Google Schlagseite... Suchmaschinen-Kodex und Presse-Kodex...

Hat Google Schlagseite?

Wahrscheinlich sind nur wenige Menschen davon betroffen, aber es soll Situationen geben, in denen man sich objektiv informieren will, ohne ein Produkt kaufen zu wollen.

Als mein "beautiful Setter" Anfang des Jahres erkrankte, konnte mir Google nicht helfen. Fuer jede denkbare Anfrage, die Symptome beschrieb oder nach Ursachen fragte, lieferte google.co.uk auch bei der auf UK eingeschraenkten Suche nur Praesenzen, die von sog. "Pill-Pushers" betrieben wurden - oft auf einer UK-Domain gehostet, mit Redirect oder Refresh auf eine amerikanische COM.

Zum Glueck hat Google noch kein absolutes Monopol. Bei AltaVista fand ich an erster Stelle eine .gov.uk Seite, gefolgt von Seiten bei englischen und amerikanischen Universitaeten. Vielleicht bin ich voreingenommen, vielleicht liegt es auch nur daran, dass man mit 52 Jahren doch einen gewissen Erfahrungsschatz aufbauen konnte, aber ich habe den von AltaVista gelieferten Informationen groesseres Vertrauen geschenkt als den Seiten der mir unbekannten Mittel-Anbieter. Die gefundene Information half mir bei Verstaendnis und bei der Anpassung des privaten und beruflichen Alltags. Das kann man nicht kaufen.

Ich weiss nicht, wieso AltaVista die richtigen Ergebnisse lieferte, und ich habe - aus Zeitgruenden - nicht gefragt, wieso AltaVista diese Seiten offenbar hoeher bewertet als kommerzielle Praesenzen.

Da ich eine aehnliche Beobachtung machte, als ich mich vor der Anschaffung eines drahtlosen Netzwerkes ueber evtl Probleme der Kompatibilitaet oder Treiber-Verfuegbarkeit informieren wollte, scheint aber erkennbar, dass Google wichtige Eigenschaften der Seiten wie auch deren Herkunft nicht in die Gleichung einbezieht.

Dabei sollte es ein Leichtes sein, vor allem, wenn man mehr als einen Rechner unterhaelt, qualitative Merkmale eines Dokuments und damit einen gewissen Grad der Autoritaet zu evaluieren. Satzbau und Ausdrucksweise [Vokabular] und damit die Zielgruppe sind messbar. Denn nicht jede Suchanfrage wird tatsaechlich durch Populaerkommerz befriedigt. Warum Google diesen Mangel nicht behebt [oder erkennt], ist unbekannt.

Fuer den kommerziellen Site-Betreiber ist dieser Zustand natuerlich von Vorteil, zumindest, solange er nicht erkrankt.

Vielleicht erledigt sich das Problem aber auch von selbst. Wie man munkelt, sollen AltaVista und AllTheWeb zusammengelegt werden, so dass AltaVistas Vorsprung in dieser Beziehung eher fluechtiger Natur bleibt. Erkennbar ist bereits, dass Software-Umstellungen bei ATW stattgefunden haben. Der Redirector, der die URL eines angeklickten Ergebnisses preisgibt, ist bei ATW jetzt der gleiche wie der bei AltaVista eingesetzte. Und auch die Anmeldung bei ATW setzt auf das "OCR-unfreundliche" AltaVista-Verfahren.

Wie bei allen Geruechten, ist auch dieses mit Vorsicht zu geniessen. Vielleicht bleiben ATW und AltaVista als eigenstaendige Objekte bestehen. Und gar nicht so undenkbar ist, dass Google eines Tages ueber die eigenen Fuesse stolpert und jemand in den Medien das merkt.

Verkauf an den Meistbietenden

Suchmaschinen "verkaufen Plaetze auf Trefferlisten", toent Marcel Machill, Journalistik-Professor an der Uni Leipzig im SPIEGEL:
http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,270891,00.html

Das Lament basiert auf einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung, in der man feststellt:

"Suchmaschinen entscheiden heute - aehnlich wie Journalisten - mit darueber, welche Themen ueberhaupt wahrgenommen werden"

wobei man bequemlicherweise vergisst, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass Druecker entschieden, was gelesen wurde.

Verlangt wird ein freiwilliger Verhaltenskodex der Betreiber von Suchmaschinen, damit sichergestellt ist, dass Kriterien der Suche und Rangfolge der Ergebnisse transparenter werden. Auf den Gedanken, dass eine [weitere] Offenlegung der Ranking-Kriterien mehr als realitaetsfremd waere, kommt offenbar niemand. Oder glaubt der Journalist allen Ernstes, dass nur ehrenhafte Mitbuerger von dieser Information Gebrauch machen wuerden?

Bemaengelt wird dann, dass Suchmaschinen Eintraege in den Trefferlisten verkaufen, schoen dekoriert durch einen Screen Shot von Google. Soll da unterstellt werden, oder nur - die Grafik ist so klein, dass man nichts lesen kann - zusaetzliche Bannerwerbung verkauft werden, wenn man auf die gebotene Vergroesserung des Mini-Screenshots klickt.

Letztendlich weiss das wohl nur der Journalist, der im naechsten Satz bekennt, dass Treffer nur schwer als Werbung erkennbar sind.

Die Sache spitzt sich weiter zu. Sie werden es nicht glauben, aber Minderjaehrige "koennten ausserdem auch mit harmlosen Suchbegriffen auf p*r*o*r*f*s*h* oder extr*m*st*sche Seiten gelenkt werden". Der Screenshot bringt den Sofort-Beleg. Die Ergebnisseite von Google zeigt, was einen erwartet, wenn man ein aus drei Buchstaben bestehendes Wort eingibt, das mit einem 's' beginnt, in der Mitte ein 'e' hat, und das mit einem 'x' endet.

Es gibt natuerlich auch Ausnahmen. "Der freiwillige Verhaltens- kodex wird bereits von AOL Deutschland, Microsoft MSN Deutschland und der Allesklar.com AG unterstuetzt", beruft man sich auf die Nachrichtenagentur AP.

Diese gibt offenbar nur wider, was man ihr zur Veroeffentlichung unterschiebt. Denn erkennbar ist, dass bei z.B. MSN.de verkaufte Eintraege direkt in die Liste der von 1 bis 15 numerierten Eintraege geschleust werden. Die verkauften Eintraege, plaziert zwischen dem 1. und dem 2. Suchergebnis, sind zwar nicht numeriert, werden aber als "Gesponserte Websites" herausgestellt, waehrend Google verkaufte Eintraege "nur" am rechten Rand ganz ausserhalb der Trefferliste und dann auch noch "nur" mit dem Wort "Anzeigen" gekennzeichnet plaziert.

Ist der Nachwuchs-Journalist heute wirklich so einfaeltig, dass er nicht merkt, wie er zweckentfremdet wird. Oder nennt man sowas heute Medienkonvergenz?

Wie Martin Roells E-Business Weblog notierte, plappert die Tagesschau nicht nur nach, sondern ueberbietet den SPIEGEL noch:

"Viele Suchmaschinen verkaufen inzwischen Eintraege in ihren Trefferlisten. Die bezahlten Treffer sind kaum als Werbung gekennzeichnet. Genau das aber macht ihren Wert aus. Denn der User hat sich inzwischen an Banner und Pop-Ups gewoehnt. Sie werden ignoriert oder einfach weggeklickt. Anders ist es mit den bezahlten Suchergebnissen. Man darf gespannt sein, wie sich der Marktfuehrer Google verhalten wird, machen doch die Einnahmen aus dem schlecht verdeckten Werbegeschaeft einen Gutteil des Gesamtumsatzes aus."

Aehnlich bestellt ist es um die Filterung zwei- oder mehrdeutiger Begriffe bei MSN. Wie ich bereits am 17.4. in meinem Blog sagte reicht ein Substantiv in Verbindung mit einem Verb, das sich nicht auf Pfefferminzbonbons bezieht, um Anwender jeden Alters auf Seiten zu lotsen, die offiziell nicht gezeigt werden. Aber auch bei sehr eindeutigen Suchanfragen wird nicht unbedingt voellig geschuetzt, denn "Produkte zum Thema" werden immerhin bei Amazon feilgehalten, sagt ein farbig hinterlegter Kasten mit dem grossen Hinweis "Hier klicken". Auch diese Werbung ist nicht als solche gekennzeichnet.

Kein Grund, die Haende ueber dem Kopf zusammenzuschlagen:

"Journalisten besuchten spezialisierte Schulen bzw. wuerden Ausbildungen durchlaufen, die sie befaehigten, Beitraege hoher journalistischer Qualitaet zu erstellen. Dies sei gewoehnlichen Menschen ohne diese Ausbildung nicht moeglich."

Martin Roells Blog

Dana Blankenhorn ist da anderer Meinung. In seinem Blog besticht er durch eine laengst ueberfaellige Analyse, die zum Schluss kommt, dass Journalismus da ist, wo das Publikum ist. Er untermauert diese Behauptung mit der weltweit zu beobachtenden Tatsache, dass politische Presseerzeugnisse und TV-Produktionen eine _wesentlich_ geringere Auflage haben, als z.B. die Regenbogen- oder Boulevard-Presse, waehrend die erfolgreichsten Weblogs sich dem Thema Politik widmen.

Das Interesse an der Politik ist keineswegs, wie fallende Wahlteilname und Einschaltquoten vermuten lassen, gestorben. Es hat sich nur dorthin verlagert, wo Information und Diskussion nicht von Pressesprechern vorgekaut wird. Wo Menschen und nicht politische Korrektheit den Ton angeben. Wo das, was wichtig ist, was nervt, was Gemueter erhitzt, offen gesagt wird.

Blankenhorn erinnert daran, dass in der Vergangenheit Journalisten sich nicht anders verhielten, als Blogger. Weil sie den Mut und die Freiheit hatten, eine Meinung zu aeussern und dafuer auch einzustehen, statt sich um die Karriere Gedanken machen zu muessen. Selbst Thomas Paine, so Blankenhorn, war nichts anderes als ein Blogger.

Neue Suchmaschinen-Tools

Ich habe endlich Zeit gefunden, ein Teil der neuen Tools, die geplant sind, fertigzustellen.

a) und Redirect verhindern

Manche Suchmaschinen schlucken jede Weiterleitung. checkREFRESH zeigt im Browser, was sonst verborgen bleibt.

b) Frames und Iframes demontieren:

checkFRAME zeigt Seiten im Browser so, wie sie Suchmaschinen schonmal untergejubelt werden, waehrend man durch Frames oder Iframes Anwendern etwas anderes zeigt.

c) Server HTTP-HEAD ansehen:

Wenn Sie wissen muessen, was der Server bei einem HEAD oder GET Befehl tatsaechlich zurueckschickt, brauchen Sie checkHEAD.

Suchmaschinen-Tools

Kuriositaeten

Wie immer, steckt der Teufel im Detail. Und aus fuer die Pizza.

Da passt der Name zum Job zum Vertipper. Und hier kann man nachschlagen, was bei Lycos "in" ist.

Neu auf der Suchmaschinen-Site:

Neben den oben erwaehnten Tools habe ich, abgesehen vom viel zu kurzen Urlaub nahezu jeden Tag einen oder mehrere Beitrage "verbloggt". Nicht nur das, auf mehrfache Aufforderung leiste ich mir jetzt auch den Luxus der permanenten Verlinkung taeglicher Blog-Eintraege, damit ein Link, der wegen einer besonderen Pointe oder Story gesetzt wurde, naechsten Monat nicht ins Leere zeigt. Ich erlaube mir, die oft gesehene "Permalink"-Bezeichnung zu verdeutschen. Bei mir heissen sie "Permanenter Link" ;-)

Suchmaschinen Blog September 2003: Google gehackt... FindWhat findet Ueberraschungen in Espotting- Buchhaltung... Gefahren fuer das Web... Eine Blog-Suchmaschine... Neues bei Amazon, AllTheWeb, sich verirrenden Robots, T-Zurueck, LookGarNichtSoClever und anderen. Und Google gesteht, "We've got serious problems."

Weblog September 2003

Und im Oktober: Google-Nachfolger... Ausfuehrliche Gedanken zum Thema PPC bei Overture [und anderen]... Google definiert... Spam von Network Solutions... Inktomi auf Fehlersuche... ODP-Fix, ShiteFinder- Auferstehung... Die erste 100% spamfreie Suchmaschine... eine bemerkenswerte Amazon-Suchinnovation... Von der kuenstlichen Intelligenz zum Gesunden Menschenverstand... Abenteuerliche Referer... Google uebernimmt mehrere Domains... Neues Barometer der Ignoranz... ein Google-Crash und ein Trick... und der Vorwurf, Inktomi wuerde Ranking-Infos verkaufen.

Aktueller Suchmaschinen Weblog.

Newsletter Archiv

© Copyright 1998 - 2008 Klaus Schallhorn.