Irgendwie muss alles bezahlt werden. Suchmaschinen haben bis Mitte 2000 auf Bannerwerbung gesetzt. Suchergebnisse wurden auch bei den kleineren halbwegs neutral ermittelt, die Position überwiegend durch den Inhalt und ggfls externe Faktoren, auf die ich noch eingehe, bestimmt.
Bis Ende 1999 konnten Suchmaschinen durch den Verkauf von Werbung relativ einfach Umsätze erzielen. Agenturen verkauften Bannerwerbung an Firmen, die glaubten, durch Werbung auf dem Internet Bekanntheitsgrad zu fördern oder gar Käufer zu finden. Dass solche Banner nur versehentlich von noch unerfahrenen Anwendern angeklickt werden, und ausser den an Herstellung und Unterbringung Beteiligten niemandem nutzen, scheint sich aber jetzt auch in Kreisen herumgesprochen haben, die für die Vergabe solcher Aufträge zuständig sind, die aber das Web nur aus dem Fernsehen oder den traditionellen Medien kennen.
Weil damit eine wichtige Einnahmequelle endgültig zum Versiegen kommt [Preise für Bannerwerbung fallen seit mehreren Jahren], mussten sich Suchmaschinen nach anderen Einnahmequellen umsehen.
Es wurde gemunkelt - aber niemand hatte für die Grossen einen Beleg - dass Suchmaschinen Position verkaufen. Versehentlich in internen emails gemachte und weitergeleitete Randbemerkungen lassen darauf hin schliessen, dass bei zumindest einer sich an ein allgemeines Publikum richtenden Suchmaschinen Deutschlands Überlegungen im Gange waren, Position zu verkaufen.
Nicht ganz so zurückhaltend sind ein paar kleinere Suchmaschinen. Angefangen hat alles mit Overture [früher Goto], der Suchmaschine, die von Anfang an Position unmissverständlich verkaufte, und zwar im Versteigerungsverfahren an den Meistbietenden.
Soweit ist dagegen nichts einzuwenden, weil Overture mit jedem "Suchergebnis" angab, welche Kosten dem "Werbenden" entstehen. Das Pay for Placement oder Pay per Click genannte Verfahren hat inzwischen zahlreiche Nachahmer gefunden, die aber zusammen kaum 10% dieses Marktes auf sich vereinen. Overture kassierte den Löwenanteil und hat inzwischen Dependancen in vielen Ländern.
Schwindende Umsätze - an Gewinne will man bei den meisten Suchmaschinen noch gar nicht denken - führten plötzlich dazu, dass Overture auch bei den Mitbewerbern salonfähig wurde. Während AltaVista vor ein paar Jahren versuchte, Position an Kunden, die gleichzeitig Bannerwerbung bei AltaVista betreiben, zu verkaufen, war der öffentliche Aufschrei so laut, dass man schnell den Schwanz ein- und das Angebot zurückzog.
Anwender erwarten unparteiische Suchergebnisse.
Keinen Aufschrei gab es, als Suchmaschinen anfingen, "Suchergebnisse" von Overture zu übernehmen. Diese "Suchergebnisse" werden [momentan] bei fast allen Suchmaschinen ausserhalb der eigentlichen Liste der 10 Ergebnisse pro Seite gezeigt. Sie werden von Anwendern, die schnell lernen, sich auf die eigentlichen Ergebnisse zu konzentrieren, daher geduldet. Meist umschreibt man diese Links als "gesponsorte Links" oder ähnlich schwammig, und fast überall sind diese Text-Links auf die drei oder fünf Meistbietenden für einen Suchbegriff begrenzt.
Nur T-Online weicht von diesem Verhalten ab. Wer dort nach z.B. Urlaub oder Reisen sucht, findet zunächst dutzende von bezahlten Textanzeigen, bevor eigentliche Suchergebnisse erscheinen. Diese Textanzeigen erkennen Sie an einem entsprechenden Hinweis hinter den entsprechenden "Ergebnissen".
In Deutschland war Acoon die erste Suchmaschine, die offiziell Position gegen Bares verkauft: wer auf einen der ersten vier Plätze abzielt, braucht nur das Scheckbuch zücken. Abacho und Witch blenden heute, wie viele kleine Suchmaschinen, deren Marktanteile ständig schrumpfen, ebenfalls verkaufte Positionen direkt in die Suchergebnisse ein.
Wie erfolgreich versteigerte Werbung bei der Kundenfindung ist, habe ich im April 2002 versucht zu messen. Nach einem Test bei Espotting und Overture zu je 500.00 Euro habe ich von einer Verlängerung abgesehen.
Suchmaschinen, die Daten kaufen oder Position verkaufen, haben verständlicherweise eine vergleichsweise geringe Marktbedeutung, auch wenn vor allem die zweite Gattung oft von Dienstleistern, die Suchmaschinen-Optimierung anbieten, gerne genutzt wird.
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