Die Suchmaschine Hotbot.de hat, nach AltaVista und zuletzt Fireball, jetzt ebenfalls abgespeckt und folgt damit - auch wenn mit ein paar Jahren Verspaetung - dem von Google eingeleiteten Trend der sparsamen Praesentation.
Sparsamkeit ist keine neue Tugend. Wer das Web jeden Tag selbst nutzt und den Browser nicht nur einsetzt, um auf der eigenen Platte gespeicherte Kreationen zu bewundern oder so staunenden wie ahnungslosen Klienten vorzufuehren, weiss aus Erfahrung, dass es _laenger_ dauert, wenn eine Datei erst ueber den Draht beschafft werden muss. Der schnellste Rechner hilft ueberhaupt nichts, wenn die Netzleitung klemmt oder Paeckchen ueber den Atlantik geroutet werden muessen.
Dass niemand gerne wartet, _sollte_ eigentlich bekannt sein. Wir leben im Zeitalter der Sofortgratifikation. Niemand ist heute bereit, auf irgendetwas, oder jemand zu warten.
Weil Google als erste [und viele Jahre einzige] Suchmaschine Ergebnisse schneller als jeder Mitbewerber lieferte, konnte Google der damals noch grossen Masse der Uebergewichtigen so weit vorauseilen, dass man davon ausgehen kann, dass Google bei fast allen wichtigen Praesenzen fuer mindestens 85% aller Besucher, die ueber eine Suchmaschine kommen, verantwortlich ist.
Und ich wage zu behaupten, dass die Qualitaet der Suchergebnisse hierbei nur eine sekundaere Rolle spielt. Oder glaubt jemand angesichts des immer noch vergleichsweise hohen Anteils der reinen Einwort-Suchanfragen, dass jemand, der beispielsweise "online" oder "kostenlos" eingibt, die Relevanz der erhaltenen Ergebnisse auch nur in Erwaegung zieht?
Im englischen nennt man das, was die Suchmaschinen alles liefern, _bevor_ man ueberhaupt den Suchschlitz findet, Bloat. Auf deutsch koennte man aufgeblaeht sagen. Diese Blaehungen sollen den Suchmaschinen helfen, Besucher auf der Site zu halten, auch wenn man dabei so verwirrt, dass der Anwender vergisst, was er dort eigentlich wollte. Entscheidend sind schliesslich heute erzielte Klicks - und nicht potentielle Wiederholungsbesuche.
Bloat gibt es nicht nur bei Suchmaschinen. Im Gegensatz zum Bloat der Suchmaschinen, den man vermeiden kann, indem man eine andere URL fuer die Suche heranzieht, kostet die Vermeidung von Blaehungen auf dem Desktop erheblich groesseren Aufwand. Das ist [wahrscheinlich] der Grund, warum vergleichsweise wenige Anwender ein Bloat-freies Betriebssystem nutzen. Und, schlimmer noch, auch ehemals flotte Systeme beim Buhlen um die Gunst der Anwender heute auf Bloat setzen.
Weil ich, nachdem mein Setter mehrere Monate krank war, gerne ein Auge auf ihn halte, arbeite ich jetzt meist im Esszimmer am Laptop. Ohne Netzanbindung ist das natuerlich kein Dauerzustand.
Da ich andererseits nicht weiss, ob neue Treiber sich mit der mehrere Jahre alten Linux-Installation auf dem Laptop vertragen, und ich vor dem potentiellen Zeitverlust einer Neuinstallation bei evtl Kompatibilitaetsproblemen zurueckscheute, habe ich mir einen zweiten [reconditioned] Laptop zugelegt, nur um den sich sehr widersprechenden Anwender-Meldungen in Sachen Drahtlos und Linux auf den Grund zu gehen.
Vorweg. Drahtlos unter Linux funktioniert - fast auf Anhieb - zumindest mit dem von mir gekauften Kit von Netgear ueber zwei Stockwerke hinweg und trotz Granitbau [Redhat 9, Kernel 2.4] so zuverlaessig wie Kabel. Wifi-Sicherheit ist andererseits nahezu null:
http://www.isaac.cs.berkeley.edu/isaac/wep-faq.html
WEP
Sicherheit
WEP Sicherheit
weil der Standard ein paar riesige Loecher aufweist. Ohne SSH kann also jeder, der sich etwas Muehe gibt, aufzeichnen, was durch die Luft geht und sich Ihre Daten aneignen.
Zurueck zum Thema Bloat:
Einen regelrechten Kultur-Schock, von dem ich mich erst nach und nach erhole, erlebte ich nach der Redhat-Installation. Was in den einschlaegigen Fachorganen als "elegant" und beeindruckend geschildert wird, ist nicht mehr, als ein Clone der typischen Windows-Oberflaeche mit allen ihren Schwaechen und Tuecken. Was ich hier anhand meiner Redhat-Erfahrungen schildere, trifft auf alle Mitbewerber zu, ganz gleich, ob Gnome oder KDE [jetzt setzt es boese Briefe] als Oberflaeche waehle.
Im Kampf um Marktanteile auf dem Desktop vergessen die grossen Linux-Distributoren offenbar ihren Ursprung, und damit ihre Daseinsberechtigung. Denn Linux wurde, wie Unix drei Jahrzehnte zuvor, vor allem populaer, weil es zuverlaessig und _effizient_ war. Wenn ich einen PC zur Schreib- und Rechenmaschine degradiere, benoetige ich kein Betriebssystem.
Erkennbar wird der Bloat besonders, wenn man alte Hardware fuer eine neue Installation strapaziert. Ein gewisser Herr Gates soll mal gesagt haben, dass 640 Kb Arbeitsspeicher voellig und auch zukuenftig ausreichen. Mein Test-Laptop mit 96 Mb sollte daher bei der beabsichtigen Nutzung - Schreiben, Browsen, Mail lesen und beantworten und Software entwickeln - eigentlich nicht als unterdimensioniert gelten.
Bis man versucht, die typischen Gnome- oder KDE-Anwendungen zu laden, von Open- oder Star-Office ganz zu schweigen. Wer nicht zum Kettenraucher oder Kaffee-Junkie verkommen will, lernt das Daeumchendrehen.
Wie so oft, bietet Google auch hier Abhilfe. Ueber die Suchanfrage
window managers linux
findet man eine recht unuebersichtliche Zahl der Alternativen.
Manche zeichnen sich durch zusaetzliche Funktionalitaet aus. Andere bestechen durch Multimedia-Effekte und koennen dazu fuehren, dass man den ganzen Tag abgelenkt wird. Nach ein paar Experimenten habe ich mich fuer Blackbox entschieden, meiner unmassgeblichen Meinung nach ein Window-Manager, der wie kein zweiter Effizienz und Eleganz in einem [Open Source] Produkt vereint.
Blackbox sieht aufgeraeumter [und trotzdem einladend] aus, als jeder Schreibtisch. Weil abgesehen von einem minimalen und in Normaleinstellung versteckten Taskbar kein "Clutter" sichtbar ist. Kein einziger Icon, keine Hieroglyphen, keine Sprechblasen, die einen nerven. Da bleibt nichts anderes uebrig, als produktiv zu werden.
Blackbox untermalt, was heute immer mehr auffaellt, auf dem Desktop und auch auf dem Web.
Der Anteil der korrekt - und dann auch noch effizient ladenden - Seiten steht bestenfalls still. Durch meine regelmaessigen Beobachtungen werde ich immer haeufiger mit Dingen konfrontiert, bei denen Erfahrene nur den Kopf schuetteln koennen. Ist es tatsaechlich sinnvoll, wenn man die Erstellung von Seiten durch unueberlegt konzipierte HTML-Editoren oder Content Management Systeme immer weiter vereinfacht, die Nutzung der produzierten Seiten durch Anwender, Browser oder auch Suchmaschinen dabei gleichzeitig erschwert?
Niemand erstellt Hauswurfsendungen, um sie im Keller zu stapeln. Wer Web-Dokumente oder Inhalte erstellt, wird dies in der Regel tun, damit diese gelesen [oder bestaunt] werden. Auffindbarkeit und Ladezeit [dazu zaehlt das Beschaffen der Seite ueber den Internetanschluss und die Darstellung im Browser] sollten bereits waehrend der Konzeption und nicht erst, wenn es zu spaet ist, beruecksichtigt werden.
Trotzdem sieht man wieder und wieder Seiten, die mit 70 Kb oder auch 100 und 150 Kb ueber den Draht kriechen, um dann 2 oder 3 Kb reine Information zu uebermitteln. Das ist in etwa so, als ob man ein Buch kauft, in dem nur jede 20. Seite bedruckt wurde.
Es macht, spuerbar natuerlich auf einem System mit nur "wenig" Arbeitsspeicher, einen Unterschied aus, ob man einen Editor laedt, der 38 Mb oder 3 Mb Speicher benoetigt, bevor man auch nur ein Zeichen eintippt. Und es ist ein grosser Unterschied, ob ich dutzende von im Grunde genommen willkuerlichen Icons dauernd im Blickfeld habe, oder ein paar programmierbare Menues bei Bedarf mit einem Mausklick auf den Bildschirm rufen kann. Ich werde den Eindruck nicht los, dass Effizienz ihren Preis hat.
Auf dem Web hat Google durch Effizienz laengst gewonnen, auch wenn es die Mitbewerber nicht wahrhaben wollen. Auf dem Desktop ist der Wettbewerb moeglicherweise nicht zu gewinnen. Er setzt Initiative und Auseinandersetzung voraus.
Doppeldeutiger Domainnamen:
http://www.newsextracts.com/
Zeitgemaesse Kunst... Neuer Standard.
Erstaunlich, was trotz Sommerloch alles passiert ist. Ich habe alles, was entweder technisch interessant ist oder ein Mindestmass an Unterhaltungswert bietet, in meinem Blog verewigt:
Laufende Ausgabe Suchmaschinen Weblog und der Suchmaschinen Weblog August 2003.
Neue Tools werde ich erst nach meinem Urlaub auf der Site installieren.
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