Alias Knöpfchen, alias
Beautiful.
19. März 1992 - 26. September 2004
26.10.2004 - Heute vor genau einem Monat musste ich meinem Setter, der mir mehr als zwölf wundervolle Jahre lang jeden einzelnen Tag das Leben bereichert hat, den letzten Dienst erweisen. Ich habe noch nie eine Entscheidung so schweren Herzens treffen müssen. Ich habe, vielleicht weil ich bisher Glück gehabt habe, noch nie einen so schmerzhaften Verlust verspürt. Er hinterlässt eine massive, klaffende Lücke in meinem Leben.
Der erste Satz, den ich 1992 über die Rasse gelesen hatte, sagte in etwa "Irische Setter sind etwas ganz Besonderes. Und sie sind sich der Tatsache bewusst." Oliver wusste, dass er ein aussergewöhnlicher Setter war. Er war ein stolzer Hund, mir gegenüber uneingeschränkt vertrauend, aber auch selbstsicher. Er war ein ständiger Begleiter, der stets um meine längst nicht immer perfekten Launen zu manövrieren und diese zu beeinflussen wusste. Er kannte seinen Freiraum, seine Grenzen, ganz genau. Wusste sie meist haarscharf auszunutzen. Hat sie aber nie, kein einziges Mal, überschritten, auch wenn ich mehr als einmal damit gerechnet hatte.
Von Wildfremden wurde ich oft daraufhin angesprochen, wie "beautiful" - ein Wort, das sich nicht präzise genug übersetzen lässt - er war. Für mich hatte er vor allem eine "beautifulle" Seele. Seine ausdrucksvollen Augen, denen man schnell Zustimmung, Freude, Dank, Erstaunen - und manchmal auch Empörung - ablesen konnte, seine Mimik und sein ganzes Wesen verkörperten Intelligenz, Lebensfreude, und einen nimmermüden Schelm. Durch Oliver durfte ich eine zweite Kindheit erleben, jeden Tag unbeschwerte Stunden verbringen. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein.
1.11.2004 - Gestern, genau fünf Wochen nach seinem Tod, sind wir, meine Gattin und ich, bei Anbruch der Abenddämmerung mit einem Bekannten auf See gefahren, wo ich seine Asche verstreut habe. Eines seiner Lieblingsspielzeuge und einen der vielen Tennisbälle, die er vom Tennisplatz nach Hause brachte, haben wir ausgesetzt. Das auf dem Wasser gleitende Stofftier war auf der Rückfahrt lange als letzter Anhaltspunkt sichtbar, bis es, durch die wachsende Entfernung, kleiner und kleiner geworden, irgendwann Teil des Horizonts wurde. Was bleibt, ist ein ganz besonders grosser Platz in meinem Herz, der stets ihm gehören wird.
19.3.2005 - Heute wäre Oliver 13 Jahre alt geworden. In einer Woche ist er ein halbes Jahr tot. Seitdem ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht an ihn gedacht, ihn nicht vermisst habe. Ich muss mir ständig vor Augen halten, dass ein Hund nur eine im Vergleich zum Menschen geringe Lebenserwartung hat. Ich muss mich in jeder freien Minute bewusst beschäftigen. Das macht es aber nicht einfacher. Wir haben in den letzten 30 Jahren meistens einen vierbeinigen Begleiter gehabt. Aber nur einen Setter. Einen, der durch seine Eigenschaften, seinen Charakter haushoch herausragte. Ich vermisse das gegenseitige Verstehen, die Kommunikation ohne Worte, und inzwischen auch seine Streiche. Sein Ableben hat nicht nur Schmerz, nicht nur eine klaffende Lücke hinterlassen. Sondern auch - u.a. - theologische Fragen. Vor ein paar Tagen wurde mir erstmals bewusst, dass Oliver für mich nicht gestorben ist. Seine Seele ist, das weiss ich inzwischen, unvergänglich.
8.9.2005 - Ich bin heute noch stolz darauf, wie andere, die ihn kannten, gelegentlich von ihm reden. Ich habe meine eigenen Gefühle, meine Erfahrungen niedergeschrieben. Goodbye Beautiful.
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