Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass die letzte Ausgabe dieses Newsletters bereits mehr als drei Monate zurueckliegt. Meine Entschuldigungen fuer die Verzoegerung wollen Sie sicherlich nicht hoeren. Sie sind teilweise privater Natur, teilweise durch unvorhergesehene Pannen [ich habe meinen 4. Provider-Wechsel in 6 Jahren hinter mir], aber auch durch die Tatsache, dass sich in der "Szene" nichts _wesentliches_ getan hat, bedingt.
Ich habe mich in den letzten Jahren mehr als einmal daran gestoert, dass fuer viele Suchbegriffe kaum ein "vernuenftiges" Ergebnis [z.B. praezise Spezifikationen] gefunden wird, wenn man Suchanfragen nicht "dekommerzialisiert", d.h. -shop -preiswert -kaufen usw.
In den letzten Monaten habe ich dazugelernt. Fuer viele Produkte gibt es keine aussagefaehige Spezifikation mehr, weil die Industrie es offenbar vorzieht, zu verallgemeinern. Mir nuetzt es nichts, wenn ein Hersteller behauptet, sein Geraet sei das heute fortschrittlichste seiner Art, oder dass es ein Produkt ist, das man einfach haben muss, solange ich nicht weiss, ob es die von mir gesuchte Funktionalitaet in der von mir gewuenschten Form bietet.
Wenn man sich andererseits ueber Blogs, Foren und Google-Groups ein genaueres Bild ueber ein potentiell interessantes [wenn auch spezifikationsfreies] Produkt gemacht hat, indem man den Tenor der Anwenderaussagen und Meinungen beruecksichtigt, kann die Google-Suche nach einem guenstigen Preis Einsparungen aufzeigen, die vorher nicht moeglich waren. Es soll sogar Waren geben, die neu ueber Google preiswerter zu finden sind, als sie gebraucht bei Ebay versteigert werden.
Damit, dass die Industrie sich heute nur noch ungerne festlegt und Produkt-Eigenschaften verheimlicht, muss man sich als "Verbraucher" - dafuer werden wir schliesslich geboren - wohl abfinden. Man koennte natuerlich Abstinenz praktizieren, aber das geht leider nicht in jedem Lebensbereich.
Nicht jeder ist bereit, mit dem Schaumloeffel Verteiltes ohne jede Kritik zu schlucken. Wenn Sie schlechte - oder auch gute - Erfahrungen mit einem Produkt gemacht haben, lassen sich solche Dinge dokumentieren, wenn die Erfahrung so signifikant war, dass andere sich ebenfalls dafuer interessieren koennten. Wenn man z.B. sprichwoertlich innerlich "kocht".
Ich befasse mich in meiner Freizeit seit ein paar Wochen mit einer Gattung von Produkten [ohne beruflichen Bezug], die teilweise fortschrittlicher sind, als [auch nur entfernt] Vergleichbares vor Jahren, die aber gleichzeitig so grosse, nur bei sehr spezieller Anwendung der gebotenen Funktionalitaet spuerbare Maengel haben, dass man sich an den Kopf fassen muss.
Doppelt, wenn man die Korrespondenz mit dem Hersteller-Support ohne bewusstseinsveraendernde Substanzen betrachtet.
Sich auf sog. "Reviews" oder Testberichte der Medien solcher Produkte zu verlassen, grenzt heute an straeflichen Leichtsinn. So wird z.B. der neue Mini-Mac in den Medien als angenehm leises Geraet beschrieben. Bis man dann auf einen Blog-Eintrag stoesst, der erwaehnt, wie das Apple-Platzwunder "Flugzeuglaerm" verursacht, wenn die Firmware beschliesst, dass das Geraet aufgrund der aktuellen Belastung heiss werden "koennte":
Dass Suchmaschinen [seit Jahren] Linkpopularitaet bewerten, sollte heute kein Geheimnis mehr sein. Trotzdem tun sich Viele mehr als schwer, wenn es darum geht, Links zu sammeln. Das liegt i.d.R. daran, dass eine schlecht verlinkte Site _uninteressant_ ist. Dabei ist, wenn Sie ehrlich sind, kein Leben so 08/15, so genormt und austauschbar, dass man nicht irgendetwas "erfaehrt", lernt, oder erlebt, das weitergegeben werden kann. Und sollte.
In der Regel werden solche Erfahrungsschaetze, solche Erlebnisse, kaum eine berufliche Verbindung aufweisen. Sollte sie auch nicht.
Niemand hindert Sie daran, eine private Site zu erstellen, auf der Sie Wissen, Eindruecke, Erkenntnisse, die Anderen durchaus wichtig sein koennen, niederschreiben. Das ist das, was das Web eigentlich erst zum Leben bringt. Nicht die Site, auf der Pantoffeln, Billigfluege oder Kerzen verkauft werden sollen. Das Web ist ursaechlich zunaechst einmal vernetzte und verlinkte Information, Hilfe, und Unterstuetzung. Dass es auch gewerblich genutzt werden kann, ist praktisch - aber nicht Voraussetzung oder urspruenglicher Zweck der Nutzung.
Voraussetzung ist aber das "freiwillige Geben", das Bereitstellen von Information, die von anderen geschaetzt wird. Eine diesen Kriterien genuegende Site sollte Ihnen aufgrund des Inhalts _allein_ Genugtuung geben. Ein dezent am Ende der Startseite angebrachter Link auf Ihre kommerzielle Praesenz ist ein praktischer Zusatznutzen, aber darf nicht Hauptzweck einer solchen Praesenz sein.
Das Web ist heute so gross, "offizielle" und kommerzielle Informationskanaele dabei gleichzeitig so unglaubwuerdig geworden, dass Anwender, die einen Suchschlitz bedienen koennen, regelrecht nach neutraler Information aufschreien. Und waehrend man heuer annimmt, als Einzelner haette man keinen Einfluss auf das Weltgeschehen, muss das nicht so sein. CNN-Chef Eason Jordan musste erst vor kurzer Zeit "gehen", weil eine nicht fuer die Oeffentlichkeit gedachte Bemerkung von einem Blogger wiedergegeben wurde, dem der Inhalt der Aeusserung wichtiger war als die Konventionen der Presse [zu der er nicht zaehlt].
Eine Site, die erkennen laesst, dass man einer Sache "Herz und Seele" gegeben hat, macht sich bezahlt. Nicht unbedingt monetaer. Nicht unbedingt durch massiven Pagerank. Aber durch die Genugtuung, etwas Wertvolles gegeben zu haben. Alles andere kommt spaeter. Und ohne weiteres Zutun.
Es wird Sie nicht ueberraschen, wenn ich in den naechsten Monaten anhand von mehr als einem solchen Beispiel zeige, was ich meine, auch wenn keines der geplanten Projekte auch nur im entferntesten Sinne etwas mit Suchmaschinen zu tun hat. Aber manchmal hat man das Beduerfnis, mitzu-"teilen", weil man weiss, dass man ein bestimmtes Problem, eine Erkenntnis, eine Einsicht, nicht als Einziger auf der Welt hat. Oder haben sollte.
Im letzten Newsletter fragte ich, warum eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen ist, aus Datenbanken fertige Seiten mit "festen" URLs zu erstellen, die nicht bei jedem Seitenabruf neu erstellt werden muessen. Zope, so musste ich mir von mehreren Lesern sagen lassen, macht das ohne mit der Wimper zu zucken. Auch die angesprochene Frage der Datensicherung wurde bei Zope laengst beruecksichtigt.
Zope hat, so wird mir gesagt, einen eigenen FTP-Server, der direkt aus den Innereien der eingesetzten Datenbank die lokale Datensicherung erlaubt. Nicht ganz so, wie ich's mir vorstelle, da ich einen Web-Server stets als Kopie eines lokalen Originals sehe, aber diesem Ideal sehr nahe kommend.
Auch die "PortalEngine" von eWorks generiert statische Seiten aus Datenbestaenden.
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