Auch Microsoft ist ein Faktor, der Ihre Suchmaschinen-Position beeinflussen kann. Während bisher nur Microsoft-Anwender davon berührt waren, weil z.B. Frontpage Seiten erstellte, die durch mangelhafte Seitenkonstruktion schlechter bewertet wurden und teilweise noch werden, kündigte Microsoft im Sommer 2001 ein Konzept an, das jeden Site-Betreiber trifft. Auch der nach öffentlichem Protest erfolgte Rückzieher schützt nicht vor bereits recht aggressiven Nachahmern.
Einer der nächsten Microsoft-Browser sollte mit einer "Technologie" ausgerüstet werden, die durch das Akronym "Smart Tags" berüchtigt wurde. Nicht nur Zyniker vermuteten, dass "smart" für "seemingly modest additional revenue triggers" stand, oder verdeutscht etwa "augenscheinlich unscheinbare zusätzliche Umsatz-Auslöser". Hintergrund:
Wenn der Browser in einer aufgerufenen Seite z.B. das Wort "Microsoft" entdeckt, wird durch den Browser ein Link auf die Web-Site des für elastische Ethik bekannten Unternehmens in Ihren Seiteninhalt eingeblendet. Nicht nur der Firmenname sollte solche Einblendungen auslösen, sondern auch zahlreiche andere Microsoft-Marken - oder solcher Unternehmen, die sich durch Zahlung nicht bekannter Gebühren Markennamen und sonstige Begriffe sichern konnten.
Um Gegnern, die eine weitere Qualitätsreduzierung der Netzinhalte befürchteten oder gar berechtigte juristische Bedenken hatten, Wind aus den Segeln zu nehmen, bot Microsoft Site-Betreibern, die die inhaltlich veränderte Darstellung ihrer durch Urheberrecht geschützten Seiten verhindern wollen, einen Ausweg, der eindeutig geschäftsschädigende Wirkung hat.
Site-Betreiber haben, so Microsoft, die Möglichkeit, einen eigens hierfür von Microsoft definierten META-Tag in ihre Seiten einzubinden. Wer naiv der Microsoft-Empfehlung folgt und seine Seiten verändert, verschlechtert dadurch bei Suchmaschinen, die das Alter einer unveränderten Seite als positiven Bewertungsfaktor sehen, die derzeit gehaltene Position.
Wer seine Seiten diesem Risiko nicht aussetzen will, muss andererseits in Kauf nehmen, dass Microsoft - und nicht etwa der Autor einer Seite - entscheidet, was Internet Explorer-Anwender lesen und als Autorenmeinung oder Empfehlung wahrnehmen.
Während Smart Tags bisher nicht [in verkauften Windows-Versionen] realisiert wurden, zeigt die Geschichte, dass von Microsoft auf Eis gelegte Pläne fast immer wieder aufgetaut werden. Und dass Ideen, die leichtes Geld versprechen, schnell Nachahmer finden.
Nachdem Microsoft zunächst einmal versprach, "Smart Tags" nicht zu realisieren, haben Trittbrettfahrer schnell reagiert. Über kostenlose Download-Pakete, die dubiose System-Erweiterungen für z.B. das File Sharing oder den kostenlosen Musik-Bezug versprechen, wird ein Plugin für Microsofts Browser verbreitet und meist ohne Wissen der Anwender installiert, das Smart-Tags bereits kommerziell für Millionen von Anwender zum Alltag machte. Mehr als einmal habe ich gelesen, dass das dubiose Plugin auch nach Entfernung wieder auf einem befallenen Rechner auftaucht.
Auch hier soll ein spezieller META-Tag die Einblendung von Links in aufgerufene Seiten verhindern. Ob er beachtet wird, ist zweifelhaft, zumal das Plugin wie einen Trojaner verbreitet wird, und die an der Verbreitung beteiligten Unternehmen auf jede Beschwerde mit Werbung reagieren.
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