten Seiten-Aufrufen fuehrt. Und damit zu reduziertem Umsatz.

Darueberhinaus sind Medien-Sites so unbeholfen konstruiert, dass ohne JavaScript kaum etwas funktioniert, und wenn's aktiviert ist, dass man endlosen Verzoegerungen durch Werbung im Tapeten-Format ausgeliefert ist. Im Gegensatz zu Print-Medien, wo man Inserate straflos ueberblaettern darf, werden Online-Leser gezwungen, sich Zeit - die nur einmal ausgegeben werden kann - stehlen zu lassen.

Wer die Szene beobachtet, koennte zum Schluss kommen, dass der einzige "Mehrwert", den Online-Medien im Vergleich zu Blogs haben, die Zeitverschwendung ist. Qualifiziertere Berichterstattung mag es - vielleicht - bei sehr speziellen Fachmedien oder denen geben, die ueber das Tagesgeschehen berichten. In der Regel darf man aber davon ausgehen, dass aktiv gepflegte Blogs von Leuten betrieben werden, die ein ursaechliches Interesse an der Thematik und wegen ihrer Qualifikation eine ebenso interessierte Leserschaft haben, waehrend Online-Praesenzen der Medien vor allem an der Zahl der Seitenaufrufe interessiert sind.

Oder, um es deutlicher zu formulieren: Blogger sind die Googles der Reportage. Waehrend Sites traditioneller Medien, die ihre Besucher ohne Irritierung und ohne die Zeitverschwendung informieren.

Wann Google die News-Suche um eine Blog-Suche erweitert [oder gar durch eine abloest] ist natuerlich nicht bekannt. Bestimmt aber nur eine Frage der Zeit.

Kuriositaeten

Massenvernichtungswaffen nicht gefunden... zu allem Uebel kommt jetzt auch noch die Drogensteuer. Und Experten sind sich einig darueber, wie es Bin Laden heute geht.

Interessante Erpressungs-Masche. Naiver Windows-Anwender besucht Web-Site. Server schiebt durch Ausnutzung von JavaScript und ActiveX unerwuenschte Dateien auf Anwender-Rechner und fordert die email- Adresse des Anwenders ab. Server-Betreiber schickt dem Anwender dann eine Aufforderung, $US x.xx zu zahlen, andernfalls man diverse Behoerden informieren will:

http://www.csoonline.com/read/020103/undercover.html

Wieder mal gehext? In typischer Witch-Manier wird ein Clone des ODP gehostet, wobei man die Sache aber arg verstuemmelt. Im ersten Monat fehlte der Hinweis darauf, wie man Editor wird. Das Versaeumte nachgeholt, fehlen immer noch Hinweise auf die tatsaechlichen Editoren. Und Kategorien und noch mehr Aktualitaet [mit dem Domainnamen habe ich offenbar Probleme ;-)].

http://www.snitch.de/

6. Neu oder aktualisiert auf der Suchmaschinen-Site:

In den letzten Wochen habe ich alle "Check-" Programme, wenn sie aus dem Kundenbereich aufgerufen werden, so ueberarbeitet, dass systematische Pruefung und Anpassung von Seiten - zumindest was die Tools angeht - jetzt durch sequentielles Klicken erledigt werden kann. Bedanke mich fuer die Anregung aus dem Kundenkreis. Anpassen muessen Sie Ihre Seiten nach wie vor selbst.

Darueberhinaus habe ich kuerzlich einen "Style Sheet Editor" installiert, mit dem Sie die Schriftart und Groesse meiner Seiten dem persoenlichen Geschmack und Ihren Lese-Anforderungen anpassen koennen. Setzt voraus, dass Ihr Browser Cookies durchlaesst:

Style Sheet Editor

Und vor gut einer Woche habe ich einen "Blog" eingerichtet, der ggfls Dinge enthaelt, die keinen eigenen Artikel in der Rubrik News rechtfertigen [weil sie nicht unbedingt relevant in Sachen Optimierung aber trotzdem interessant sind]:

Suchmaschinen Weblog

Suchmaschinen-News:

Das ODP erstellt wieder RDF Dumps, Google nicht gefunden, recht hartnaeckiger Heinrich der Kampfbot, Sie werden es nicht glauben, aber Overture wirbt bei Google. Und nach laengerer Pause wurde das Google-Verzeichnis aktualisiert.

Kunden-Bereich:

Abgesehen von den verbesserten Programmen habe ich jetzt endlich eine Seite installiert, die alle Veraenderungen festhaelt. Eine neue und eine Handvoll ueberarbeiteter Seiten [sowie eine meine Spider betreffende Nachricht] werden heute dort aufgezaehlt.

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