Manchmal braucht man etwas Abstand zur Sache, um Zusammenhaenge [wieder] richtig evaluieren zu koennen. Nach gut drei Wochen Akkord-Programmierung, die bis zum 30.5. fertig sein musste und die ich ein Jahr vor mir hergeschoben hatte, brauchte ich eine Kreativ-Pause.
Fuer den Online-Zahlungsverkehr war ich gezwungen, Datenformat, Transportmechanismus und Verschluesselung zu aendern, da die Abrechnungsstellen inzwischen von proprietaeren Loesungen auf offene Standards umgestiegen sind und ich die Gelegenheit nutzte, die interne Verwaltung zu ueberarbeiten. Alles in allem weder interessant noch herausfordernd, denn wenn die Clowns der Banken von vornherein offene und etablierte Standards bevorzugt haetten, haette ich mir drei Wochen Unzufriedenheit sparen koennen.
Zum Ausgleich habe ich mich mit CSS, Farben und alternativen Desktops befasst [Mehr damnaechst]. Und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass Google nach wie vor den Mitbewerbern Meilen voraus ist.
Ich weiss - seit Ende letzten Jahres wird immer wieder beklagt, dass die Ergebnis-Qualitaet bei Google in den Keller gesackt ist, und dass man "nichts Vernuenftiges" findet.
Hierbei wird allerdings oft uebersehen, dass es vielleicht damit zusammenhaengt, dass oft "nichts Vernuenftiges" gesucht wird.
Durch die Beschaeftigung mit teilweise technischen und teilweise aesthetischen Fragen fiel mir auf, dass Google immer liefert, was man sucht, und zwar auf der ersten Seite, ganz oben.
Solange man sich mit Themen befasst, bei denen die angenommene Notwendigkeit der Taeuschung oder Trickserei _fehlt_.
Aber sobald es um Praesenzen geht, die Ertrag in den Vordergrund stellen, glauben[!] die Verantwortlichen, nur zum Ziel zu kommen, wenn man mit Tricks und doppeltem Boden arbeitet.
Dabei werden alle die Dinge ruecksichtlos eingesetzt, die unter privaten Site-Betreibern vor Jahren unter der Hand herumgereicht wurden, weil sie _damals_ bei AltaVista und Infoseek und Lotse und was es sonst noch alles gab, Erfolg hatten.
Heute haben solche Tricks ausgedient, weil - was sich wohl kaum einer der sich selbst auf die Schulter Klopfenden ausmalen kann - sie von allen anderen kommerziellen Sites ebenfalls eingesetzt werden.
Mit anderen Worten: es gibt fast nur Datenmuell. Zumindest, wenn es um Kommerz geht.
Die Namen der grossen deutschen Versender und auch Kaufhaeuser kennen Sie. Mit der Suchanfrage
site:www.sitename.de
erfahren Sie bei Google, ob, ggfls wie viele, und wie Seiten der Domains evtl im Datenbestand stecken. Sie werden vielleicht ueberrascht sein, dass manche Unternehmen, die seit Jahrzehnten zum deutschen Vokabular zaehlen, bei Google [und allen anderen] nur mit einigen URLs bekannt sind, die bar jeder Beschreibung daherkommen.
Vergleichen Sie das [nur zum Beispiel] mit
site:www.gnu.org
und es wird offensichtlich, dass eine nicht kommerzielle Site, die juenger als jeder der Grossversender oder der Kaufhaeuser ist, mit mehr als 30,000 Seiten, die von Google aufgenommen werden, nicht nur die - bei weitem - groesste Zahl an Seiten im Datenbestand hat, sondern dass auch jede einzelne eine vernuenftige Beschreibung des Seiteninhalts enthaelt.
Dabei ist es natuerlich NICHT die "Nicht-Kommerzialitaet", die ueber die Aufnahme und Art der Darstellung entscheidet, sondern einzig und allein die _Art_ des Seitenaufbaus.
Die einen werden erstellt, um zu informieren. Die anderen, weil man irgendwelchen Hyperventilierern auf den Leim geht. Und weil die von dieser "Berufs"-Gruppe erstellten Praesenzen zwar "schick" aussehen, die Haus-Farben naturgetreu widergeben und auch die Effekte enthalten, die man bei der Konkurrenz gesehen hat, zahlt man gerne dafuer, nicht gefunden zu werden. Damit man dann doch gefunden wird, werden dann noch miesere Seiten gekloppt, wobei Wegwerf-Domains und immer neue "Suchmaschinen-Optimierer", die Hosting und Seitenklopperei in einem bieten, strapaziert.
Ich bin moeglicherweise atypisch, was mein Konsum-Verhalten angeht. Weil ich viel laufe, verschleisse ich mehr Schuhe, als andere. Suchen Sie mal bei Google.co.uk nach
mephisto "walking boots"
Es ist zum Heulen, was da auf der ersten Seite ausgegeben wird. Dto., wenn man bei Google.de sucht:
mephisto wanderschuhe
Schon ein Blick auf die ausgeschuetteten Domainnamen zeigt, wer da versucht, auf die Schnelle einen Klick, fuer den Dumme bezahlen, zu ergattern. Aber wie die Suche nach Nicht-Kommerziellem zeigt, liegt es nicht daran, dass Google "kaputt" ist, sondern daran, dass es fuer produkt-spezifische Seiten fast nur Datenmuell gibt, und dass manche Datenmueller so viele Seiten und Domains nach allen nur denkbaren und undenkbaren Kriterien erstellen, dass dabei die Zufallstreffer nicht ausbleiben.
Mit anderen Worten: auch heute noch kann man, trotz der auf den ersten Blick uebermaechtigen Konkurrenz, fuer jedes Produkt eine Site hinstellen, die - dauerhaft - die oberen Raenge dominiert.
Man muss es nur richtig machen.
Open Text war die erste richtige Suchmaschine, die Brauchbares auf dem Web spiderte und durchsuchbar machte. Tim Bray war einer der Entwickler von Open Text und ist nach wie vor fasziniert, wenn er bedenkt, was im letzten Jahrzehnt erreicht und versaeumt wurde.
In einer ca ein Dutzend umfassenden [englischsprachigen] Serie thematischer Artikel spricht er mir aus der Seele, wie selten jemand zuvor.
Zum Thema "kuenstliche Intelligenz" meint er z.B., dass Software, die so intelligent ist, dass sie die von den Vertretern der Idee immer wieder gemachten Versprechungen realisiert, nicht nur den Touring Test bestehen sondern Anspruch auf Staatsbuergerschaft haben wuerde.
Fast jede Seite enthaelt Erinnerungen an Versprechungen von heute in Vergessenheit geratenen Firmen, und solche an die Realitaet. Tim befasst sich mit dem Hintergrund des Information Retrieval, den Anwendern [1Komma3 Suchbegriffe], der Intelligenz, der Sprache Internationalisierung, idiotischen Spider-Fallen und allen Punkten, ddie bei der Realisierung einer Suchmaschine wohl ueberlegt sein wollen und bietet damit eine der lohnendsten Lesepausen seit langer Zeit:
Dass gekaufte Links ihre Wirkung immer schneller verlieren, glaubt manch einer erst, wenn es zu spaet ist. Weil auf einer mir per Mail zugespielten Liste einiger Sites, deren Links jetzt wertlos wurden, auch ein paar Domainnamen auftauchten, von denen ich "es" nie vermutet haette, habe ich recherchiert. U.a. bin ich so auf eine Site gestossen, die Ranking Charts produziert. Da mir das dort Gelesene doch bekannt vorkam, musste Google helfen:
Das ist kein Einzelfall. Mit willkuerlich aus meinen Seiten gegriffenen Phrasen finde ich immer wieder Autoren, deren kreative Energie offenbar auf "Copy & Paste" begrenzt ist. Ab und zu findet man allerdings auch ganz Freche, die sich sogar als Autor meiner Texte ausgeben.
Kompliment an Heise, wo man sich mit der [so wird vermutet, durch Microsoft finanzierten] noch nicht veroeffentlichten aber auf dem Web schon in mehreren Versionen kursierenden Studie einer US-Organisation befasst, die darauf abziehlt, Linux als geistigen Diebstahl und Linus Torvaldis als Dieb geistigen Eigentums hinzustellen.
Der Autor der Studie, ein gewisser Brown, der sich auch schon fuer die Belange der Tabakindustrie prostituierte und nach schlagzeilentraechtigen Ereignissen in NY auf die Idee kam, Linux mit Terrorismus zu assoziieren, versucht jetzt, Ritchie, Stallman und Tanenbaum [drei Namen, die jeder kennen sollte, der sich mit Software befasst] Aussagen in den Mund zu legen, die neue Vorurteile schaffen sollen.
Verlinkt werden bei Heise die offiziellen [hoechst lesenswerten] Distanzierungen von Ritchie, Tanenbaum und Stallman, die Browns Vorurteile, Absichten und sachliche Ignoranz entlarven. Verlinkt wird dort auch ein Artikel der NZZ [fuer Leser, deren Englisch Rost angesetzt hat], in dem die Tatsachen verdrehende "Studie", der Autor, seine Absichten und Auftraggeber seziert werden.
Wenn Sie Tanenbaums, Ritchies und auch Stallmans Stellungnahme lesen [und wissen, _wer_ diese Leute sind und welches Ansehen sie international geniessen], wird erkennbar - auch auf die Gefahr hin, dass ich viele Leser vor den Kopf stosse - dass jeder, der Microsoft-Produkte kauft, unmittelbar die weitere geistige Verarmung unterstuetzt und foerdert. Sie muessen selbst entscheiden, ob zukuenftige Beschaffung beeinflusst wird.
Heise-Artikel ueber die Alexis de Toqueville Institution:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/47930
Der naechste Winter kommt bestimmt. Warum Werbung [AA = Anonyme Alkoholiker] treffsicher sein muss... Selbst Umlautdomains erfuellen nicht jeden Wusch. Und wieder eine Google-Besserwisser-Meinung. Domainnamen fuer den Misch-Konzern: bitart.com, oddsexchange.com, horsemansexchange.com, peoplesexchangebk.com, theplasticsexchange.com und tradersexchange.com
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